Teverener Kahlschlag ist jetzt ein Thema in Berlin

Von: Udo Stüßer
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Stefan Evertz und Maja Bintakys informierten den Grünen-Bundestagsabgeordneten Oliver Krischer (r.) über den Kahlschlag. Foto: G. Schmitz

Geilenkirchen. „Es ist ein Unding, dass man ein ganzes Waldstück niederlegt, wenn einzelne Bäume zu hoch geraten sind“, schimpfte Oliver Krischer, Bundestagsabgeordneter der Grünen, in der Teverener Heide. Und: „Wir haben hohe Holzpreise. Da kann man den einen oder anderen Euro verdienen“, erklärte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag und politischer Koordinator des Arbeitskreises Umwelt und Energie.

Auf Einladung der Geilenkirchener Grünen informierte sich Krischer vor Ort über den Kahlschlag. „Wir fordern eine Aufforstung mit niedrig wachsenden Baumarten, damit es nicht turnusmäßig zu solch einer Kappung kommt“, forderte vor Ort Stefan Evertz. Er befürchtet, dass in den nächsten Jahren lediglich die schnell wachsenden Birken hochkommen, nachdem man das Areal zwischen den beiden Sportplätzen im Teverener Heidestadion auf Stock gesetzt hat. Natürlich, so betonte Evertz, wollten die Grünen die Flugsicherheit nicht gefährden, allerdings forderten sie mehr Transparenz und eine bessere Kommunikation.

Krischer hatte zuvor Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als Dienst- und Fachaufsicht angeschrieben: Für die Zukunft müsse sichergestellt sein, dass Maßnahmen nur den nötigen Rückschnitt betreffen und nicht wie bisher weit über das beantragte Maß hinaus Rodungsmaßnahmen durchgeführt werden, hatte Krischer in dem Schreiben moniert. Und: „Wenn die Nato einen Rückschnitt der Bäume auf eine sichere und niedrigere Höhe beantragt, dann kann es nicht sein, dass die zuständige Bundesbehörde einen Kahlschlag dieser Fläche anordnet.“

Krischer moniert, dass die betroffene Stadt Geilenkirchen von offizieller Stelle nicht über das Ausmaß der Rodungsarbeiten informiert worden sei. Eine Möglichkeit zur Stellung- oder gar Einflussnahme auf die Umsetzung der Fällung habe nicht bestanden. Das aber wird vom Bundesfinanzministerium anders dargestellt. „Hinsichtlich der Einbindung der Stadt Geilenkirchen bestätigt die Bundesanstalt, dass im Rahmen des Planungsverfahrens das Bauverwaltungsamt der Stadt im August und im November 2013 durch den Nato-E3A-Verband eingehend unterrichtet wurde.

In diesem Zusammenhang wurde der Stadt zudem ein Ortstermin angeboten. Zu Beginn der Arbeiten hat der Bundesforst Rhein-Weser die Stadt Geilenkirchen erneut informiert“, heißt es in dem Antwortschreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs Steffen Kampeter an Oliver Krischer. Gleichwohl sage die Bundesanstalt zu, im Vorfeld vergleichbarer Maßnahmen neben den zuständigen Verwaltungsstellen künftig auch die Öffentlichkeit aktiver über Ziel und Umfang der Maßnahmen zu informieren.

Derweil sieht Bürgermeister Thomas Fiedler die Informationsübermittlung „als nicht ausreichend und in Zukunft dringlich besser zu gestalten an“. In einem Schreiben an die Grünen-Fraktion im Geilenkirchener Stadtrat erklärt er: „Das Schreiben vom 21. August 2013 gab der Stadt keinen Hinweis auf die Eingriffstiefe der anstehenden Maßnahme, wohl aber eine genaue Flächendefinition. Mit Schreiben vom 19. November 2013 teilte der E-3A-Verband mit, dass ein Abstimmungsgespräch mit dem Bundesforst stattgefunden habe. An diesem Abstimmungsgespräch war die Stadt Geilenkirchen nicht beteiligt.“

Der Gestattungsvertrag zwischen der Stadt und der Bundeswehrverwaltung aus dem Jahr 1991 sehe vor, dass der Bund die Stadt über beabsichtigte Veränderungen zu informieren habe. Dies könne durch das Schreiben des E-3A-Verbandes als erfüllt angesehen werden. Auf die Frage der Grünen, ob der Stadt die Karte mit maximal zulässigen Höhen vorgelegen habe, antwortete Fiedler: „Die Karte hat bei der Verwaltung nie vorgelegen.“ Dies kritisierte auch Oliver Krischer.

Eine solche Karte dürfe nicht in einer Amtsstube liegen. Es müsse transparent gemacht werden, wo welcher Baum mit welcher Höhe zugelassen sei. Erforderliche Maßnahmen müssten dann mit der Stadt und dem Kreis mehrere Jahre im Voraus geplant werden. Er wolle nun geklärt wissen, wer, wann und wie informiert wurde und wer wo zugestimmt hat. „Wir müssen die Widersprüche aufklären und für die Zukunft daraus lernen“, sagte er.

Krischer war sich sicher: „Wenn der Bundesforst sich jetzt gegenüber dem Ministerium erklären muss, wird die Kommunikation in Zukunft sicherlich besser.“

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