Starke Kinder durch Meister der Kampfkunst

Von: Markus Bienwald
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Zum Training gehört auch das „Eins-zu-eins-Schlagtraining”, um Angreifer an den richtigen Punkten zu treffen. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen-Immendorf. „Wir sind stark!” schallt es durch den Mehrzweckraum der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Immendorf. Doch Tom ist das nicht genug. „Ich höre Euch nicht”, antwortet er. Und die Kinder werden lauter und lauter, bis ihr Schlachtruf unüberhörbar die Ohren zum Klingen bringt.

Jetzt lächelt Tom zufrieden und beginnt mit seinem etwas anderen Unterricht an der Schule. Zum einen findet er nachmittags statt, zum anderen ist Tom kein Lehrer. Tom Klein ist Polizeibeamter, „nebenbei” ist er Kampfkunst-Experte.

„Sensei” (Meister) steht als Präfix vor seiner Adresse auf dem Flyer seiner „Taishindokan-Akademie”. Was das alles mit Schule und Lernen zu tun hat, demonstriert er gerne. Denn die Kinder, vor Beginn der Trainingsstunde noch ein wilder Haufen mit Bewegungsdrang, hören auf ihn. Wenn er sagt, dass einer sich nicht richtig benommen hat und deswegen für eine Minute in die Ecke muss, gibt es keine Widerrede. Und was er sagt, wird getan.

Dabei ist Tom Klein kein Diktator im Klassenzimmer, vielmehr ist sein Handeln durchdrungen von dem, was er den Kindern hier beibringen will. „Es geht mir um das selbstbewusste Kind”, erzählt er. „Dazu gehören zuerst das Auftreten und die Körperhaltung”, weiß er. Und zur Illustration lässt er mal Schultern und Kopf hängen, um sich danach gerade zu strecken und selbstbewusst den Kopf zu heben. Doch nicht nur die Körperhaltung, sondern auch das verbale Auftreten soll von den Kindern gelernt werden. Dafür gibt es den Schlachtruf, und, so ergänzt Klein: „Wenn jemand um Hilfe ruft, laufen die meisten weiter, wenn einer aber "Feuer!" schreit, dann hören alle hin.” So schreien die Kinder nicht um Hilfe, sondern rufen Feuer, zeigen einem potenziellen Angreifer, dass sie stark und nicht schwach sind, dass sie wissen, wo sie hingehören und nicht einfach mit jedermann mitgehen.

Vor dem Hintergrund einer Gesellschaft, in der auch sexuelle Übergriffe auf Kinder immer stärker werden, müsse etwas für das Selbstbewusstsein getan werden, da sind sich Tom Klein und die Schulleitung sicher. Daher gibt es schon seit zwei Jahren das Angebot an der GGS Immendorf. Mittlerweile sind es sechs Gruppen, die drei Mal in der Woche je eine Stunde trainieren. Klar, das Training für vier Anfänger- und zwei Fortgeschrittenengruppen kann leider nicht gratis angeboten werden. Doch das Lehrerkollegium um Leiterin Anneliese Jaeger ist sich sicher, dass dieses Training eine mehr als sinnvolle Ergänzung des schulischen Angebotes ist.

„Es geht darum, für schlechte Situationen sensibel zu werden, wachsam zu sein, nachzudenken, mit den Erwachsenen darüber zu reden, aber auch den Notwehrgedanken herauszustellen”, sagt sie. Ganz klar stellt Tom heraus, dass es in diesem Training nur darum geht, in Notfallsituationen die richtigen Verteidigungen zu kennen und sich wehren zu können. Und dabei lernen die Kinder, wie eine Faust richtig geballt wird, ein Angreifer mit Tritten gegen das Schienbein und Schlägen auf die Brust abgewehrt und auch verbal durch den Schlachtruf „Ich bin stark!” abgewehrt werden kann.

Aber auch das richtige Fallen, Warmmachen für das Training und Entspannungstechniken gehören zu dem umfangreichen Programm. „Schließlich sollen die Kinder lernen, anlassbezogen âNein!Ô zu sagen, aber auch ihre Grenzen kennenzulernen und zu akzeptieren”, schließt die Schulleiterin.
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