Geilenkirchen - Stürmischer Applaus: Organist Erik Hoppe begeistert Zuhörer

Stürmischer Applaus: Organist Erik Hoppe begeistert Zuhörer

Von: Johannes Gottwald
Letzte Aktualisierung:
Der Berliner Organist Erik Hoe
Der Berliner Organist Erik Hoeppe hatte ein reichhaltiges Programm „im Gepäck”, dass vom Barock bis in unsere heutige Zeit reichte. Foto: Gottwald

Geilenkirchen. Bereits vor 400 Jahren galt die Orgel in den Augen vieler Menschen als die Königin der Instrumente. Der Renaissance-Komponist Michael Praetorius brachte es 1619 in seinem dreibändigen Werk „Syntagma musicum” auf den Punkt.

„Ja, dieses vielstimmige liebliche Werck begreifft alles das in sich, was etwa in der Music erdacht und componieret werden kann... Also dass, wenn du dieses Instrument hast und hörest, du nicht anderst denckest, du habest und hörest die anderen Instrumenta alle miteinander...”

Und in der Tat: Eine Orgel enthält verschiedene Register von unterschiedlicher Tonhöhe und Lautstärke, auch zusammengesetzte Mixturen aus Quinten und Oktaven und sogar Pfeifen, die Blasinstrumente wie Trompete, Posaune oder Schalmei nachahmen. Somit hat die Orgel also nicht nur eine Klangfarbe wie etwa ein Klavier oder eine Geige, sondern umfaßt ein ganzes Klangorchester. Das bedeutet: Ein Organist muss nicht nur eine gute Spieltechnik mitbringen, sondern auch „instrumentieren” können!

Leider führt das „königliche Instrument” auch heutzutage noch eher ein Schattendasein, während etwa Klavier- oder Orchesterkonzerte in der Gunst des Publikums viel höher angesiedelt sind. Das liegt vielleicht daran, dass man die Orgel allzusehr mit dem Begriff „Kirche” assoziiert. Sicherlich besteht ein großer Teil der Orgelliteratur aus zweckgebundener liturgischer Musik. Zugleich kann die Orgel aber auf eine jahrhundertealte Konzerttradition zurückblicken.

Schon Dietrich Buxtehude schrieb seine großen Präludien und Tokkaten nicht für den Gottesdienst, sondern für die Lübecker Hansekaufleute, die sich vor ihrem Gang zur Börse in die Marienkirche setzten und bei ihrem Kantor eine „musikalische Zeitkürzung” bestellten. Auch der Amsterdamer Organist Sweelinck spielte vor und nach dem Gottesdienst zur Unterhaltung der Bürger - im streng calvinistischen Holland war um 1600 nämlich der liturgische Gebrauch der Orgel verboten.

In der evangelischen Kirche an der Konrad-Adenauer-Straße konnte man kürzlich ein Orgelkonzert erleben, welches sowohl die geistliche als auch die weltliche Seite des Instruments auf eindrucksvolle Weise widerspiegelte. Der Berliner Organist Erik Hoeppe hatte ein reichhaltiges Programm „im Gepäck”, dass vom Barock bis in unsere heutige Zeit reichte. Auch Arrangements und Bearbeitungen für die Orgel kamen dabei zu Gehör - wie das „Halleluja” aus dem Händel-Oratorium „Der Messias”, das in seiner Originalversion für Chor und Orchester in England zu einer zweiten Nationalhymne wurde.

Danach erklang der Orgelchoral „Wer nur den lieben Gott läßt walten” in drei Bearbeitungen aus drei Epochen - zunächst die Fassung aus dem Orgelbüchlein von J.S. Bach, dann in der romantischen Schreibweise von Reger und schließlich in dem eigenwilligen Jazz-Stil der zeitgenössischen Komponistin Liselotte Kunkel. Mit der berühmten „Toccata und Fuge d-moll BWV 565” folgte dann das mit Abstand populärste Orgelstück aus der Feder von J.S. Bach. Die Echtheit des Werkes wurde in jüngster Vergangenheit mehrfach angezweifelt, doch kommt schon allein aufgrund des musikalischen Ideenreichtums kein anderer Komponist in Frage. Dagegen spricht einiges dafür, das BWV 565 ursprünglich ein Cembalostück war.

Nach dem temperamentvollen Vortrag dieses Werkes war zum ersten Mal spontaner Beifall aus dem Publikum zu hören - die Zuhörer waren fasziniert, welche Klangvielfalt der Organist aus der kleinen Willi-Peters-Orgel herausholte. Majestätisch zog der spätromantische „Marche triomphe” über das Lied „Nun danket alle Gott” von Karg-Elert vorüber, während das heitere Caprice von Cuthbert Harris schon Ragtime-Klänge andeutete.

Überraschend farbig und geistreich präsentierten sich die Variationen über „sine nomine”, die von dem Frankokanadier Denis Bédard geschaffen wurden. Ein schlichtes Thema erschien zunächst als spritziges Bicinium, dann gefühlstief-romantisch, dann von herber Akkordik verfremdet und schließlich festlich-glanzvoll. Dagegen trug „in Paradisum” von Théodore Dubois eher impressionistische Züge. Mit „Chanson triste” von Tschaikowski und „Der Schwan” von Saint-Saens standen wieder zwei Bearbeitungen von Klavier- bzw. Orchesterstücken auf dem Programm. Im letzteren Falle hätte es der Interpret allerdings gar nicht nötig gehabt - denn Camille Saint-Saens hat eine große Anzahl Originalwerke für die Orgel geschrieben.

Nach dem schwermütigen „Folk Tune” von Percy Whitlock führten die „Selipreisungen” von Thomas Riegler wieder in lichtere Gefilde. Deutlich klang dabei das moderne Kirchenlied „Selig seid ihr” an. Eine höchst reizvolle Sythese aus Renaissance, Impressionismus und ungarischer Folklore bildete die Choralimprovisation „In dir ist Freude” von Zsolt Gardonyi, im Anschluss daran kam das „Sortie” von Lefebre-Wély pomphaft und ausgesprochen opernmäßig daher.

Mit der schwungvoll-prickelnden Filmmusik „Baby Elephant walk” war Eric Hoeppe dann endgültig in der Welt der leichten Muse angekommen. Dazu gehörte auch „Take 5” von Paul Desmond und die „Badinerie nach BWV 1067” von Liselotte Kunkel, die sehr reizvoll die Auseinandersetzung des modernen Jazz mit der Musik Bachs (in diesem Falle der Finalsatz der h-moll-Suite) aufzeigte. Den Schlusspunkt setzten dann die Gospel-Klänge des „Exsultate Deo” von Rosalie Bonighton.

Mit stürmischem Applaus und zwei Zugaben endete das Konzert - aber nicht der Abend: Die Zuhörer wurden anschließend von Erik Hoeppe und Pfarrerin Tanja Bodewig auf die Orgelempore gebeten. Jeder Interessierte konnte sich die Orgel anschauen, Fragen stellen und auch durch einen Blick ins Pfeifenwerk das Innenleben des „königlichen Instruments” kennenlernen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert