Steigende Kosten für Kindeswohl: Politik spart hier nicht

Von: Udo Stüßer
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Geilenkirchen. Die Fallzahlen und damit die Kosten im Bereich der Hilfen zur Erziehung sind in Geilenkirchen gestiegen. Waren es im Mai 2009 81 junge Menschen, denen ambulante Hilfe geboten wurde, so sind es im Mai 2010 bereits 105.

Auch die Zahl der Heimunterbringungen ist von 29 auf 43 gestiegen. Wilfried Schulz, Leiter des Jugend- und Sozialamtes, hatte sich deshalb mit Jugendämtern in der Region in Verbindung gesetzt und festgestellt, „dass derzeit allgemein ein starker Kostenanstieg aufgrund steigender Fallzahlen zu verzeichnen ist”.

Im Jugendhilfeausschuss begründete Schulz am Donnerstagabend den Anstieg der Fallzahlen mit dem präventiven Arbeitsansatz des Jugendamtes. Die Hilfe wolle man früh installieren und Kinder frühzeitig fördern, um später die teure Hilfe zu vermeiden.

Durch eine enge Kooperation mit Kindergärten, Schulen, Ärzten und Hebammen und durch eine starke Vernetzung erfahren die Mitarbeiter des städtischen Jugendamtes frühzeitig von wesentlich mehr Fällen von Kindeswohlgefährdung, so dass auch vermehrt ambulante Hilfe geleistet wird.

Die Katastrophe vermeiden

„Aus fast jedem Hinweis wird ein Fall. Das ist gut, aber die Kosten wachsen natürlich für die Stadt und die Arbeit für das Jugendamt ebenfalls”, erklärte Schulz, der aber auch versicherte: „Keine Kommune steht finanziell günstiger da.” Der Jugendamtsleiter erklärte auch: „Wir legen Wert auf die ambulante Hilfe und versuchen, die Katastrophe, das Kind aus der Familie zu nehmen, zu vermeiden.”

Allerdings muss die Politik bei diesem Ansatz mit weiter steigenden Kosten rechnen. Im vergangenen Jahr waren im Haushalt eine Million Euro für Heimerziehung angesetzt, der Haushalt schloss schließlich mit 1,36 Millionen Euro ab. Für ambulante Hilfe hatte man 370.000 Euro einkalkuliert, ausgegeben wurden im vergangenen Jahr schließlich 715.000 Euro.

Und die Tendenz ist weiterhin steigend. Vor diesem Hintergrund und aufgrund der schwierigen Haushaltslage wollte Wilfried Schulz nun eine Entscheidung, ob die Politik noch hinter dem Arbeitskonzept des Jugendamtes steht oder ob die Hilfe in den Fällen eingestellt werden soll, in denen sie keine Wirkung zeigt oder sich Jugendliche verweigern.

„Sollen wir die Hilfe zur Erziehung für ältere Jugendliche in Frage stellen? Manche bekommen noch die Kurve, andere nicht. Sollen wir diese Fälle abgeben, auch wenn einer durchs Rost fällt?”, fragte Schulz. Schließlich könne der Jugendliche später auch mit Hilfe des Jugendstrafrechts „auf die Schiene gebracht werden”.

Zerstörte Familien

Ruth Thelen (Grüne) erklärte, die Hilfe des Jugendamtes dürfe nichts mit dem Alter zu tun haben. Carola Brandt (Bürgerliste) meinte: „Das Kindeswohl steht im Vordergrund, auch das Wohl eines Heranwachsenden. Jeder Jugendliche, der nicht in die Kriminalität abrutscht, ist ein Gewinn. Wir haben viele zerstörte Familien und nicht mehr die Strukturen wie früher.”

Gleicher Meinung war Michael Kappes (CDU): „Jeder Jugendliche ist wichtig. Jedem sollte geholfen werden.” Und Stefan Kassel (FDP) meinte: „Notfalls müssen wir mehr Geld zur Verfügung stellen.” Beigeordneter Herbert Brunen stellte noch einmal klar: „Es geht nur um die Spitze, bei der man weiß, dass die Hilfe nicht greift.” Ausschussvorsitzende Gabi Kals-Deußen (SPD): „Frühe und langfristige Hilfe wollen alle Fraktionen.”

Der Ausschuss sprach sich einmütig dafür aus, trotz des Kostendrucks die Leistung nicht zu reduzieren. Eine Reduzierung könne nur aus pädagogischen Gründen erfolgen.
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