Tatort Outbaix: Beliebter Traditionsclub am Boden

Von: Jan Mönch
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Das Licht ist aus – für immer? Gegen das Outbaix (ehemals Tatort), wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Der Club wurde über die Grenzen von Übach-Palenberg hinaus als Veranstaltungsort für Konzerte geschätzt. Foto: Jan Mönch
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Bilder aus besseren Tagen: 2008 wurde unter anderem den Hardrockern Guns’n’Roses Tribut gezollt... Foto: Markus Bienwald
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... 2007 den legendären ZZ Top. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Die Wolken über dem Outbaix ziehen sich endgültig zusammen. Schon lange sorgen sich die Freunde des Übach-Palenberger Veranstaltungsorts um dessen Zukunft. Nun hat das Amtsgericht Aachen ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Mönchengladbacher Rechtsanwalt Guido Utsch eingesetzt.

Ein vorläufiges Insolvenzverfahren dient der Prüfung der Finanzverhältnisse des Schuldners. Nach spätestens drei Monaten wird dann gegebenenfalls ein reguläres Insolvenzverfahren eingeleitet. Auch die Suche nach einem neuen Investor ist bis dahin denkbar. Um das Outbaix wieder in Schwung zu bringen, müsste dies jedoch jemand sein, der erstens über gute Kontakte zur hiesigen Szene verfügt, und der zweitens bereit ist, Geld in die Hand zu nehmen. Rechtsanwalt Utsch stellt gegenüber unserer Zeitung fest, mit seiner Arbeit noch ganz am Anfang zu stehen. Kommende Woche wisse er mehr.

So traurig die Nachricht für die Anhänger des Outbaix ist – überraschend kommt sie nicht. Noch im Herbst waren plötzlich sämtliche Konzerttermine abgesagt und teils in die Rockfabrik verlegt worden. Und bereits im Sommer war Fritz Knizia, der das Outbaix viele Jahre gemeinsam mit Wolfgang Makowski betrieben hatte und auch nach dessen Abgang im Juli 2012 für die Organisation von Konzerten verantwortlich war, von Bord gegangen.

Niemand in der Szene geht davon aus, dass es sich um eine Trennung in Freundschaft gehandelt hat. Und nun scheint endgültig klar, dass mit Knizia damals die letzte Stütze, die den Club aufrecht erhielt, weggebrochen ist. Karl Jentgen, der das Outbaix 2012 übernommen hatte, behauptete im Herbst gegenüber unserer Zeitung hingegen unverdrossen, dass von einer Schließung keine Rede sein könne. Grund für die Konzertabsagen seien lediglich Umbaumaßnahmen, die mehr Aufwand mit sich gebracht hätten als erwartet. Der Betrieb werde bald wieder aufgenommen.

Jentgen ist mittlerweile ganz offensichtlich auf Tauchstation gegangen. Die unserer Redaktion bekannten Telefonnummern sind abgemeldet worden. Vertreter der Szene, die über Jahre mit Jentgen verkehrten, wissen nicht, wie dieser zu erreichen ist. Die Website des Clubs ist offline. Und selbst Rechtsanwalt Utsch hatte offenbar größere Schwierigkeiten, mit Jentgen Kontakt aufzunehmen.

Ganz anders war Jentgen aufgetreten, als er 2012 das Outbaix übernommen hatte. Jentgen, selbst passionierter und vielseitiger Musiker, wollte das Outbaix neu ausrichten und insbesondere ein jüngeres Publikum ansprechen. Vieles spricht dafür, dass er das Potenzial des bis dahin gut laufenden Clubs überschätzte und sich gewaltig verhoben hat. Auch der Umgang mit Bands wie Mitarbeitern soll dem Ruf des Outbaix nicht unbedingt entgegengekommen sein. Theken-Aushilfen soll er ihren Lohn nicht ausgezahlt haben.

Viele Jahre schätzte eine rege Szene an der Lokalität zuvorderst die familiäre Atmosphäre von Kneipe und Konzertsaal. Lokale Bands traten dort ebenso auf wie internationale Interpreten, Cover-Bands gaben sich die Klinke in die Hand. Doch Live-Musik war nicht alles – auch Kabarettisten wurde eine Bühne geboten. Ein Beleg für den Einfallsreichtum der Macher war das „Literaturboxen“ im Jahre 2007, bei dem Fausthiebe und Lesung kombiniert wurden. Unvergessen ist außerdem der Ärger mit dem WDR, der der Lokalität 2010 das Tragen des Namens „Tatort“ verbieten wollte – mit Erfolg. Aus dem Tatort wurde das Outbaix – ansonsten änderte sich nichts.

Die offizielle Facebook-Seite des Outbaix ist seit Ende Oktober nicht mehr aktualisiert worden. Anders sieht es bei gleich zwei Facebook-Gruppen („Outbaix Musicclub Followers“ sowie „Bring back the Outbaix“) aus, die von enttäuschten Anhängern gegründet wurden. Ärger und teils Wut über den Geschäftsführer werden dort in Sätze gegossen. Andere schwelgen in Erinnerungen und stellen Fotos vergangener Konzerte online. „Es darf nicht passieren, dass solch eine kulturelle Institution aus der Einöde von Übach-Palenberg verschwindet“, schreibt dort ein entsetzter Fan. Leider deutet genau darauf nun alles hin.

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