Theater gegen Rechts: Vom Liebespaar zu Todfeinden

Von: Markus Bienwald
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Jule (Sabrina Ullrich) und Cem (Tobias Vorberg) verkörpern das einstige Liebespaar, das sich nun bekämpft. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Was passiert eigentlich, wenn zwei, die irgendwann einmal so viel füreinander fühlten, sich trennen und sich im Laufe der Zeit so weit voneinander weg bewegen, dass es scheinbar keine verbindenden Elemente mehr gibt? Was passiert, wenn sich um diese beiden das bedrohliche Szenario extremen Gedankenguts aufbaut?

Diesen Fragen widmete sich das Stück „Hin & Weg.sehen“ vom „Theaterspiel“ aus Witten, dass nun im Pädagogischen Zentrum (PZ) an der Comeniusstraße gastierte.

Für Sem und Jule, die beiden Hauptfiguren, sind Hass und Gewalt beinahe zum Alltag geworden, sie scheinen nur noch im Kopf zu haben, wie sie die kommenden Auseinandersetzungen miteinander möglichst zum eigenen Vorteil hin organisieren können. Kernthema des aus Mitteln der politischen Bildungsoffensive des Kreises Heinsberg gegen extreme Parteien finanzierten Spiels ist die immer wieder aufkeimende rechte Gewalt und was Zivilcourage ausrichten kann.

Inhaltlich dreht sich alles um Sem und Jule, die einst für einander bestimmt schienen. Doch Verletzungen, Mobbing und Vorurteile haben sie voneinander getrennt, so liegen Jule und Cem seit Jahren mit ihren Cliquen im Clinch. Eine nicht unwichtige Rolle spielt dabei der Opa des nach eigener Aussage durch und durch „deutschen Mädels“. Er heizt mit uralten Parolen gerne die Stimmung an, seine mitreißende Art fällt trotz seines Alters bei Jule auf fruchtbaren Boden.

Sabrina Ullrich in der Rolle der Jule und Tobias Vorberg als Cem zeigen dabei einen Tanz auf des Messers Schneide, denn eigentlich merken beide gar nicht, wie wenig sie die gewalttätigen Auseinandersetzungen überhaupt wollen.

Cem will sogar damit aufhören, doch für Jule kommt die schmerzliche Erkenntnis, dass rechts nicht Recht ist, schließlich in einer Situation, in der Cem und seine Freunde längst um ihr Leben fürchten müssen. Doch auch witzige Dialoge, in denen Cem Jule zum Döner danach einlädt oder Jule ihrer Stiefschwester den Einkauf beim Türken um die Ecke empfiehlt, täuschen nicht über den ernsten Hintergrund der Handlungen auf der Bühne hinweg.

Denn hinter dem Gespielten steckt viel Realität, so hat sich Regisseurin Silvia Eilhardt im Vorfeld mit Aussteigerinnen aus der rechten Szene beraten. „Ich wollte nicht mehr den Mund halten“, sagt sie, die im Stück auch die Rolle der Stiefschwester von Jule übernimmt. „Trotz der fiktiven Story entspringt die Geschichte in Einzelteilen auch der Realität“, erklärte sie den Schülern der Städtischen Realschule.

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