Tempo 30 fährt in der Wolfsgasse so gut wie niemand

Von: Thorsten Pracht
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Wer hier Tempo 30 fährt, gehört zu einer Randgruppe: 85 Prozent der Autofahrer durchqueren Wolfsgasse und Einhardstraße in Gangelt mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 55 km/h.

Gangelt. In Gangelt wird gerast. Das ist keine plumpe Behauptung, die Gemeinde hat es Schwarz auf Weiß. Weil ein Anwohner sich über „zunehmende Verkehrsdichte und abnehmende Verkehrsdisziplin“ im Bereich Wolfsgasse/Einhardstraße beklagt hatte, wurde gemessen. Und siehe da: Der Wert V85, also der von 85 Prozent der Autos gefahrene Durchschnitt, betrug 55 km/h – in einer Tempo-30-Zone wohlgemerkt.

Spitzenwert in der Messperiode vom 26. November bis 3. Dezember 2015 waren 94 km/h. „Es sind Maßnahmen zur Geschwindigkeitsdämpfung für den Bereich Einhard- straße/Wolfsgasse notwendig“, schlug die Verwaltung vor. „Wir müssen tätig werden“, erklärte Ordnungsamtsleiter Helmut Görtz in der Sitzung des Bauausschusses am Dienstag.

Tätig werden will auch die CDU, allerdings eher nicht in Sachen Verkehrsberuhigung. „Die Wolfsgasse wird perspektivisch Durchgangsstraße zu den Baugebieten und zur Hastenrather Straße“, erklärte Karl-Heinz Milthaler. „Unsere Empfehlung ist: Man sollte Tempo 30 dort aufheben. Das ist eine breite Straße mit breiten Gehwegen. Tempo 30 ist dort falsch.“ Die Äußerung sorgte für prompten Unmut auf den ungewöhnlich gut gefüllten Zuhörerplätzen. „Das gibt Krieg“, murmelte ein Bürger.

Achim Philippen (SPD) erklärte: „Es ist doch unsinnig, das Tempolimit den zu schnellen Autofahrern anzupassen. Da stimmt doch was nicht im System.“ Über die geplanten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung wurde nicht mehr diskutiert, der Ausschuss will die Ergebnisse weiterer Gespräche mit der Kreispolizeibehörde und dem Kreis Heinsberg abwarten.

Für Anwohner Josef Dietel ist die Angelegenheit damit nicht erledigt. „Die Belange der Anwohner nach gesunden Wohnverhältnissen sind durch diese Äußerungen für Sie nicht relevant. Nicht nur ich, sondern auch die anderen Zuschauer der Ausschusssitzung waren schockiert über Ihre Ausführungen“, schreibt Dietel an Milthaler. Dem CDU-Fraktionschef sei „offensichtlich nicht bewusst“, dass es sich bei den Verkehrsübertretungen um eine „tickende Zeitbombe“ handele.

Dietel schreibt weiter: „Auch sind Ihnen die Belange der Schulkinder aus dem Wohngebiet Gangelt Nord I bis IV und zukünftig Nord V, die alle die Einhardstraße/Wolfsgasse queren müssen, offensichtlich egal.“ Dietel schließt mit dem Satz: „Parallel lasse ich meine rechtlichen Möglichkeiten auf höherer fachlicher Ebene, insbesondere beim hierfür zuständigen Ministerium in Düsseldorf, prüfen, um eine gegebenenfalls für die betroffenen Anwohner unhaltbare Entscheidung des Rates der Gemeinde Gangelt zu verhindern.“

Derweil sammelt die Gemeinde weitere Daten. So würde laut Ordnungsamtsleiter Görtz erhoben, wie viele Schüler die Einhardstraße täglich überqueren. „Gemacht werden muss an beiden Straßen etwas“, sagte Görtz am Freitag. Für den Kreis Heinsberg erklärte Sprecher Ulrich Hollwitz: „Das Verfahren läuft noch.“ Die gemessenen Geschwindigkeiten seien für eine 30-Zone „eine Menge“. Es habe einen Behördentermin mit der Gemeinde und der Kreispolizeibehörde gegeben. Ziel sei es zu prüfen, „inwieweit Tempo 30 dort durchgesetzt werden kann“.

Da es sich weder um eine Kreis- noch um eine Landesstraße handele, sei es Sache der Kommune, die Geschwindigkeit an diesen Stellen festzusetzen, klärt Hollwitz auf. Aus Sicht des Kreises seien alle derzeitigen Gespräche darauf ausgerichtet, Maßnahmen für eine Reduzierung der Geschwindigkeiten zu finden. „Sollte die Gemeinde andere Ideen haben, müssen wir das neu erörtern“, sagt Hollwitz. Allerdings habe der Kreis ein Veto-Recht. Die Diskussionen dürften weitergehen – am Dienstag trifft sich in Gangelt der Gemeinderat.

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