Tausend Jahre Geschichte in einer Stunde

Von: hama
Letzte Aktualisierung:
gä gan bild
Taufbecken, aus einem Granitblock gehauen: Gästeführerin Dorothee Fernholz (links) mit Zuhörern in der Pfarrkirche St. Nikolaus. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Eine der sieben Glocken in St. Nikolaus schlug die dritte Stunde an, als Dorothee Fernholz am nahen Rathaus die Gäste zu einer ganz besondern Führung begrüßte. Am Samstag war „Weltgästeführertag” (WGFT), und in Gangelt stand eine Besichtigung der Pfarrkirche St. Nikolaus auf dem Programm.

Der 20. International Tourist Guide Day wird seit 1990 von zahlreichen Gästeführerorganisationen weltweit durchgeführt. Der Weltgästeführertag ist der Tag, an dem die Öffentlichkeit eingeladen ist, die Arbeit von ausgebildeten und im Bundesverband der Gästeführer in Deutschland e.V. (BVGD) organisierten Gästeführern kennenzulernen. Motto des 2009 war „Die Zeit verrinnt”.

Dorothee Fernholz, die zusammen mit elf andern Gästeführerinnen im Kreis Heinsberg in der Organisation „Westblicke” organisiert ist, begann ihre Erläuterungen auf dem Weg vom Rathaus zur Kirche. Der kleine Ort Gangelt verfügt über eine relativ große Kirche, deren Ursprünge ins erste Jahrtausend zurückgehen.

Gangelt war ein karolingischer Königshof mit einer romanischen Kirche, die im Spätmittelalter zu einer gotischen Basilika umgebaut und erweitert wurde. Das sind so ist ersten groben Anhaltspunkte, die das gute Dutzend Gäste hörte. Das große Interesse für das Mittelalter war es, das Dorothee Fernholz zur Gästeführerin werden ließ.

Kaiser Karl

Aus Süsterseel stammend lebt sie in Stahe und kannte Gangelt nur von der „Durchreise”. 2005 begann das Projekt „Gästeführer” und Dorothee Fernholz war dabei. Es folgte eine Ausbildung und ein für sie faszinierendes Abtauchen in die Geschichte Gangelts, die soviel mehr bietet als nur den „Muhrepenn”. Von Karl dem Großen in Gangelt (8. Jahrhundert) hörten ihre Gäste, vom Einfluss des Franzosenkaisers Napoleons, von Kosaken, die - auf dem Durchmarsch nach Frankreich - das Gotteshaus 1814 als Pferdestall benutzten.

Immer wieder werden die gottesfürchtigen Gangelter hervorgehoben, die St. Nikolaus, ihre geliebte Kirche, ein ums andere Mal wieder aufbauten. An einem Teil der Stadtmauer hört man von dem Geheimgang, der einst Burgturm und Kirche verband. Vor dem Eingang angekommen, erfahren die Gäste, dass der Turm von St. Nikolaus zuerst alleine gestanden hat; die Kirche wurde später drumherumgebaut.

Dass „der Weg zu Gott beschwerlich ist”, zeige der vom Eingang zum Chorraum leicht ansteigende Weg, erläutert Dorothee Fernholz. Sie bringt das Taufbecken, aus einem Granitblock gehauen, mit dem exakt darüber befindlichen Schlussstein eines Kreuzbogens in Verbindung. Sie geht auf die verschiedenen Baustile, die Farbgebung und die Heiligenfiguren ein.

Maler Maintz

Von den Chancen, die ein Unglück bietet, berichtet sie, als es um das Jahrhundert-Erdbeben (Stärke 5,9) von 13. April 1992 geht. Schon nach dem 2. Weltkrieg waren viele der herrlichen Malerarbeiten des Gangelter Meisters Caspar Maintz weiß übertüncht worden. Einige dieser Arbeiten wurden im Rahmen der Renovierung freigelegt, die „Bergpredigt” restauriert. „Ich stelle mir das wunderschön vor, wie die Kirche einmal ausgesehen hat”, trauert nicht nur Dorothee Fernholz dieser Pracht nach.

Zum heiligen Antonius („St. Töen, help mech sökeÓ) gab es amüsante Geschichten und am nahen Marienaltar endete die Führung. Da schlug St. Nikolaus gerade vier. So verrinnt die Zeit. „In genau einer Stunde 1000 Jahre Geschichte - was will man mehr”, meinte die Gästeführerin.

Dorothee Fernholz hat verschiedene Führungen durch Gangelt, auch in englischer oder französischer Sprache, im Angebot. „Von alten Gemäuern, berühmten Männern und gefräßigen Gänsen” ist eine der beliebtesten und wird auf die Interessen der Gruppe abgestimmt. Aber auch für Kinder ist etwas dabei, für Freunde des Rittertums und der sakralen Architektur.

Im ersten Jahr kamen 300 Gäste, 2008 waren es schon 715. Insgesamt waren es etwa 150 Führungen bis zum vergangenen Samstag, die Dorothee Fernholz in Gangelt durchgeführt hat.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert