Stadtmarketing: Jeder Bürger Botschafter der eigenen Stadt

Von: Georg Schmitz
Letzte Aktualisierung:
7371182.jpg
Stadtmarketing – nicht nur der kommerzielle Faktor, wie die „Kaufland“-Investition, bestimmt deren Ziele. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Munter ging es her im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung. Zum Thema Stadtmarketing hatte die Verwaltung eine Vorlage erarbeitet, die Handlungsschwerpunkte als Grundlage für ein weiteres Vorgehen aufzeigte.

Für Wirtschaftsförderin Susanne Köppl war der Begriff Stadtmarketing nicht so einfach zu definieren. „Als Stadtmarketing wird der geplante Prozess und die Summe aller Aufgaben und Aktionen bezeichnet, mit dem erfolgreiches Interessenmanagement im Unternehmen Stadt geleistet wird“, zitierte Köppl den Experten Markus Fußhöller. Stadtmarketing gebe die Möglichkeit, in einem geordneten offenen Verfahren aus individuellen Wünschen, Zielen und Interessen durch offene Kommunikation die gemeinsame Vision und die Ziele für die Entwicklung des Unternehmens Stadt zu vereinbaren.

Auf der Basis dieser gemeinsamen Ziele sei für jeden einzelnen Entscheider individuelles, jetzt aber abgestimmtes Handeln möglich. „Die Stadt ist als Interessengemeinschaft zu sehen, aber auch als Produkt, das es zu vermarkten gilt“, sagte Susanne Köppl. Durch eine Analyse müsse zunächst der Ist-Zustand definiert werden. Es müsse die Frage gestellt werden: „Welche Handlungsfelder bedürfen einer Stärkung.“ Das Produkt Stadt solle ein attraktives und vielfältiges Angebot schaffen.

Empfehlungen zur Entwicklung

Diese Aufgabe liege aber nicht nur bei der Verwaltung und den politischen Gremien, sondern genauso beim Hotel- und Gastgewerbe, dem örtlichen Einzelhandel und weiteren Wirtschaftszweigen. Die wichtigsten Aufgaben und Ziele im Stadtmarketing wären, Handlungsempfehlungen zur Stadtentwicklung zu geben. Das Bild der Stadt sowohl als Wirtschafts- und Lebensraum für die Besucher als auch als Ziele für Besucher müssten verbessert werden. Idealerweise müsse jeder einzelne Bürger zum Botschafter seiner eigenen Stadt werden.

Für die Entwicklung eines Stadtmarketingkonzepts sei zunächst ein Stadtmarketingprozess notwendig, der in die drei Schritte „Analyse, Konzeption und Umsetzung“ zu unterteilen ist. Für das Stadtmarketing müssten auch Wege der Finanzierung gesucht werden. Es gelte nun, ein Steuerungsgremium zu bilden, dies könne der Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung sein. Um den Marketingprozess zu revitalisieren, sollten auch Experten hinzu gezogen werden. Anlässlich der nächsten Sitzung des Gremiums am 10. April bei CSB-Systems ist eine offene Podiumsdiskussion zum Thema Stadtmarketing geplant.

In der anschließenden Diskussion im Ausschuss unter Vorsitz von Karl-Peter Conrads sagte Gabi Kals-Deußen (SPD): „Wir finden die Beschlussvorlage nicht konkret genug.“ Auch das Hinzuziehen von Experten sei nicht immer zielführend. Dass diese Arbeit der Wirtschaftsförderung keine Ergebnisse zeigen würde, empörte Bürgermeister Thomas Fiedler: „Das ist ein Schlag gegen die Verwaltung. Sagen Sie konkret, was Sie wollen. Wir haben uns wochenlang bemüht, diesen Beschlussvorschlag zu erarbeiten“, betonte der Verwaltungschef und warnte davor, einen Schritt zurückzugehen.

Mehr oder weniger lautstark wechselten die Meinungen. Jürgen Benden (Grüne) erinnerte genervt daran, dass seit Jahren über Stadtmarketing geredet werde, aber bislang keine Ergebnisse erzielt würden. „Der Beschlussvorschlag spiegelt das wieder, was wir gewollt haben“, sagte Toska Frohn (FDP). Auch Helmut Gerads (Freie Bürgerliste) sah nichts Negatives in der Arbeit des Fachamtes. Hans-Josef Paulus (CDU) verstand derweil „die ganze Aufregung“ nicht und sagte: „Wir wollen, dass wir in Geilenkirchen weiterkommen.“ Das wolle die SPD auch, erwiderte Gabi Kals-Deußen. Dennoch habe sie große Bedenken mit den sogenannten Experten.

Weiterer Knackpunkt war die Besetzung des zu bildenden Gremiums, bei der einige Ausschussmitglieder die Fraktionsstärke berücksichtigt wissen wollten. Kurt Sybertz (SPD) wunderte sich, was für ein „Affenzirkus“ hier veranstaltet werde. „Sollen wir nicht lieber zuerst den Verwaltungsvorschlag bei der kommenden Podiumsdiskussion diskutieren?“, lautete sein Vorschlag.

Bei neun Nein-, sieben Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen wurde der Vorschlag einer Berücksichtigung „nach Fraktionsstärke“ abgelehnt. Der Beschlussvorschlag, die Verwaltung zu beauftragen, eine Arbeitsgruppe Stadtmarketing zu koordinieren, wurde einstimmig angenommen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert