Stecklinge verwandeln sich bald wieder in Indianerhütten

Letzte Aktualisierung:
Thomas Henkens an der KettensÀ
Thomas Henkens an der Kettensäge und Hardy Tholen als Traktorfahrer und Bediener der Arbeitsbühne sind das „Dream-Team” der Nabu-Gruppe. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. „Endlich wieder das Surren der Kettensäge!”, schreibt der Nabu-Vorsitzende Franz Oschmann seinen Mitstreitern. Am Samstag, 20. Oktober ,beginnt die Saison der alljährlichen Kopfweidenpflegeaktion. Das will geplant sein.

Die „Vorschneide- und Vorbereitungsmannschaft” trifft sich dazu morgens um 9.15 Uhr an der Pumpstation in Mindergangelt, um 10 Uhr beginnt der Einsatz der übrigen Helfer. Die Aktion soll bis gegen 12.30 Uhr dauern. Wie immer sind die Nabu-Leute dringend auf ehrenamtliche Helfer angewiesen. „Denkt daran, viele kleine Hilfen erreichen schließlich viel”, bittet Franz Oschmann um ein paar Stunden Engagement.

Die Kopfweiden sind die landschaftsprägenden Bäume im grenzüberschreitenden Naturpark Rodebach/Roode Beek im ehemaligen Gangelter Bruch. So wie die Wiesen und Äcker dort, haben auch die Kopfweiden ihre wirtschaftliche Bedeutung längst eingebüßt. Sie bleiben allerdings wichtige Elemente in dieser Kulturlandschaft und haben einen hohen ökologischen Stellenwert.

Das ist der Grund dafür, dass sich die Nabu-Ortsgruppe Rodebach-, Saeffelbach-, Kitschbachtal seit vielen Jahren um die rund 800 Bäume kümmert - zumindest um die, welche mit dem Traktor erreichbar sind. Hier gibt es einen speziellen Frontladeraufsatz, der für die Arbeiten an den Bäumen mit den teils weit ausladenden Ästen gebaut wurde.

Beim Baumschnitt sind Thomas Henkens an der Kettensäge und Hardy Tholen als Traktorfahrer und Bediener der Arbeitsbühne ein eingespieltes Team. Das Schneiden der oft viele Meter langen Äste ist für das Überleben des Baumes wichtig. Würde man nicht scheiteln, also die Krone jeweils von den hoch wachsenden Ästen alle drei bis fünf Jahre befreien, würden die Weichholzbäume im Lauf der Zeit auseinanderbrechen. Obwohl das ökologisch auch interessant ist. Denn in jedem Lebensstadium bietet die Weide vielen Tieren Unterschlupf und Lebensraum.

Alte Kopfweiden bieten nicht nur dem Steinkauz geeignete Höhlen als Brutplatz und Tagesversteck. Auch Gartenrotschwanz, Grauschnäpper, Feldsperling, Meisen und andere Vogelarten nutzen die Asthöhlen und Nischen in den knorrigen Bäumen. Zahllose Käfer, Schmetterlinge, Wildbienen und ihre Larvenstadien leben im morschen Holz, im so genannten Mullhumus, in Ritzen und an den Ästen oder fressen an den Blättern und Blütenkätzchen. So sind die Kopfbäume vielfältig besiedelte Kleinlebensräume in der Landschaft des Naturparks.

Die abgeschnittenen Äste, Stecklinge, werden immer wieder gerne von Privatleuten aber auch Einrichtungen wie Kindergärten abgeholt. Mit den schnell wachsenden Stecklingen werden Schwitzhütten ebenso gebaut wie die bei Kindern so beliebten Indianerzelte. Hier und da sieht man sich auch als Hecken. Holz, das nicht abgeholt wird, geht gleich vor Ort in den Häcksler.

Die Zeit, als die Weide noch ein Nutzbaum war, ist so gut wie vorbei. Früher nutze man das Abgeschnittene als Flechtwerk zum Beispiel im Böschungsschutz, für Gerätestiele, als Stallstreu, Brennmaterial oder Weidenpfähle. Die schlugen allerdings nicht selten wieder aus und wurden mit den Jahren zu neuen Weiden. Auch hiervon findet man noch einige Beispiele im Rodebachtal. Während in der Nähe der Pumpstation in Mindergangelt eine der ältesten Weidenreihen steht, die in Jahren nur einen Baum verloren hat, sieht man unterhalb des Kahnweihers, Richtung Schanzberg, die wohl imposanteste Reihe. Knapp 30 Bäume stehen hier in der Reihe und müssten dringend gescheitelt werden.

Nun sollten in den kommenden Wochen die umgebenden Wiesen nicht zu nass sein und den Einsatz des Traktors zulassen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert