Therapiezentrum Loherhof: Online-Hilfe gegen Alkoholsucht

Von: Udo Stüßer
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Für viele Alkoholiker ist eine Therapie im Loherhof die letzte Rettung. Foto: imago/imagebroker
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Beschreitet neue Wege in der Therapie: Hans-Rainer Hubbes. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Peter Bernhard (Name von der Redaktion geändert) ist Verwaltungsdirektor einer großen Einrichtung. Die Arbeitsbelastung ist groß. Ab und zu greift er zu einem Cognac. Dies geschieht immer häufiger. Auch am Tag, während der Arbeit. Schließlich sind es ein bis zwei Flaschen Schnaps, die er am Tag in sich hineinschüttet.

Fünf Jahre lang. Von seiner Umgebung unbemerkt. Dann kommt es immer häufiger zu Ausfallerscheinungen, zum Gedächtnisverlust. Peter Bernhard geht in eine Klinik. Er will den Entzug. Anschließend wird ihm eine Reha verordnet. Nach dreimonatiger Therapie wird er entlassen. Peter Bernhard kommt aber nicht trocken zu Hause an. Schon im Bahnhof kauft er sich die erste Flasche. „Der Mann hatte Angst. So geht es vielen Alkoholkranken. Wenn sie ein bisschen trinken, gehen die Ängste weg“, erklärt Hans-Rainer Hubbes, Leiter des AHG Therapiezentrums Loherhof. Hier, in dem Haus, in dem chronisch suchtkranke Menschen ein neues Zuhause finden, fand auch Peter Bernhard Hilfe.

Bis Mitte der 70er-Jahre gab es überhaupt kein therapeutisches Angebot für Suchtkranke. Bis dahin waren diese Menschen ganz normale Fälle für die Psychiatrie. 1975 machte die damalige Bundesregierung eine Bestandsaufnahme der psychiatrischen Versorgung und stellte fest, dass ein spezielles Angebot für Suchtkranke erforderlich ist. Vor 35 Jahren wurde die Allgemeine Hospitalgesellschaft (AHG) gegründet, die nun 13 soziotherapeutische Einrichtungen, davon alleine zehn im Rheinland, betreibt.

Eine dieser Einrichtungen ist das im Jahre 2001 als stationäres Wohnheim für chronisch suchtkranke Menschen gegründete Therapiezentrum Loherhof. Hier stehen 30 stationäre Plätze für chronisch suchtkranke Menschen zur Verfügung. „Überwiegend sind es Alkohol- und Medikamentenabhängige, die hier untergebracht sind. Vereinzelt wurden aber auch illegale Drogen konsumiert, manche sind von mehreren Drogen abhängig“, erklärt Hubbes.

Der Diplom-Sozialarbeiter, Diplom-Sozialwirt und Psychologische Therapeut geht auf die weitere Entwicklung der Einrichtung in Geilenkirchen ein: Da im Jahre 2004 die Landesregierung die Vorgabe machte, ambulant vor stationär zu therapieren, mietete die AHG die ersten Wohnungen für betreutes Wohnen im Kreis Heinsberg an. 2006 wurde das Konzept „heimnah betreutes Wohnen“ umgesetzt.

Die Geilenkirchener Familie Davids, Eigentümerin des Loherhofes, baute auf dem weitläufigen Gelände Wohnungen für 35 Menschen, die das Therapiezentrum verlassen und eine dieser Unterkünfte in direkter Nachbarschaft anmieten können. Bei Bedarf sind sie in wenigen Minuten wieder im Therapiezentrum, wo sie rund um die Uhr einen Ansprechpartner finden. Neben diesen 35 Klienten werden durchschnittlich 25 bis 30 weitere im ganzen Kreis Heinsberg selbstständig lebende Menschen betreut, nachdem sie den Loherhof verlassen haben. Zu diesen Menschen gehört auch Peter Bernhard, der vor drei Jahren aus dem Loherhof ausgezogen ist.

2007 wurde die erste Außenstelle, der „Treff zum Kniepbusch“, gegründet. Eine weitere gibt es mittlerweile auch in Aachen und Düren. „Drogenabhängige, die mittlerweile in ihrer eigenen Wohnung leben können, haben hier eine Anlaufstelle und finden hier eine Tagesstruktur vor“, erklärt Hubbes. Hier wird gemeinsam eingekauft, gefrühstückt und gekocht. Hier gibt es ähnlich wie im Therapiezentrum Loherhof ein umfangreiches Freizeitangebot. Neben lebenspraktischen Anleitungen – Wie koche ich? Wie wasche ich die Wäsche – gibt es viele Möglichkeiten, sich künstlerisch zu betätigen. Hier entstehen schöne Bilder und Werke aus Holz und Ytong-Stein. Einzel- und Gruppengespräche werden im „Treff zum Kniepbusch“ ebenfalls angeboten.

„Unser Ziel ist, den Menschen im Therapiezentrum Loherhof eine vorübergehende Heimat zu bieten. Sie sollen aber, wenn möglich, ausziehen und auf eigenen Beinen stehen“, sagt Hubbes. Etwa die Hälfte der Suchtkranken schafft den Übergang vom Therapiezentrum ins betreute Wohnen. „Aber nur zehn Prozent schaffen nach etwa fünf bis zehn Jahren ein ganz selbstständiges Leben“, sagt der Leiter des Zentrums. „Für manche“, so der Therapeut weiter, „ist selbst der Schritt vom Therapiezentrum zum heimnahen betreuten Wohnen zu groß. Das sind nur 200 Meter, aber diese Klienten haben Orientierungsschwierigkeiten und können sich nicht mehr alleine versorgen.“

Hubbes hat festgestellt, dass Suchtkranke aus allen gesellschaftlichen Schichten kommen. „Aus ganz normalen Familien kommen ganz normale Suchtkranke. Sicherlich findet man hier auch den Obdachlosen, aber auch den Gymnasiallehrer und den Pfarrer, die ihr Leben ohne Alkohol nicht mehr bewältigen konnten. „Das sind alles Menschen in Not“, sagt Hubbes und blickt in die Zukunft: „In der Außenstelle am Kniepbusch werden etwa 25 Suchtkranke betreut. Und es werden mehr.“

Um diese Menschen besser betreuen zu können, will er neue Wege gehen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass nicht mehr Geld für die Suchttherapie zur Verfügung stehen wird: Da immer mehr ambulante Plätze entstehen, will er das Internet für eine bessere Betreuung nutzen. „Sicherlich ist der menschliche Kontakt wichtig, aber der könnte durch tägliches skypen ergänzt werden.“ Anfang nächsten Jahres will er den regelmäßigen Kontakt zwischen Klient und Therapeut via Internet verwirklichen. Bis dahin sollen die technischen Voraussetzungen geschaffen sein.

In den Niederlanden ist E-health in der Suchtbehandlung schon länger ein Thema. „Hier gibt es bereits die Hybrid-Behandlung: der direkte Kontakt von Mensch zu Mensch und darüber hinaus über das Internet“, hat Hubbes über die Grenze geschaut. Wie die Soziotherapie künftig aussehen wird, ist auch Thema einer Fachtagung am Mittwoch, 4. September, ab 13 Uhr in der Außenstelle „Treff zum Kniepbusch“. Interessierte können daran teilnehmen, wobei Hans-Rainer Hubbes um telefonische Anmeldung unter Telefon 02451/4090810 bittet.

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