Tigerentenhaus ins Auenland: Ein Umzug mit dem Bollerwagen

Von: Markus Bienwald
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Die Umzugskartons warten schon. Foto: Markus Bienwald
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Einrichtungsleiterin Angelika Wever freut auf die neuen Räume. Foto: Markus Bienwald
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Kita-Kinder Sarah und Mara bei ihrer Teezeremonie. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Es ist nicht mehr lange hin, dann wird ein Tag kommen, den Angelika Wever sich eigentlich nicht herbeiwünscht. Noch diesen Monat wird es so weit sein. „Obwohl wir natürlich gerne in das neue Haus ziehen werden“, gibt die Leiterin der pro Multis-Kindertagesstätte Tigerentenhaus zu. Viel hat sie schon erlebt, aber der Umzug eines ganzen Kindergartens ist etwas, das sie noch nicht mitgemacht hat.

Ansonsten weiß sie nach 31 Jahren am bisherigen Sitz der Kita an der Hügelstraße in Marienberg genau, was es heißt, ein Haus mit so vielen Kindern zu leiten. Es gibt nämlich nicht nur zwischenmenschlich immer etwas zu tun. Es muss auch das gesamte Haus gemanagt werden, vom Aufschließen der Eingangstür über die Arbeit mit der elektronischen Datenverarbeitung bis zur Funktion der Kinderküche. Dort sitzen gerade Mara und Sarah und zelebrieren etwas, das in Japan und im Tigerentenhaus unbedingt zur Willkommenskultur gehört: eine Teezeremonie. Und während das heiße Getränk in die Tassen der Kinder fließt, erklärt Angelika Wever, warum der Umzug nicht erst im März stattfindet. „Wir sind schon mittendrin“, sagt sie.

Komplett angepasst

Der Besucher fragt natürlich sofort nach, wie das sein kann, schließlich sind auf den ersten Blick keine gestapelten und beschrifteten Kartons zu finden. Auch „Baustellen“, die es den Kindern unmöglich machen, gewisse Einrichtungsteile in der Hügelstraße zu nutzen, gibt es nicht. „Wir haben uns schon vor dem ersten Spatenstich Gedanken gemacht, wie wir das anpacken können“, sagt Wever. Die Lösung sah so aus, dass das Pferd praktisch von hinten aufgezäumt wurde: Man übertrug die Struktur des Neubaus am Grenzweg, gelegen etwas tiefer im Wurmtal, auf die bestehende Kita. „Das war nicht einfach“, lacht Angelika Wever. Schließlich musste die gewachsene Struktur in der 1950 erbauten Einrichtung komplett angepasst werden. „Doch dadurch, dass wir eine ähnliche Struktur haben wie im Neubau, machen wir es den Kindern natürlich einfacher, sich an das Neue zu gewöhnen.“

Wer den Nachwuchs aus Marienberg und Scherpenseel beim Alltag in der Kita betrachtet, hat nicht den Eindruck, dass er sich unwohl fühlt. Das Gegenteil sei der Fall, so die Leiterin weiter, was auch daran liegt, dass von Anfang an die Eltern in den anstehenden Umzug eingebunden werden. „Wir sind auf der Baustelle gewesen, haben dort Elternrunden veranstaltet, und natürlich gehen wir immer wieder mit den Kindern dorthin“, sagt sie. Dabei hilft, dass bei dem kompletten Neubau in wunderschöner Wurmtallage eine Baustelle entstanden ist, wo Kinder nicht stören. „Es ist ein schönes Miteinander, wenn wir die Handwerker besuchen“, weiß Angelika Wever.

Nachwuchs des Ortes

Und dann zeigt sie doch die Vorzeichen des Umzugs. Im Keller sind sie, die Kartons, die schon gepackt wurden, fein beschriftet und gut gestapelt. Beim Gedanken daran, noch mehr zu packen, ergreift Angelika Wever nicht die Panik. Wohl aber beim Gedanken daran, hier als Letzte zum letzten Mal den Schlüssel im Schloss umzudrehen, das Haus zu verlassen und sich dem neuen Heim am Grenzweg zu öffnen. „Wir werden diesen Abschied natürlich auch in die pädagogische Arbeit aufnehmen“, sagt Angelika Wever. Das bedeutet, dass die Kinder in einem Schuhkarton etwas aus der alten Einrichtung mitnehmen und in der neuen Einrichtung auspacken dürfen. Die Kartons landen dann im Bollerwagen und so wird, je nachdem wann die Arbeiten endgültig abgeschlossen sind, wahrscheinlich im März ein kleiner Umzugstross durch Marienberg ziehen.

Falscher Weg zur Arbeit

In ihrer Tasche hat Angelika Wever dann den Schlüssel, den sie 31 Jahre lang ins Schloss steckte. Und sie wird unendlich viele Erinnerungen haben an das alte Haus und an die Menschen, die es mit Leben erfüllt haben. „Es wird schon sehr emotional“, ist sie überzeugt.

Und sie fügt hinzu: „Ich werde sicherlich ein paar Mal den falschen Weg zur Arbeit nehmen.“

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