„The Hobbyraums“: Der erste Auftritt seit 30 Jahren

Von: Dettmar Fischer
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Sängerin Sylvia Szymanski (Mitte) glänzte das ganze Konzert hindurch. Foto: Dettmar Fischer
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Hinter zwei Keyboard-Etagen schwer zu sehen, aber umso besser zu hören: Hans „Branner“ Brandt.
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Viele kennen Richard von Weizsäcker als ehemaligen Bundespräsidenten, doch es handelt sich auch um das Pseudonym dieses Schlagzeugers.
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Trieb die Band durch zehn Stücke: Gitarrist Hans Mansfeld.
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Bassist, Bandleader und Szene-Urgestein Fritz Knizia.

Übach-Palenberg. Richard von Weizsäcker trommelt wieder, das ist eine der guten Nachrichten eines Abends im Postwagen, der in die Musikgeschichte der Stadt Übach-Palenberg eingehen wird. „The Hobbyraums“ heißt die Band, die alle Klischees und die Bildzeitung Lügen straft.

In den 80ern des letzten Jahrhunderts hieß die Band „Silvi und die AWACs“. Die vier Jungs und Silvi hatten eine Karriere vor sich, die sie dann doch lieber anderen überließen, den Toten Hosen zum Beispiel, die heute noch mit Schlagerpunk um die Welt touren.

Damals war es eine kurze, aber heftige Karriere, die Bassist Fritz Knizia, Sängerin Silvia Szymanski, Gitarrist Hans Mansfeld, Keyboarder Hans „Branner“ Brandt und Schlagzeuger Pete Hopeless alias Richard von Weizsäcker sausen ließen. Nach dem ersten erfolgreichen Album beim legendären Düsseldorfer Label Schallmauer habe es sich tatsächlich so angefühlt wie Aufbruchstimmung, erinnert sich Fritz Knizia. „Wir wurden in die Neue Deutsche Welle reingesteckt, zu Unrecht, und trafen all die Musiker, auch von den Toten Hosen, im Ratinger Hof.“

Selbst die Bildzeitung titelte damals „Richard von Weizsäcker trommelt nicht mehr“, als der Aliasname von Schlagzeuger Pete Hopeless dem Büro des Bundespräsidenten Weizsäcker zum Dorn im Auge wurde und gestrichen werden musste.

Bei der zweiten Platte verknatschten sich dann die Bandmitglieder und beerdigten „Silvi und die AWACs“. Als „The Hobbyraums“, benannt nach dem Probenraum im Hobbykeller eines Bandmitglieds, da muss man erst mal drauf kommen, kehrten die Fünf nach gut 30 Jahren nun wieder zurück auf die Bühne bei der Outbaix Followers Party in der Gaststätte Postwagen an der Bahnhofstraße in Übach-Palenberg.

Das hätte ganz schön peinlich werden können – aber es geht eben auch anders. Ein paar alte Herren und eine Dame in schwarzen Lederklamotten covern „Come together“ von den Beatles, und man hat das Gefühl, den Song noch nie schöner und intensiver gehört zu haben. Kann das sein? Es kann!

Es knirscht und pfeift im Mikro von Bassist Knizia. Die Bitte des Ex-Outbaix-Betreibers und gelegentlichen Mitmusikers bei verschiedenen Bandprojekten ans Mischpult blieb nicht ungehört. „Fritz, dat is Dein Herzschrittmacher“, kommentiert einer aus dem Publikum. Der herzliche Humor der Menschen, deren Vorfahren ihr Leben unter Tage zubrachten, hat auch Fritz Knizia verinnerlicht. Staubig trocken und auf eine scheinbar unauffällige Weise doch sehr präsent, agierte der „Bandleader“. Beim magischen Schlangengriff um die Bassseiten, dem wirbelnden Handgefuchtel, das eigentlich nix bewirkt, außer eben eine magische Aura, spürte man, dass es hier einer ernst meint mit der Musik, und das, wenn man es so sagen darf, mit einer Haltung, die Achtung abverlangt.

„Ich muss jetzt singen“

Sängerin Silvia Szymanski ist die bessere Hälfte von Knizia, und beide zusammen sorgten beim letzten Stück „I wanna be your Dog“ von Iggy Pop für einen der Momente, für die man die Couch mit dem Konzertsaal vertauschen muss. „Ich muss jetzt singen“, hatte Knizia vor dem Stück angekündigt, und er tat es dann mit einer solchen Intensität, dass selbst Silvia Szymanski ein wenig die Augenbrauen hochzog. Szymanski glänzte das ganze Konzert hindurch.

Gleich beim ersten Stück „Red right Hand“ von Nick Cave oder bei „Dead End“, einem Lied, dass sie zusammen mit Knizia während ihrer Mädchenbandzeit mit „The Me-Janes“ schrieb, war die Sängerin der „Hobbyraums“ das schönste Beispiel dafür, das nicht alle großen Sängerinnen früh sterben müssen. Hinter zwei Keyboard-Etagen war „Branner“ Brandt zwar kaum zu entdecken.

Aber das, was man hörte, erinnerte, wenn der Vergleich gestattet ist, an die besten Zeiten von Can. Gitarrist Hans Mansfeld trieb die Band durch zehn Stücke, ganz weit entfernt von der Rente. Auch wenn der Musikclub Outbaix heute nicht viel mehr als eine Ruine ist, bleibt die gute Nachricht, das „Silvi und die AWACs“ als „The Hobbyraums“ auferstanden sind.

Die Band Los Barstardos hatte an diesem Abend neben ihren Songs auch eine Minioper mitgebracht, die aus der Konserve dargeboten die Geschichte des Outbaix Revue passieren ließ.

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