Geilenkirchen-Kogenbroich - Stinkende Attacke auf Asylbewerberheim

Stinkende Attacke auf Asylbewerberheim

Von: Georg Schmitz
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Einsatzkräfte der Wehr füllten die zunächst mit Bindemittel neutralisierte Flüssigkeit in spezielle Säcke.
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Ein Einbruch samt Säureanschlag auf das als Asylbewerberheim und Obdachlosenunterkunft genutzte städtische Gebäude in Kogenbroich rief nach der polizeilichen Spurensicherung auch die Feuerwehr auf den Plan. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen-Kogenbroich. „Für uns ergibt sich bisher der Tat­bestand eines Einbruchs in ein leer stehendes Haus“, sagt der Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Heinsberg, Karl-Heinz Frenken. Bei näherem Betrachten der Tat, die sich in dem jahrelang als Asylbewerberheim genutzten städtischen Gebäude in Kogenbroich ereignete, könnte die kriminelle Handlung aber auch einen anderen Hintergrund haben.

Dass dort Mengen einer übelriechenden, ätzenden Flüssigkeit ausgegossen worden sind, lässt Insider vermuten, es solle verhindert werden, dass dort wieder Menschen einziehen. Dienstagmorgen waren auf der rückwärtigen Seite des in Sanierung befindlichen Gebäudes eine zerstörte Scheibe und ein geöffnetes Fenster entdeckt worden. Nach weiterer Suche fand die Polizei in mehreren Räumen ätzende Flüssigkeit, die dort ausgekippt worden war.

„Um Integration bemüht“

„Was hinter dem Einbruch steckt, müssen die weiteren Ermittlungen ergeben“, so der Polizeisprecher. Die Abteilung Staatsschutz sei derzeit noch nicht eingeschaltet. Das Obdachlosen- und Asylbewerberhaus in Kogenbroich war vor 14 Jahren bereits in die Schlagzeilen geraten. Am 17. Juni 1999 war in dem Haus ein Feuer gelegt worden, das einen Schaden von damals mehr als 100.000 D-Mark anrichtete. Teile des Dachstuhls fielen den Flammen zum Opfer. In dem städtischen Gebäude sollten wenige Wochen später Asylbewerber untergebracht werden. Bei dem Feuer gingen die Ermittler von Brandstiftung aus; ein fremdenfeindliches Motiv war nicht auszuschließen.

Schadensbehebung und Sanierung waren noch nicht abgeschlossen, da geschah am 23. August 1999 ein weiterer Anschlag auf das Haus. Noch bevor Asylbewerber hatten einziehen können, waren von Unbekannten Kellerräume unter Wasser gesetzt, viele Wände mit Öl oder Diesel beschmiert und Heizungsrohre demoliert worden. Der angerichtete Schaden war wieder immens und der Einzug der Asylbewerber erst einmal in weite Ferne gerückt.

In der Nacht des 26. September 2000 gingen Unbekannte erneut gegen das Asylbewerberheim in Kogenbroich vor. Bei dieser dritten Attacke griffen der oder die Täter sogar zur Waffe. Zwei Einschuss­löcher in der zur Straße liegenden Fensterscheibe riefen Polizei, Staatsschutz und die Stadt Geilenkirchen auf den Plan. Die Projektile hatten die erste Scheibe der Doppelverglasung in der Erdgeschosswohnung durchschlagen. Zwei Wochen zuvor war eine vierköpfige Familie hier eingezogen.

Beigeordneter Herbert Brunen zeigte Verständnis für die Angst der Asylbewerber. „Wir haben das Haus nach den Bedürfnissen der Asylbewerber hergerichtet und uns mit der dezen­tralen Unterbringung um Integration bemüht. Diese Bemühungen sind nun zunichte gemacht“, sagte Brunen seinerzeit. Zur Sicherheit der Bewohner wurde die Familie von Kogenbroich nach Geilenkirchen gebracht.

Doch am 26. November 2000 wurden erneut Löcher in drei Fensterscheiben des Hauses in Kogenbroich entdeckt, verursacht von einer großkalibrigen Waffe. Auch damals wollte die Stadt Geilenkirchen wenige Tage später Asylbewerber in dem Haus unterbringen. Polizei und Staatsschutz stellten Einschüsse in den Wänden fest und fanden Patronenhülsen. Die Schüsse hatten die Doppelverglasung der drei Fensterscheiben in Parterre und der oberen Etage durchschlagen.

Rund 14 Jahre lang herrschte Ruhe, bis Dienstag dieser Woche. Bei den in den Räumen ausgegossenen Flüssigkeiten könnte es sich, nach ersten Erkenntnissen, um Buttersäure handeln. Ein Spezialist des Fachbereichs CBRN (Chemie-Biologie-Radiologie-Nuklear) der Städteregion Aachen wurde hinzugezogen und stellte Material sicher. Nach der Spurensicherung durch die Polizei kam am Nachmittag die Feuerwehr zum Einsatz. Die Männer der Löscheinheiten Nirm und Würm streuten die Flüssigkeit mit Bindemittel ab und füllten das Gemisch anschließend in spezielle Säcke.

Die weiteren Ermittlungen laufen, zumal in Kürze neue Bewohner in Kogenbroich einziehen sollen. „Es ist vorgesehen, keine Asylbewerber, sondern alleinstehende Obdachlose dort unterzubringen“, sagte Wilfried Schulz, Leiter des Jugend- und Sozialamts am Mittwoch, „um das Haus im Limitenweg zu entlasten.“

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