Staubwedel gegen mieses Karma

Von: Markus Bienwald
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Dr. Kristin Kunze begeisterte als Sophia Altklug in dem clownesken Theaterstück „Oma Maria oder die erste Geige“ in der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. Jeden einzelnen Besucher begrüßen, das tun nur wenige Künstler. Jeden Einzelnen aber auch noch mit einem Staubwedel von schlechten Gedanken und miesem Karma befreien, das kann nur eine: Sophia Altklug.

Auf Einladung der in Geilenkirchen ansässigen Hospizbewegung Camino spielte sie am Samstagabend in der Aula der Anita-Lichtenstein-Gesamtschule ihr clowneskes Theaterstück „Oma Maria oder die erste Geige“.

Wer die Virtuosin des Abends war, stand natürlich schon zu Beginn fest. Denn Sophia Altklug streifte bereits mit ihrem Entree jegliche Assoziationen zu ihrem plakativen Nachnamen ab. Spielfreudig, immer mit dem Publikum interagierend und direkt eine Stimmung verbreitend, die so gar nicht nach klassischem Bühnenspiel aussah, stand die Dame, die von sich sagt, sie sei „70plus“ felsenfest auf der Bühne. Vielmehr nutzte sie die Möglichkeiten, die Bühne und Aula hergaben, denn ganz geschickt verstand sie es, die Menschen in den ersten Reihen Platz nehmen zu lassen.

Mit der roten Nase im Gesicht, verband sie mit leichter Hand die ernsten Hintergründe des von ihr selbst entwickelten Stücks. Denn darin geht es um Frauen in fünf Generationen. Alle heißen Maria, sind Urgroßmutter oder Urenkelin Mariechen, zeigen, wie sich unterschiedliche Lebensträume und Lebensansätze in einem lockeren szenischen Bild herrlich verweben lassen. Dass es dabei natürlich nicht immer bierernst zuging, verstand sich von selbst. So fanden die Gäste in der Aula die Tanzdarstellungen von Uroma Maria so herrlich, als diese mit verschiedenen Gesten zunächst ihre Tanzpartner testete, um später den Mann ihres Lebens zu finden. Genauso umwerfend zeichnete Sophia Altklug aber auch die Figur von Mariechen. Ein wenig an Pippi Langstrumpf erinnernd, plapperte sie drauf los, scheute sich auch nicht, Aussprüche wie „cool“ und „war voll der Hammer“ in den Mund zu nehmen und machte mit einer eigenen (nicht echten) Kamera lustige Bilder der Gäste.

Dass sie den Menschen damit auch das eigene Spiegelbild vorhielt, war nicht nebensächlich, stand aber auch nicht im Fokus. Vielmehr gelang es der Clownin mit feministisch-kabarettistischem Ansatz, den Wandel der Werte nachzustellen. Der über fünf Generationen gespannte Zeitfluss hatte dabei ruhigere Abschnitte, aber auch Stromschnellen. Und mit Korsett, Federboa, Zylinder oder Boxhandschuhen wusste Sophia Altklug, die im echten Leben Dr. Kristin Kunze heißt und Zahnärztin ist, auch die wenigen, aber gezielt eingesetzten Requisiten bestens in Szene zu setzen. Mit ihrer gewinnenden Art, mit dem mühelosen „Zeit-auf-den-Kopf-stellen“ und dem immer wiederkehrenden Wunsch, einmal die erste Geige spielen zu wollen, hatte sie das völlig begeisterte Publikum gleich auf ihrer Seite.

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