„Tag des Denkmals”: Zwei Führungen ab Schloss Rimburg

Von: Herbert Simons
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Das Schloss Rimburg liegt gege
Das Schloss Rimburg liegt gegenüber der Ortschaft Rimburg, durch die deutsch-niederländische Grenze getrennt. Unweit des historischen Gemäuers verlief die „Via Belgica”, Am Sonntag ist das Schloss um 14 Uhr und um 15.15 Uhr Treffpunkt Interessierter an einer Führung. Foto: Archiv Stadt Übach-Palenberg

Übach-Palenberg. Im Jahre 1539 taucht die „Via Belgica”, wie sie heute genannt wird, als Reiseroute der Herzogstochter Anna von Jülich, Kleve, Berg auf. Anna war auf dem Weg zu König Heinrich VIII. von England, der Anna am 6.1.1540 in England heiratete.

Die Unterhändler beider Seiten, die diese Eheverbindung herstellten, einigten sich im Vorfeld über die Reiseroute. Diese sollte über den Landweg erfolgen.

Hierzu fertigte man in England einen Reiseplan mit der alten Römerstraße „Via Belgica” an. Anna hielt sich 1539 im Schloss Hambach bei Jülich auf. Anna reiste also mit einem großen Tross an Menschen, Pferden und Aussteuer im Winter auf den beschwerlichen wochenlangen Weg bis zur Küste bei Calais, wo sie nach Dover in England übersetzte.

In dem Reiseplan ist Rimburg eingezeichnet, der wichtige Grenzort zwischen den beiden Herzogtümern Jülich und Limburg. Diese bedeutende Römerstraße „Via Belgica” tangierte hier die heutige Stadt Übach-Palenberg.

Es war eine aufregende Zeit mit der Reformation und Gegenreformation sowie den Erbauseinandersetzungen zwischen dem Jülicher Herzog und dem Habsburgischen Kaiser Karl V. Es stellt sich die Frage: Wer war Anna, was waren die Beweggründe dieser Heirat?

Anna war als zweite Tochter des Herzogs Johann III. (geb. 10.11.1490, gest. 6.2.1539) von Jülich, Kleve, Berg am 22.9.1515 geboren. Die erstgeborene Tochter Sibylle, (geb. 17.7.1512, gest. 21.2.1554) heiratete am 9.2.1527 Johann Friedrich von Sachsen, der ab 1532 als Kurfürst und Herzog von Sachsen regierte. Dieser war der Reformation sehr aufgeschlossen und auch Vorsitzender des „Schmalkaldischen Bundes”, ein Verteidigungsbündnis protestantischer Fürsten und Städte. So war auch Sibylle der Reformation sehr angetan.

Nach dem Tod von Herzog Johann trat sein Sohn Wilhelm V. (geb. 28.7.1516, gest. 21.9.1558), auch „der Reiche” genannt, die Jülicher Erbfolge an. Er verfolgte wie sein Vater einen Mittelweg in der Auseinandersetzung zwischen der katholischen Kirche mit dem Papst und den Reformierten. Beide, Johann und Wilhelm, standen der Reformation aufgeschlossen gegenüber und tolerierten die Bürger.

Auf der einen Seite spürte Wilhelm V. den Druck seines erzreformierten Schwagers aus Sachsen, auf der anderen Seite des Habsburger Kaisers Karl V. (geb. 24.2.1500, gest. 21.9.1558), aber auch den des Erzbischofs von Köln. Wilhelms Vater, der verstorbene Herzog Johann III., nahm bereits 1533 die ersten Visitationen im Herzogtum vor. Damit wollte er die Situation in den einzelnen Pfarren und Kirchspielen feststellen: Wie ist die Situation in der Pfarre, gibt es Wiedertäufer, wie ist der Pfarrer ausgebildet, kann er predigen. Kurz: die kirchlichen Zustände sollen erkundet werden.

Obwohl der Herzog die Reformierten duldete, setzte er nicht eine Zwangsreformation der Bürger, wie beispielsweise in Sachsen oder Hessen durch. Er nahm sogar das Abendmahl in beiderlei Gestalt zu sich. Ein weiterer Knackpunkt in Wilhelms Regentschaft war das Herzogtum Geldern. Wilhelm V. fühlte sich als rechtmäßiger Erbnachfolger, denn sein Vater hatte bereits das Herzogtum Geldern in Besitz genommen.

Aber auch der Kaiser erhob Anspruch auf dieses Herzogtum Geldern. So stand auf der einen Seite der mächtige Habsburger Kaiser und auf der anderen Seite der Herzog von Jülich. Der außenpolitisch doch unerfahrene Wilhelm suchte also Verbündete, um seinen Erbanspruch zu untermauern und zu festigen. So kam Wilhelm der englische König Heinrich VIII. sehr gelegen, der wieder einmal auf Brautschau in Europa war. Obwohl Wilhelms Mutter, Maria von Jülich, wegen Heinrichs Vorleben gegen diese Heirat war, wurden Wilhelms Schwester Anna von Kleve und König Heinrich VIII. am 6. Januar 1540 in England vermählt.

Aber auch Herzog Wilhelm V. war auf Brautschau. Kaiser Karl V. wollte seine Nichte Christine, die junge Witwe des Herzogs von Mailand, mit Wilhelm verbinden. Wilhelm nahm dieses Angebot jedoch nicht an. Er nahm alsbald die Nichte des französischen Königs Franz I. (geb. 12.9.1494, gest. 31.3.1547), die Prinzessin von Navarra, Jeanne dAlbret, am 15.6.1541 zur Frau. Wilhelm V. hoffte also, mit so mächtigen Verbündeten wie dem englischen König Heinrich VIII., dem französischen König Franz I., seinem Schwager Johann Friedrich, dem Kurfürsten von Sachsen, eine Allianz gegen den Kaiser zu schmieden.

Eine folgenschwere Fehleinschätzung. Der englische König Heinrich VIII. annullierte die Ehe mit Anna bereits wenige Monate (9.7.1540) später mit der Begründung, die Ehe sei nie vollzogen worden. Heinrich VIII. ist jener englische König, der mit dem Papst und der Katholischen Kirche brach und in England eine eigene Staatskirche, mit dem König als Oberhaupt, einführte. Heinrich hat Anna allerdings nicht töten lassen wie zwei andere seiner Frauen. Anna starb hoch geachtet in England.

Aber auch der französische König Franz I. hatte kein Interesse an einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Kaiser. Er unterstützte Herzog Wilhelm ebenfalls nicht.

So kam es, wie es kommen musste: Kaiser Karl schickte 1543 seine Truppen ins Rheinland, und nach dieser kriegerischen Auseinandersetzung kapitulierte Wilhelm V. Mit dem Vertrag von Venlo am 7.9.1543 verlor der Herzog Geldern endgültig an den habsburgischen Kaiser. Seine angestammten Länder durfte er aber behalten.

Wilhelms Plan jedoch - eines gesicherten großen Nordreiches mit den Herzogtümern Geldern, Kleve, Jülich, Berg inklusive der Mark und Ravensburg - war gescheitert. Etwas später ließ auch Wilhelm seine Ehe annullieren (22.10.1545) und heiratete am 18.7.1546 die Erzherzogin Maria von Habsburg, eine Nichte Kaiser Karls und Tochter des späteren Kaisers Ferdinand.

Die Aussöhnung mit dem Kaiser war also wieder hergestellt. Geblieben ist bis heute der schriftliche Nachweis aus dem Jahr 1539, dass die alte Römerstraße „Via Belgica” noch Mitte des 16. Jahrhunderts ein wichtiger Reiseweg zu Beginn der Neuzeit war. Sogar für angehende Königsgemahlinnen.

Otto R. Redlich, „Staat und Kirche am Niederrhein zur Reformationszeit”, 1938. Otto R. Redlich, „Jülich-Bergische Kirchenpolitik am Ausgang des Mittelalters”, drei Bände, 1906.
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