Stolpersteine: Putzen als Geste des Respekts

Von: Georg Schmitz
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Mit Stahlwolle und Elsterglanz rückten Jule Dohmen, Katharina Ziesen, Lea Thielmann, Valerie Huben und Viktoria Randerath (v.l.) den Stolpersteinen zu Leibe. Foto: Georg Schmitz
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Schülerin Cindy Flüh bearbeitet die Stolpersteine. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Drei Dutzend Schülerinnen und Schüler des Bischöflichen Gymnasiums St. Ursula ließen sich auch vom anhaltenden Regen nicht von ihrer Putzaktion abbringen. Schließlich ging es um das Säubern der Stolpersteine, die wenige Tage vor dem Besuch von vier Holocaust-Überlebenden der früheren jüdischen Gemeinde in Geilenkirchen und einiger Angehöriger auf Hochglanz gebracht werden sollten.

Dem Kölner Bildhauer Gunter Demnig sind die kleinen Gedenktafeln geschuldet, die nicht nur in Geilenkirchen, sondern in vielen Ländern Europas an den Völkermord während des Nationalsozialismus erinnern. Demnig hat zwischenzeitlich 40.000 dieser zehn mal zehn Zentimeter großen, mit den Namen ehemaliger jüdischer Mitbürger versehenen Messingsteine verlegt. Somit zählt das Stolperstein-Szenario zu den größten Kunstwerken in der Welt. Auch in Geilenkirchen war der Künstler schon unterwegs und wird es auch in Zukunft noch mehrmals sein. Weil die glänzenden Stolpersteine in der Konrad-Adenauer-Straße und der Martin Heyden-Straße zwischenzeitlich verblassten und unansehnlicher wurden, kamen der stellvertretende Schulleiter des St. Ursula Gymnasiums, Bernward Coers und Christa Nickels von der Initiative „Erinnern“ auf die Idee, rechtzeitig vor dem Besuch der Schoah-Überlebenden die kleinen Kunstwerke zu reinigen.

Durch das Aufpolieren die Erinnerung zurückzurufen ist zudem sicherlich eine wichtige symbolischen Maßnahme. „Wir wollen nicht nur putzen, es soll auch eine Geste des guten Willens sein. Eine Art Liebesdienst an den jüdischen Mitbürgern“, machte Bernward Coers klar. Der stellvertretende Schulleiter hatte im Vorfeld Stahlwolle und drei große Tuben Elsterglanz besorgt. Diese waren ihm als optimale Putzmittel vom Künstler Gunter Demnig empfohlen worden. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich zum Putzen der Stolpersteine freiwillig bereit erklärt und machten sich in Gruppen auf den Weg.

Jedes Team erhielt zuvor von Coers Stahlwolle, einen großen Klecks Elsterglanz, Küchenrolle und ein Geschirrtuch. Coers gab die mündliche „Gebrauchsanweisung“ gleich mit auf den Weg: die gravierten Messing-Oberplatten der Stolpersteine mit Küchenrolle trocknen, dann Elsterglanz auftragen und kurz einwirken lassen. Anschließend mit Stahlwolle „bearbeiten“ und zum Schluss mit dem Geschirrtuch reinigen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen – die Stolpersteine erstrahlen wieder in neuem Glanz. Das fünf- bis zehnminütige Schrubben und Polieren fand im strömenden Regen statt, was den Vorteil hatte, dass kein Wasser mitgeführt werden musste. Ein bisschen Kontrolle muss schon sein, mögen sich Bernward Coers und Hermann Wolff von der Initiative „Erinnern“ gedacht haben. Die beiden Männer begutachteten die Stolpersteine an den verschiedenen Stellen im Stadtzentrum und zeigten sich am Ende sehr zufrieden. „Die gebrauchte Stahlwolle und die anderen Materialien bitte in die Abfallbehälter entsorgen – und nicht in die Wurm“, war noch ein letzter Vorschlag von Bernward Coers, an den sich die Schüler auch hielten.

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