Geilenkirchen - Streit um Drohungen und ein verschwundener Zeuge

Streit um Drohungen und ein verschwundener Zeuge

Von: rei
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Geilenkirchen. Vor dem Geilenkirchener Schöffengericht wird derzeit gegen einen ortsansässigen Gastronomen verhandelt, der versucht haben soll nach dem Verkauf seiner in Gillrath gelegenen Kfz-Werkstatt von seinem Vertragspartner angeblich noch geschuldetes Geld mittels Drohungen einzutreiben.

Im Jahre 2012 kaufte der Zeuge Marek R. vom Angeklagten die Werkstatt für 15.000 Euro. Hierzu gehörte auch Inventar. Insoweit bestand noch Einigkeit. Streit bekamen die Parteien allerdings über einzelne Gegenstände, wie mehrere hochwertige Felgensätze inklusive Bereifung, die der Angeklagte von der Vereinbarung ausgenommen wissen wollte, sowie angefallene Strom- und Telefonkosten. Es entstanden zivilrechtliche Auseinandersetzungen, die der Angeklagte mit Hilfe seines jetzigen Strafverteidigers, Rechtsanwalt Dietz, betrieb.

Der Angeklagte soll laut Staatsanwaltschaft im August des Jahres 2014 mit einigen anderen Männern in der Werkstatt von Marek R. aufgetaucht sein, um 8000 Euro einzutreiben. R. habe die Zahlung verweigert, woraufhin der Angeklagte gedroht haben soll „er brenne die Werkstatt nieder“, wenn nicht gezahlt werde.

„Stückchenweise im Wald“

Eine Woche später soll ein ähnlicher Besuch stattgefunden haben, in dessen Verlauf der Angeklagte R. telefonisch gedroht habe, ihn in den Kofferraum zu sperren und „stückchenweise im Wald wieder herauszulassen“.

Bei anderer Gelegenheit soll der Angeklagte beleidigende Gesten gemacht und R. anschließend mit dem Auto verfolgt, bedrängt und letztlich ausgebremst haben, indem er sich mit seinem Auto vor dem Fahrzeug des Zeugen quer gestellt habe

Der Angeklagte bestritt diese Vorwürfe. Die zivilrechtlich verfolgten Forderungen betrügen nur rund 4000 Euro. Die Zahl von 8000 Euro könne nur daraus resultieren, dass der Zeuge R. einen auf dem Werkstattgelände stehenden Fort Mustang widerrechtlich verkauft habe, dessen Eigentümer damals im Gefängnis saß. Dieser habe daher nach seiner Entlassung Schadensersatz in der genannten Höhe gefordert.

Die Befragung von Marek R. ergab weitere Widersprüche zur Anklage. So wurden die Drohungen gar nicht gegenüber R. persönlich abgegeben, bzw. nicht vom Angeklagten selber, sondern angeblich nur in dessen Auftrag.

Die weiteren Vorwürfe bezüglich der Beleidigung und der angegebenen riskanten Fahrmanöver inklusive Verfolgungsfahrt vermochte der Zeuge für den vorsitzenden Richter Thomas Schönig augenscheinlich nicht zweifelsfrei zu untermauern. Insbesondere den in der Anklage verwendeten Begriff des „Abdrängens“ sah der Vorsitzende durch die Schilderungen nicht ausreichend bestätigt. Zwei weitere Zeugen stützten mit ihren Aussagen weiterhin allenfalls Teile der Anklage. Ihre Aussagen beruhten zum Teil auch nur auf Hörensagen.

Aufgebrachter Verteidiger

Vom Richter gebeten, die nächste Zeugin hereinzuschicken, bekundete der Zeuge Wolfgang B.:„Die sitzt schon die ganze Zeit auf dem Flur und unterhält sich mit dem Marek.“. Diese Auskunft brachte den Verteidiger derart auf, dass die Vernehmung der zum Tatzeitpunkt in 2014 mit dem Zeugen Marek R. noch liierten Silke L. zwischenzeitlich sogar unterbrochen wurde. Der Rechtsanwalt sah den Beweiswert dieser Zeugenaussage vollständig auf Null.

Ein Urteil konnte am ersten Verhandlungstag jedoch noch nicht gefällt werden. Der letzte geladene Zeuge war zwischenzeitlich offenbar nach Erhalt eines Anrufes „laut schreiend“ aus dem Gericht gerannt, so die Auskunft der anderen Wartenden. Auf diesen Zeugen zu verzichten sah sich die Staatsanwältin Kogel jedoch nicht in der Lage, könne dieser doch insbesondere zu den letzten Vorwürfen der Verfolgungsfahrt und des Abdrängens weitere Angaben machen.

Gegen den sich unentschuldigt entfernten Zeugen wurde ein Ordnungsgeld verhängt, ferner wurde ihm die Pflicht zur Kostentragung für die Vertagung auferlegt. Die Verhandlung wird voraussichtlich am 21. März um 9 Uhr im Amtsgericht fortgesetzt.

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