Tausende Kilometer für ein gutes Foto

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
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Eine Szene in Marrakesch: Zwei alte Männer begrüßen sich auf dem Marktplatz. Für solche Aufnahmen läuft Karl-Heinz Hamacher kilometerweit durch die Stadt. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Die Gedanken von Karl-Heinz Hamacher schweifen in die Vergangenheit. Zurück in seine Kindheit. Und da hat er sie wieder vor Augen: die von seiner Mutter „geknippsten” Fotos. Natürlich liebevoll ins Album geklebt und untertitelt: der kleine Karl-Heinz unter dem Tannenbaum.

Diese Szenen hat Karl-Heinz Hamacher vor Augen, während er unter dem alten Nussbaum in seinem heimischen Garten seine eigenen Fotos betrachtet. Bilder seiner Heimat Gangelt, aber auch Fotos, die er auf unzähligen Reisen aufgenommen hat.

In Paris, Wien und Rom, auf La Gomera, auf Mallorca, in Marrakesch hat er Landschaften und Menschen fotografiert. Sind es wirklich nur Fotos? Nein, jedes für sich ist ein Kunstwerk. Doch bis dahin war es ein langer Weg...

Karl-Heinz Hamacher hat in seiner Jugendzeit wie fast jeder mit einer Sucherkamera hantiert. Doch kaum hatte er seinen Auto-Führerschein, führte ihn einer seiner ersten Wege in die Stadt. „Dort habe ich mir meine erste Spiegelreflexkamera gekauft, obwohl ich keine Ahnung hatte”, blickt er auf eine rasante Entwicklung zurück.

Denn schnell legte er sich auch eine Dunkelkammer zu. „Stolz wie Oskar erzählte ich im Kollegenkreis, wie professionell ich ausgestattet bin, ohne überhaupt eine Ahnung von Fotografie und Dunkelkammertechnik zu haben”, lacht er heute.

Von der professionellen Ausstattung erfuhr in jener Zeit auch sein Kollege Friedel Dabek, Funktionär im Fußballkreis. Er war es, der Karl-Heinz Hamacher unserer Sportredaktion als Mitarbeiter vorschlag. „Sport, das war nun schon das Dritte wovon ich damals keine Ahnung hatte”, erzählt er humorvoll.

Es verging kein Monat vom Kauf der Kamera bis zu seiner Arbeit als Sportjournalist. „Aber meine ersten Bilder waren so schlecht. Ich glaube, die Sportredaktion hat mich nur deshalb nicht rausgeworfen, weil sie keinen anderen hatte.”

Aber dann packte ihn der Ehrgeiz. „Und dann kenne ich nichts mehr.” In wenigen Wochen hat sich Hamacher das Fotografieren und vernünftige Entwickeln von Filmen und Bildern beigebracht. Ein halbes Jahr später schon war er Mitarbeiter in der Lokalredaktion der Heinsberger Nachrichten. Heute ist er auch Tag für Tag für unsere Zeitung im Einsatz.

Der begeisterte Fotograf fährt gerne zu seinen Terminen in der Gangelter Region. „Und ich rümpfe auch heute noch nicht die Nase, wenn ich Kaninchen- und Taubenzüchter ablichten muss. Denn das sind die Menschen, die die Dorfgemeinschaft ausmachen.”

Doch der junge Hamacher wollte nicht nur für die Heimatzeitung fotografieren. Erste künstlerische Erfahrungen machte er in einem VHS-Kurs. „Uwe Piper, der Dozent, hatte eine Art zu fotografieren, die mich begeisterte. Er hat mir den Blick dafür geöffnet, dass es mehr gibt, als die Ehefrau und die Kinder zu fotografieren.”

Doch die VHS hat Hamacher, selbst Vater von vier Kindern, schnell verlassen: „Ich bin ein notorischer Einzelgänger, ich arbeite stur alleine”, sagt der Mann, der überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört, der am Abend lieber in seinem Garten in Fotobüchern blättert, als sich auf Partys vergnügt.

Geheimnisvoll

Die niederländischen Fotografen Gill Banser und Toto Frima, die Hamacher in einer niederländischen Galerie kennengelernt hat, haben ihm schließlich die Richtung gewiesen. Der Gärtner Gill Banser fotografierte Wolken und montierte auf ihnen Dinge aus seiner Gärtnerei.

Hamacher liebt diese surreale Art der Fotografie. Ihn beeindruckten die Aktfotos von Toto Frima, die sie mit einer Polaroid-Kamera von sich selbst machte. Dunkle, vage Bilder.

Das Vage, das Geheimnisvolle hat Hamacher in seinen Arbeiten übernommen. Er will in seinen Bildern Spannung aufbauen. Deshalb zieht es ihn immer in die Welt hinaus. Er liebt die Life-Fotografie, Szenen auf der Straße in Marrakesch, zwei alte, bärtige Männer, die sich auf dem Marktplatz umarmen. Ein Pferdefuhrwerk auf der Landstraße bei Marrakesch, in biblisches Dunkel eingetaucht.

Unverzichtbar sind für den Fotografen der PC und die Bildbearbeitung. Sicherlich entstehen bei ihm das Bild und die Entfremdung bereits in der Kamera, die Feinheiten allerdings erst im „Photoshop”. Ein Jahr lang hat er Seminare besucht, um den richtigen Umgang mit dem Bildbearbeitungsprogramm zu erlernen.

Jetzt zeigt er auf ein eindrucksvolles Bild, ebenfalls in Marrakesch aufgenommen und in Gangelt am PC bearbeitet: Ein Kind vor altem Gemäuer, im Hintergrund recht groß zu sehen. Und die Frau im Vordergrund recht klein. Nahezu genial das Foto.

Ebenso genial seine Bewegungsstudien, Bilder mit einer unheimlichen Dynamik. Dabei ist der Gangelter recht bescheiden. „Ich würde mich nie als Künstler bezeichnen. Fotografie ist ein Handwerk. Man braucht ein linkes Auge und einen rechten Zeigefinger. Aber man muss die Motive sehr schnell erkennen, denn die Szenen dauern oft nur zwei Sekunden. Man muss sie förmlich vorausahnen.”

Hunderte Ausstellungen besucht

Hunderte Ausstellungen hat Hamacher gesehen, unzählige Fotografen kennengelernt. Wenn er selbst fotografieren will, muss er reisen. „Ich schaue, wo ich für 29 oder 59 Euro hinkomme und suche mir eine kleine Pension, weit ab vom Schuss.”

In Marrakesch lief er eine Woche lang jeden Tag 25 Kilometer durch die Straßen, um Menschen und Szenen zu fotografieren. Gut 1000 Bilder schießt er dann in der Woche. „Wenn dann zehn richtig gute Bilder dabei sind, bin ich richtig stolz”, sagt der extrem selbstkritische Künstler.

Ausstellung in Haus Basten geplant

Karl-Heinz Hamacher hat bereits ein großes Publikum mit seinen Fotos begeistert. Ab dem 25. Oktober stellt er einen Teil seiner Arbeiten im Geilenkirchener Haus Basten aus.

An dieser Ausstellung ist auch der Heinsberger Fotokünstler Dettmar Fischer beteiligt.

An einem weiteren Projekt arbeitet derzeit Karl-Heinz Hamacher: Er liebt die Bücher des österreichischen Dramatikers Thomas Bernhard. Dieser zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Hamacher will eine Fotoserie über die Arbeit des 1989 verstorbenen Schriftstellers machen.
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