Teverener Ortsvorsteher ist „stinksauer“

Von: Udo Stüßer
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Er übt heftige Kritik an der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben: Teverens Ortsvorsteher Hans Josef Paulus. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen-Teveren. Vor der ersten Mieter- und Eigentümerversammlung der Bürgerinitiative Fliegerhorst Neu-Teveren übt Ortsvorsteher Hans Josef Paulus massive Kritik an der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin der 294 Wohneinheiten im Westen des Geilenkirchener Stadtgebietes: „Ich bin stinksauer auf die Bima“, erklärt er und nennt den Grund.

„Ich habe den Eindruck, dass die Bima die Siedlung systematisch vernachlässigt hat, weil sie sich von den Siedlungshäusern trennen will.“ Hätte sich, so der Teverener Ortsvorsteher, die Bima verhalten wie jeder andere private Vermieter und die Häuser instand gehalten, würden jetzt keine Wohnungen leer stehen. „Ich befürchte, dass mit der Entwicklung eines städtebaulichen Sanierungskonzeptes für die Fliegerhorstsiedlung ein Abbruch von Häusern verbunden ist“, ärgert er sich.

Paulus erinnert sich noch gut an den Aufbau der Siedlung Anfang der 50er-Jahre und an die folgenden Jahre, in denen die Royal Air Force den Teverener Flugplatz nutzte und englische Militärs in Neu-Teveren lebten. „Die Häuser waren nach damaligem Stand hervorragend ausgestattet. Es herrschte Ordnung in der ganzen Siedlung. Es hat sich geradezu eine Idylle entwickelt.“

Das galt auch in der Zeit nach dem Abzug der Engländer Ende der 60er-Jahre: Soldaten des Flugkörpergeschwaders 2 lebten in der Siedlung neben Angehörigen des 85. US Detachment und Bediensteten von Landes- und Bundesbehörden. „Vier bis fünf Hausmeister waren für die Pflege und Sauberkeit der ganzen Anlage zuständig“, so Paulus. „Später aber“, so sein Vorwurf, „hat die Bima die Wohnungen systematisch vernachlässigt.“

Bereits in den 90er-Jahren habe sich eine Bürgerinitiative gegründet, die die schlechte Wasserversorgung öffentlich gemacht habe. „Weil teilweise braunes Wasser aus den Wasserhähnen kam, hat man die Wasserversorgung ganz abgeklemmt, um die Wasserzufuhr und die Wasserqualität zu überprüfen. Zeitweise wurden die Bewohner mit Wasserbehältern der Bundeswehr versorgt. Es hat sich herausgestellt, dass die Wasserzufuhr in Ordnung war, aber die Probleme in den Versorgungsleitungen der Häuser lagen.“

Braunes Wasser sei damals keine Seltenheit gewesen. „Seitdem hat sich nicht viel geändert, es wurde nur punktuell saniert.“ Paulus fordert, die Versorgungsleitungen dem heutigen Stand anzupassen, die Häuser energetisch zu sanieren und die Bewohner in die Planung einzubinden. „Das Ziel muss sein, so wenige Häuser wie möglich abzureißen und so viele wie möglich zu sanieren. Wir haben zu wenig Baugrundstücke in der Stadt, und in Neu-Teveren sollen Häuser abgerissen werden“, zeigt er wenig Verständnis.

Die Bima, so ist er überzeugt, habe auf den jetzigen Zustand hingearbeitet, um jetzt argumentieren zu können, angesichts der Leerstände könne man Häuser abreißen. „Es gibt sogar Mieter, die bis zu 20 000 Euro in ihre gemieteten Häuser reingesteckt haben, kaufen wollen, das teilsanierte Haus wird ihnen aber von der Bima verweigert“, äußert Paulus sein Unverständnis.

Der CDU-Mann betont, dass er in seinen Bemühungen auch eng mit der CDU-Stadtverordneten Theresia Hensen, Ortsvorsteherin von Grotenrath, zusammenarbeitet. Das wird auch dadurch deutlich, dass sich beide am heutigen Mittwochabend ebenso wie Bürgermeister Thomas Fiedler und Technischer Beigeordneter Markus Mönter um 19 Uhr im „Haus Führen“ in Teveren den Fragen stellen.

Diese Versammlung, zu der die Bürgerinitiative eingeladen hat, sorgt aber auch für Verwunderung bei so manchem Kommunalpolitiker, beispielsweise bei Jürgen Benden, Parteichef der Grünen. Dieser hatte sich telefonisch bei der Initiative nach dem Treffen erkundigt. Später erhielt er von Norbert Grimm, einem der Sprecher der Initiative, ein E-Mail, in der dieser mitteilt, „dass zu dieser Veranstaltung Ratsmitglieder bzw. die Fraktionen des Stadtrates nicht eingeladen werden“.

Die Einladung aller Ratsmitglieder würde den Rahmen sprengen. Weiter heißt es: „Die Einladung nur einzelner Fraktionen würden wir grundsätzlich aus Gründen der Fairness und unserer von Anfang an festgelegten Unabhängigkeit und Parteilosigkeit nicht in Betracht ziehen.“ Auf die Ausladung reagierte Benden per Mail: Von der Politik werde Bürgernähe eingefordert. „Bürgernähe ist aber keine Einbahnstraße, und die zu Recht von den Bürgern immer wieder geforderte Gesprächsbereitschaft, Offenheit und Transparenz muss von allen Seiten gepflegt werden.“

Weiter kritisiert Benden: „Wie Sie mir mitteilen, möchten Sie nur ausgewählte Vertreter aus Politik und Verwaltung in diese Versammlung mit einbeziehen, das wiederum widerspricht dem von Ihnen eingeschlagenen Weg in die Öffentlichkeit. Das bedeutet leider auch, dass engagierte Kommunalpolitiker aus Teveren wie Johann Graf (Bürgerliste) oder Maja Bintakys-Heinrichs (Grüne) automatisch ausgeschlossen werden.“ Aber es bleibt dabei: Nur die CDU sitzt mit am Tisch.

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