Tierschutzhof Lindern vor dem Aus

Von: Jan Mönch
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Hallo, Meister Bock: Gabi Hesterkamp lockt Ziege Bernie mit einem kleinen Snack vor die Kamera. Hahn und Henne scheuen keine Mühe, um aufs Bild zu kommen. Foto: Jan Mönch
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Thomas Brauckmann mit dem jungen Kätzchen Drops. Drops und sein Bruder Lakritz, die aus dem selben Wurf stammen und sich praktisch bis aufs Haar gleichen, suchen einen liebevollen Besitzer. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen-Lindern. Holly ist die Chefin. Das denkt sich Holly jedenfalls so. Und zumindest von den Pekingenten Tic, Tac und Toe wird sie auch als diejenige akzeptiert, die das Sagen hat. Ob Holly weiß, dass sie selbst keine Ente, sondern eine Gans ist, muss an dieser Stelle offen bleiben. Es spielt ja auch keine große Rolle. Auf dem Linderner Tierschutzhof akzeptiert man sich, wie man eben ist.

Diese Philosophie gilt erstens mit Blick auf die Tierart. Neben allerhand Federvieh beherbergen Gabi Hesterkamp und ihr Lebensgefährte Thomas Brauckmann auf einem alten Bauernhof in der Linderner Maarstraße unter anderem zahlreiche Katzen, eine Taube und auch zwei Zwergziegen.

Vor allem aber bezieht sie sich auf den Gesundheitszustand der Tiere. Der ist bei manchen ausgezeichnet, aber längst nicht bei allen. Die Arbeit des Tierschutzhofes fängt also oft da an, wo die Tierliebe anderer aufhört. Manche der Katzen, die erst wenige Monate alten Lakritz und Drops zum Beispiel, sehen tatsächlich ungefähr so aus, wie die Werbeindustrie sie gerne hat: weich, verspielt und ganz einfach schön anzusehen.

Andere hingegen haben diese Zeit hinter sich: Ihre Körper sind mager und ihr Fell zerschossen, manche sind dement. „Viele der gesunden Tiere vermitteln wir weiter. Und die kranken Tiere bekommen bei uns ihr Gnadenbrot“, sagt Hesterkamp.

Ihren Weg auf den Tierschutzhof haben die Bewohner auf ganz unterschiedliche Weise gefunden. Carlos beispielsweise, ein Kater unbekannten Alters, wurde von einem Auto angefahren und von denen, die ihn fanden, zuerst sogar für tot gehalten.

In der Maarstraße wurde er wieder aufgepäppelt und ist Hesterkamp und Brauckmann so sehr ans Herz gewachsen, dass er – obgleich wieder gesund – nicht weggegeben wird. Manche der Hühner hingegen sind aus der Legebatterie freigekauft worden. Und die beiden Ziegen waren eigentlich für den Schlachter vorgesehen. Gabi Hesterkamp ist überzeugt: „Man sollte niemals ohne Grund ein Tier töten.“

Und eigentlich sollte man seinem Haustier auch bis zum Tod ein Zuhause bieten, findet sie. Einige Halter gäben die einstigen Lieblinge aber einfach ins Heim, wenn das Ende naht. „Manche Leute schmeißen ihre Tiere ja regelrecht weg“, schimpft Thomas Brauckmann.

Einige von ihnen gelangen von dort aus dann nach Lindern, denn Gabi Hesterkamp hat eine Zulassung als „tierheimähnliche Einrichtung“. Auch Tiere, die das Veterinäramt wegen falscher Haltung beschlagnahmt hat, finden ein neues Zuhause.

Gabi Hesterkamps Tag beginnt zwischen 5 Uhr und 5.30 Uhr am Morgen, auch am Wochenende. Und die Versorgung all der Tiere ist ein Vollzeitjob. Denn erstens machen ja schon die üblichen Prozeduren – Stroh wechseln, füttern, et cetera – bei der Menge der Bewohner einige Arbeit.

Und zweitens benötigen besonders die kranken Tiere viel Zuwendung, müssen beispielsweise eingecremt werden. Der Tag endet dann gegen 20 Uhr bei Facebook: Da stellt Hesterkamp in einer eigenen Gruppe (Suchbegriff: „Tierschutzhof Lindern“) neue Bilder von ihren Schützlingen ein und berichtet einer Gemeinde von immerhin gut 250 Personen, wie die Tiere sich am jeweiligen Tag so gemacht haben.

Natürlich müssen auch die Tiere mit ansteckenden Krankheiten von den anderen ferngehalten werden. Caribo und Milow zum Beispiel leiden an Katzen-Aids und bewohnen dementsprechend ein eigenes, abgesperrtes Zimmer. Das gleiche gilt für Taube Waltraud, die zwar nicht krank ist, aber aufgrund von Erschöpfung aufgepäppelt werden muss und dafür viel Ruhe braucht. Eine Zusammenlegung mit den Katzen wäre da natürlich eher hinderlich.

Doch Scherz beiseite: Der Tierschutzhof in der Maarstraße wird nicht mehr lange existieren. Gabi Hesterkamp und Thomas Brauckmann sind hier nur Mieter, und die Besitzer wollen den Hof gern verkaufen. Darum sucht das Paar für sich und nicht zuletzt seine Tiere ein neues Zuhause, in das sie als Mieter einziehen könnten.

Optimal, sagt Hesterkamp, wäre ein alter Bauernhof wie der in Lindern. Auf jeden Fall müsste die Immobilie einen Außenbereich haben. Innerhalb der vier Wände wäre eine größere Zahl an Zimmern von Vorteil, da ja viele der Tiere getrennt gehalten werden müssen. „Für uns selbst hingegen brauchen wir nicht viel“, so Hesterkamp.

Wer eine entsprechende Immobilie zur Miete anzubieten hat oder einen heißen Tipp hat, kann sich unter Telefon 02462/2069266 melden. Übrigens freut Gabi Hesterkamp sich immer über Geld- oder Sachspenden, schon heute profitiert der Tierschutzhof stark von einigen Supermärkten, die aussortierte Lebensmittel für die Tiere überlassen.

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