Geilenkirchen - Tag der Muttersprache: „Herzlich Willkommen“ in 17 Sprachen

Tag der Muttersprache: „Herzlich Willkommen“ in 17 Sprachen

Von: Simone Thelen
Letzte Aktualisierung:
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Individuelle Sprachbildung geht im Team am besten: Annette Büxenstein, Katja Himstedt, Kita-Leiterin Ingrid Grein und Stefanie Altmann (von links nach rechts) kümmern sich in der Awo-Kita Geilekirchen Stadtmitte um Kinder aus 17 Nationen. Foto: Simone Thelen
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Vorlesespaß auf Türkisch: Mutter Rabia Yildiz findet viele interessierte Zuhörer. Die Kinder können der Geschichte um den Grüffelo gut folgen. Foto: Simone Thelen

Geilenkirchen. „Farecik ormanda gezinir, bunu gören tilki buna sevinir.“ Was das heißt? Die Kinder der Awo-Kindertagesstätte Geilenkirchen Stadtmitte können es erklären. Dies sind die ersten Worte des Kinderbuchs „Der Grüffelo“ von Axel Scheffler – übersetzt ins Türkische. Am Dienstag ist der Internationale „Tag der Muttersprache“.

Er soll die Sprachenvielfalt und den Gebrauch der Muttersprache fördern. In der Awo-Kita Geilenkirchen ist dies gelebter Alltag. 125 Kinder aus rund 17 Nationen und mit 17 verschiedenen Erstsprachen besuchen diese Einrichtung. Sie werden betreut von insgesamt 28 Erzieherinnen und Erziehern. Und alle können sich gut verstehen.

Gemütlich kuscheln sich die vier- und fünfjährigen Jungs und Mädchen an die Seite von Rabia Yildiz. Ihr Sohn Mert besucht ebenfalls die Awo-Kita. „Da ist es für mich selbstverständlich, dass ich mich engagiere“, erklärt die türkischstämmige Mutter, selbst gelernte Erzieherin und heute für die Kindergartenkinder der Tageshöhepunkt. Schon seit einiger Zeit beschäftigen sich die Kinder mit der Geschichte um die Maus, die im Wald so allerlei gefährlichen Tieren begegnet. Auch ein Theaterstück haben sie schon für ihre Eltern einstudiert. Und da der Text schon so gut sitzt, ist es für sie überhaupt kein Problem, der Geschichte auch auf Türkisch zu folgen.

Sprachförderung im Alltag

„Es gehört zu unserem Konzept, dass wir die Erstsprache der Kinder wertschätzen“, erklärt Ingrid Grein, Leiterin der Awo-Kindertagesstätte Geilenkirchen-Mitte. „Spiele, Bücher und Lieder bieten wir alle in mehreren Sprachen an. Denn Deutschlernen funktioniert am besten, wenn auch die Erstsprachen gestärkt werden.“

Die Sprachförderung wird in den Alltag der Kinder, Erzieher und auch der Eltern integriert. Schon am Eingang der Kita wird man mit großen bunten Plakaten empfangen, auf denen „Herzlich Willkommen“ in allen 17 vertretenen Sprachen steht. Schaut man in die verschiedenen Gruppenräume, findet man überall Sprachspielecken mit mehrsprachigen Kinderbüchern. Auch ganz nebenbei wird das Thema Sprache immer wieder „alltagsintegriert“ in die verschiedensten Aktivitäten der Kita eingebaut. Ingrid Grein: „Wir veranstalten Natur- und Waldtage, gemeinsames Backen, Kochen und Musiknachmittage. Von Anfang an sind hier auch die Eltern dabei, deren Erstsprache nicht Deutsch ist. Innerhalb von nur wenigen Wochen können sich auch Kinder verständigen, die vorher noch kein Wort Deutsch konnten.“ Nach rund sechs Monaten beherrschen sie Deutsch als Alltagssprache mit immerhin rund 800 Wörtern.

Seit Oktober 2016 ist die Awo-Kita im Bundesprogramm Sprach-Kita. Katja Himstedt hat sich im Rahmen dieses Programms vom Land NRW zur Multiplikatorin für alltagsintegrierte Sprachbildung ausbilden lassen. „Das ist eine sehr spannende Aufgabe“, erzählt sie. „Ich begleite die Erzieher bei ihrer täglichen Arbeit mit den Kindern. Wir erstellen Videoaufnahmen, bewerten diese und überlegen gemeinsam, welches Kind man auf welche Art und Weise in seiner sprachlichen Entwicklung fördern kann. Das fängt schon damit an, dass man sich mit den Kindern unterhält, während man ihnen die Schuhe zubindet. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber im Trubel wird dies oft auch schon einmal vergessen.“

Katja Himstedt bietet auch Fortbildungen für andere Kindertagesstätten an. Für Awo-Kindergärten sind das immer dreitägige Schulungen. Die Dauer kann aber von Einrichtung zu Einrichtung variieren. Über diese Form der Zusammenarbeit sind auch Annette Büxenstein und Stefanie Altmann, ebenfalls Mitarbeiterinnen der Awo-Kita, sehr glücklich. Durch dieses Programm seien bereits viele Ideen umgesetzt worden, so etwa ein Bücherrucksack und die Plappertasche, die die Kinder mit nach Hause nehmen und sich dort gemeinsam mit ihren Eltern mit Themen rund um die Sprache mit Geschichten oder Spielen beschäftigen können.

Quasselstrippe und Plapperfrosch

Bei einem Rundgang durch die Gruppenräume der Kita gibt es überall etwas anderes zu sehen. Im Therapieraum schaukeln und toben ein paar Mädchen und hören dabei die Musik der Eiskönigin. Eine Gruppe hat sich dem Thema „Cowboys und Indianer“ verschrieben. Hier hängen Traumfänger von den Wänden und einige Kinder sind verkleidet. In einem anderen Raum stehen goldene Klangschalen auf dem Boden. Draußen toben ein paar Jungs an den Spielgeräten. Trotzdem fällt auf, dass es eigentlich nirgendwo laut ist. Die Kinder spielen, sie singen, sie unterhalten sich. Und natürlich gibt es auch ab und zu mal Streit. Aber das Miteinander funktioniert hier bestens.

Der Raum „Quasselstrippe trifft Plapperfrosch“ ist für die Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch ist, besonders interessant. Hier arbeiten, beziehungsweise spielen sie zusammen mit ihren Erzieherinnen auf unterschiedlichste Art und Weise mit der Sprache. „Wir können hier besonders sensibel auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder eingehen“, erklärt Ingrid Grein, „denn nicht jedes Kind traut sich direkt, sich in einer großen Gruppe zu öffnen.“ Auch Besuche zu Hause schon vor dem Beginn der Kita-Zeit nehmen die Erzieher auf sich, damit das Kind die Einrichtung und die anderen Kinder schon einmal vom sicheren Zuhause aus kennenlernen kann. „Man sollte vor einem solchen Programm nicht zurückschrecken“, rät Grein auch allen übrigen Einrichtungen. „Natürlich bringt es zusätzlich Arbeit, aber der Einsatz lohnt sich.“

Dass sich vor allem die Kinder in ihrer Kita wohlfühlen, das kann man spüren. Mert Yildiz ist an diesem Tag besonders stolz, dass er sowohl die türkische, als auch die deutsche Sprache beherrscht. Den Satz aus dem „Grüffelo“ zu übersetzen ist für ihn eine leichte Übung: „Die Maus spazierte im Wald umher, der Fuchs sah sie kommen und freute sich sehr.“

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