Geilenkirchen - Telefon des Angeklagten lange Zeit im Strahl der Ortung

Telefon des Angeklagten lange Zeit im Strahl der Ortung

Von: Herbert Keusch
Letzte Aktualisierung:

Geilenkirchen. Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren hat das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Thomas Schöning am vierten Verhandlungstag den 24-jährigen Angeklagten verurteilt, der zum Auftakt mit seinem Sprung aus dem Fenster im zweiten Stock des Geilenkirchener Amtsgerichts für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Sein Mittäter kam jetzt mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr davon. „Nach Überzeugung des Gerichts hat sich der Sachverhalt so zugetragen wie angeklagt”, begann der Richter seine Urteilsbegründung am Mittwochabend nach stundenlanger Verhandlung. Das Gericht sei der Meinung, dass die Telefondaten der Mobiltelefone der beiden Angeklagten durchaus verwertet werden können.

Zu Beginn des vierten Verhandlungstages führte Staatsanwältin Anja Korte noch zwei weitere Anklagen gegen den 24-jährigen in das Verfahren ein. Danach hatte er am 5. März letzten Jahres im Kaufhof in Aachen mit einer aus einem Auto, an dem eine Scheibe eingeschlagen und eine Handtasche gestohlen worden war, versucht, mit der so entdeckten Kontokarte eine Flasche Parfum zu bezahlen.

Nachdem er zweimal die falsche Pin-Nummer eingegeben hatte, sei er geflüchtet, verfolgt von einem Kaufhausdetektiv. Bei der Flucht habe er noch eine Jeans mitgenommen. „Mein Mandant erklärt dazu, dass er die Karte von einem Bekannten bekommen und bei seiner Flucht die Jeans nach hinten geworfen hat, um den Verfolger aufzuhalten”, sagt Strafverteidiger Andreas Fleuster.

Gehört wurde anschließend ein Tondokument, das von der Überwachungskamera in der Spielhalle stammt, auf die ein Raubüberfall am 4. Juli vorigen Jahres den beiden Angeklagten in der Hauptsache vorgeworfen wurde. Danach ist auf diesem Tondokument zu hören, dass der Täter sagt: „Mach die Kasse auf.”

Den Geilenkirchener Stadtplan für den Bereich des Sendemastes in der Konrad-Adenauer-Straße verteilte ein 47-jähriger Kriminalbeamter, der als Zeuge gehört wurde. „Es sind fünf Telefonate mit dem Handy des Täters geführt worden.” Die Funkortung des Handys habe ergeben, dass es am Abend des Tattages in Aachen gewesen sei, im Verlauf des Abends über Verlautenheide nach Geilenkirchen bewegt worden sei und sich bis einige Minuten nach der Tatzeit in der Funkzelle in Geilenkirchen befunden habe.

Mehrfache Verbindungen

In der gleichen Funkzelle habe sich auch das Handy des Mitangeklagten befunden, es habe mehrfach Verbindungen zwischen diesen beiden Handys gegeben. Wobei der mitangeklagte 23-Jährige auf dem Video eindeutig als Besucher der anschließend überfallenen Spielhalle feststehe. Um 0.56 Uhr habe es zwischen den beiden das letzte Telefonat, wenige Minuten später den versuchten Raub gegeben. Um 1.32 Uhr sei das Handy dann wieder in Aachen geortet worden.

Wegen des Vorfalls in dem Aachener Kaufhaus sei der 24-Jährige ebenso zu bestrafen wie für die Tat am 4. Juli in der Spielhalle, sagte Staatsanwältin Anja Korte in ihrem Plädoyer. Sein Mittäter habe die Lage in der Spielhalle ausgekundschaftet und ihn über Handy informiert. Gegen 0.52 Uhr stürmte er in die Halle, schrie, dass die Kasse geöffnet werden solle, aber die weibliche Spielhallenaufsicht habe wenig Probleme gehabt, den Täter aus der Tür zu schieben.

„Es hat mehrere Telefonverbindungen zwischen den beiden Tätern gegeben in dieser Nacht, eine Videoaufzeichnung der Überwachungskamera sei vorhanden, und nicht zuletzt spricht die heutige Aussage der 23-jährigen Freundin des Angeklagten, die unter seiner Nummer niemals jemand anders als immer nur den Angeklagten am Handy hatte, dafür, dass es sich um den Täter handelt”, führte die Staatsanwältin aus. „Ich fordere für den 24-Jährigen auch aufgrund der teilweise einschlägigen Vorstrafen drei Jahre Haft.” Für den 23-jährigen Mittäter forderte die Staatsanwältin eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.

„Wir haben viel gehört und gelesen, sind aber dennoch nicht weitergekommen, weil wir der Meinung sind, dass die festgestellten Handydaten nicht verwendet werden dürfen”, sagte Strafverteidiger Bülent Karakus für den 23-jährigen Mittäter und beantragte Freispruch. Ähnlich auch Strafverteidiger Harry Völker für den 23-Jährigen: „Ich halte die Indizien für nicht verwertbar, was ermittelt worden ist, ist nichts.”

Ebenfalls forderte Strafverteidiger Andreas Fleuster für den 24-jährigen Hauptangeklagten Freispruch. „Mein Mandant soll in die Spielhalle gestürmt sein, was nicht bewiesen ist.” Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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