Studentin stellt Sozialraum- und Lebensweltanalyse vor

Von: Georg Schmitz
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Geilenkirchen. Großen Beifall für die Studentin Nadine Froesch in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses und des Ausschusses für Bildung und Soziales.

Durch Beschluss des Rates vom 29. April 2009 ist die Verwaltung auf Antrag der Grünen beauftragt worden, eine Bedarfsanalyse für ein soziokulturelles Zentrum zu erstellen. Mit dieser Analyse soll die Situation von Kindern, Jugendlichen, Familien und Senioren verbessert werden.

Nach Kontaktaufnahme mit der Katholischen Hochschule Aachen konnte die Verwaltung mit Nadine Froesch eine Studentin der Fachrichtung Soziale Arbeit gewinnen, die während ihres Praxissemesters im Jugend- und Sozialamt unter wissenschaftlicher Begleitung der Hochschule eine Sozialraumanalyse erstellt hat.

Die Ergebnisse sollen der Politik Entscheidungshilfen für verschiedene Bereiche der Stadtentwicklung an die Hand geben. Nadine Froesch stellte in der gemeinsamen Sitzung ihre Analyse vor.

Bei Interviews kamen 152 junge Menschen bis 25 Jahre und 77 ältere Menschen ab 55 Jahre zu Wort. „Ich wollte bei den Befragungen in der Zeit von September bis Dezember klären, ob es Bedarfe in der Stadt gibt”, erläuterte Nadine Froesch vor vollem Haus ihre Intention. Die Sozialraumanalyse könne als Grundlage zur Konzeptentwicklung dienen, die Bedürfnisse der Bürger spiegeln, sozialräumliche Rahmenbedingungen aufzeigen und ein Schritt hin zu einer bürgernahen Stadt sein.

Allerdings könne sie kein fertiges Konzept liefern, keine finanziellen Rahmenbedingungen bewerten und - nicht jedem gefallen. „Eine Sozialraumanalyse reichte mir nicht aus. Ich habe eine Lebensweltanalyse dazugenommen”, erklärte die Studentin.

Im Ergebnis stellte sie fest, dass es in Geilenkirchen an Angeboten für die Jugend mangelt, besonders für die Zwölf- bis 15-Jährigen. Sie schaute auf die Lebenslage älterer und junger Menschen und zeigte mit funktionierenden Dorfgemeinschaften, intakten Vereinen, Jugendheimen, Vorhandensein aller Schulformen, Bahnanbindung, internationaler Bevölkerung, Naherholungsgebieten, vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten, sozialer Infrastruktur und mehr die Stärken des Sozialraums auf.

Zu den Schwächen zählten mangelnde innerstädtische Einkaufsmöglichkeiten, schlechte Verkehrsanbindung im Nahverkehr, Mangel an Angeboten für ältere und jüngere Menschen, mangelnde Information über das Kulturprogramm, Fehlen von kostenlosen nicht vereinsgebundenen Treffpunkten, soziale Brennpunkte, schlechtes Stadtmarketing, fehlende Identifikation der Menschen mit ihrer Stadt und mehr.

Besonders bei älteren Bürgern, jedoch auch bei jungen Menschen würde der Wurmauenpark aus Sicherheitsgründen gemieden. Bis auf den Bereich der „Dirt Bike”-Anlage würde der Park von beiden Gruppen mit negativen Adjektiven belegt. Ältere Menschen scheuten zudem im Dunkeln den Weg zu Veranstaltungen in der Realschule, mieden die Bereiche Wurmbrücke, Beamtenparkplatz, Bahnhof, Treffpunkte von Jugendbanden wie abends Supermärkte, Gesamtschule und die Heinsberger Straße.

Jüngere Menschen hätten da noch Probleme mit dem Bereich Penny Markt und dortiger Tankstelle, Passage, Alter Extra, Dichterviertel und Wäldchen an der KGS. Von den befragten älteren Menschen kannten 47 Prozent das Kulturprogramm, aber nur zehn Prozent der jungen Menschen - ausnahmslos Gymnasiasten - wussten um die kulturellen Veranstaltungen. Als Hauptgründe gaben die Jugendlichen fehlende Information und „kein Interesse” an. Die Freizeitmöglichen für Elf- bis 18-Jährige wurden von 40 Prozent als nicht ausreichend, von 32 Prozent als ausreichend eingeschätzt. Junge Menschen wünschten sich Jugendclubs, Kino, Spielplätze für Größere, Veranstaltungen für die Jugend, mehr Freizeitmöglichkeiten, schönere Parkanlage, vereinzelt auch ein Freibad. Für die älteren Bürger stehen Seniorentreffs, bessere Einkaufsmöglichkeiten, Tanztee, Seniorennachmittage und ähnliche Veranstaltungen für Ältere wie auch ein Freibad auf der Wunschliste.

„Es besteht ein allgemeiner Mangel an sozialer Kulturarbeit für Jugendliche und ältere Menschen”, lautete das Fazit von Nadine Froesch. Die Bürger fühlten sich nicht angesprochen und eingebunden. Nadine Froesch: „Es muss eine Plattform für ein kulturelles Miteinander geschaffen werden.” „Ihre Analyse”, sagte die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Gaby Kals-Deußen, „beinhaltet viele Denkanstöße für die Politik.”
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