Tag des Denkmals: Vom Wert unseres kulturellen Erbes

Von: Jan Mönch
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Solange dieser Bereich nicht bebaut ist, ist freier Blick auf die Waschkaue garantiert. Der füllt allerdings die Stadtkasse nicht auf. Foto: Jan Mönch

Übach-Palenberg. Es ist natürlich Zufall, dass die Termine so nahe zusammen fielen, keine zwei Wochen lagen zwischen dem offiziellen Baubeginn für das Technologie Centrum (TC) Kleben und dem Tag des Denkmals. Der steht am Sonntag an, und kurz zuvor veröffentlichte der Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz im Kreis Heinsberg eine Pressemitteilung, in der er das Bauvorhaben scharf kritisiert.

„Ein bedeutendes Denkmal der Region, einst für über 20 Millionen D-Mark restauriert, wird zugestellt und entwertet“, heißt es darin. Gemeint sind Carolus-Magnus Centrum (CMC) und Waschkaue, der Neubau wird praktisch genau dazwischen platziert werden. Man sei der Ansicht, dass „eindeutig“ gegen das Denkmalschutzgesetz verstoßen werde.

Wie so oft geht es um die Frage, was stärker zu gewichten ist: Das Andenken an die eigene Geschichte – oder Investitionen in die eigene Zukunft? Von einem freien Blick auf historisch bedeutende Gebäude lassen sich die Stadtfinanzen Übach-Palenbergs nicht sanieren, das funktioniert schon eher mit Beträgen wie den drei Millionen Euro, die TC Kleben in den Standort investiert, daran ist nicht zu rütteln. Dass gerade Denkmäler, die viele Mitbürger selbst noch zu Betriebszeiten erlebt haben, sich immer einer starken emotionalen Verbundenheit sicher sein können, liegt ebenso auf der Hand. Man denke nur an die Diskussion um den Abriss von St. Josef in Geilenkirchen vor nicht allzu langer Zeit. Die gemeinnützige Franziskusheim GmbH wird an dieser Stelle bauen, auch hier wurde der Zukunft der Vorzug gegeben gegenüber Vergangenem.

Ein sehr großer Unterschied ist natürlich, dass niemand CMC und Waschkaue abreißen möchte. Es geht allein um die Frage, wie stark der Neubau des TC Kleben die historische Nachbarschaft beeinträchtigt. Die denkmalrechtliche Erlaubnis für den Bau erteilte die Stadt Übach-Palenberg als Untere Denkmalschutzbehörde, doch auch der Landschaftsverband Rheinland (LVR) wurde hinzugezogen. Und beim dort zuständigen Fachbereich vertrat man im Anschluss an einen Ortstermin die Ansicht, dass der Neubau sich gut genug in die Umgebung einfüge: Es werde ausreichend Abstand gewahrt, Volumen und Höhe des Neubaus seien nicht zu großzügig bemessen – kurzum: die historische Umgebung würde nicht erschlagen. Einige geringfügige Änderungswünsche des LVR habe die Stadt dennoch in der Planung berücksichtigt, sagt Wirtschaftsförderer Heinz Waliczek. Beim ersten Spatenstich vergangene Woche war außerdem darauf hingewiesen worden, dass auch gestalterische Elemente des CMC aufgenommen würden.

„Das ist natürlich Unsinn“, findet Helmut Landscheidt vom Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. „Man kann Kulissen anstreichen, wie man will, sie bleiben Kulissen, und ein Neubau ist eben ein Neubau.“ Wie so viele in Übach-Palenberg ist auch Landscheidts eigene Biographie eng mit dem Bergbau verbunden. Er arbeitete zwar nie unter Tage, aber zum Beispiel in einer Kokerei in Alsdorf. Er habe nichts gegen den Neubau, sagt Landscheidt, aber die Stelle sei eben verkehrt.

Er und sein Verein haben schon früh versucht, die Planung im Sinne des Denkmalschutzes zu beeinflussen. Dazu wurden die Übach-Palenberger Parteien angeschrieben, keine davon habe geantwortet, sagt Landscheidt. Das hat ihn geärgert. Nur Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch habe zu einem Gespräch eingeladen. Das fand auch statt, änderte aber nichts an den Tatsachen, die nun geschaffen werden. Man habe im Verein letztlich davon abgesehen, rechtlich gegen den Neubau vorzugehen.

Landscheidts Meinung nach wird nicht nur in Übach-Palenberg das Erbe des Bergbaus zu wenig gewürdigt, dies gelte eigentlich für die gesamte ehemalige Bergbauregion Aachen. Im Ruhrgebiet habe man dies viel besser hingekriegt, wenn auch mit großzügiger Subventionierung mit öffentlichem Geld. Er wünscht sich, dass bei der Gestaltung der Zukunft nicht immer nur auf Investitionen durch die Wirtschaft geschaut wird. Man könne auch mit der Schaffung kultureller Angebote vieles bewegen, Kleve habe das zum Beispiel vorgemacht.

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