Geilenkichen-Tripsrath - Stadtjugendring will die Jugendlichen wieder ans Dorf binden

Stadtjugendring will die Jugendlichen wieder ans Dorf binden

Von: Katrin Fuhrmann
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Den Kindern die Natur wieder näher bringen: Mariano Zamorano, Leiter der „Nutztierarche“ in Tripsrath, möchte neben seinen Pflegekindern auch anderen Kindern die Möglichkeit geben, die Natur und das Leben der Tiere kennenzulernen. Foto: Katrin Fuhrmann

Geilenkichen-Tripsrath. Der Stadtjugendring kümmert sich seit 2002 auf Initiative des Rates der Stadt Geilenkirchen darum, die Interessen und Belange der Jugendlichen zu fördern und ihnen Gehör zu verschaffen. Verschiedene Vereine, Institutionen und Organisationen haben sich zum Ziel gesetzt, wieder mehr für die Kinder und Jugendlichen zu tun.

Denn Fakt ist, dass gerade Kinder und Jugendliche „früher“ beispielsweise aktiver in das Dorfleben miteinbezogen wurden. „Wir waren damals den ganzen Tag draußen, sind Fahrrad gefahren, haben die Bauern besucht, im Stall geholfen und auf den Spielplätzen unsere Nachmittage verbracht. Niemand war alleine. Wir waren immer in einer großen Gruppe im Dorf unterwegs, und es gab viele Vereine mit reger Teilnahme“, erzählt der 44-jährige Tripsrather Mariano Zamorano.

Fakt sei auch, dass es in den Dörfern mehr Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche gab. War das einmal nicht der Fall, dann hätten sich die Kinder selbst etwas ausgedacht, um ihre Freizeit zu gestalten. Ob Nachtwanderung, Schnitzeljagd oder gemeinsame Radtouren – das Dorf war interessant und ansprechend für den Nachwuchs. Und Zamorano glaubt auch, dass die Jugendliche deswegen auch längerfristig im Dorf blieben – sie hätten dort Perspektiven gesehen.

Heute sieht das in vielen Dörfern anders aus. Das belegt unter anderem eine Studie des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Das Institut hat 2011 unter anderem festgestellt, dass die Dichte an Vereinen in stabilen oder wachsenden Dörfern viel höher als in schrumpfenden Dörfern ist. Ist also für die Zukunftsfähigkeit eines Dorfes entscheidend, wie sehr deren Einwohner beteiligt werden? Fragt man Zamorano, ist das zumindest ein wichtiger Punkt.

Und eigentlich lägen die Gründe hierfür doch ebenso auf der Hand: Die ländlichen Räume würden unter den Folgen des demografischen Wandels und dem Wegzug junger Menschen leiden. Das Dorfleben im klassischen Sinne würde dadurch doch immer weiter „abgeschwächt“.

Stadtjugenring-Geschäftsführer Markus Kaumanns bestätigt zwar auch, dass gerade das Vereinsleben im klassischen Sinn nicht mehr so gelebt werde wie „früher“, doch das liege daran, dass sich die Interessen der Jugendlichen im Allgemeinen verändert hätten. „Die Jugendlichen binden sich heutzutage nicht mehr so gerne an Vereine. Sie gestalten ihre Freizeit lieber nach ihren eigenen Vorstellungen“, sagt er.

Sie wollen neue Erfahrungen sammeln und ihren Horizont erweitern. Das hieße aber noch längst nicht, dass sie sich überhaupt nicht für das Dorfleben interessierten. Natürlich gebe es immer wieder Jugendliche, die es in Großstädte ziehe. Aber das könne man nicht pauschalisieren.

Freizeitangebot erweitern

Tripsrath jedenfalls ist ein Beispiel dafür, wie man Kinder und Jugendliche wieder einbeziehen kann. „Wir sind eine Pflegefamilie und haben manchmal bis zu sieben Kinder bei uns leben. Wir merken aber manchmal, dass das Freizeitangebot zu wünschen übrig lässt“, erzählt Zamorano. Er wolle aber nicht, dass seine Jungs (und auch andere Kinder im Dorf) ihre Freizeit vor dem Computer verbringen oder isoliert in ihren Zimmern hocken.

Das führe nämlich dazu, dass der Kontakt zu anderen Altersgenossen im Dorf verloren gehe. Aus diesem Grund haben Zamorano und ein kleines Team aus Helfern nun ein Projekt ins Leben gerufen. Dieses soll Kinder und Jugendliche wieder aktiv in das Dorfleben einbinden. Er setzt dabei vor allem auf alte Normen und Werte, wie Respekt und Ehrlichkeit, Sitten und Bräuche, auf die Natur und die Arbeit mit Tieren. Zamorano möchte mit seinem Projekt alle Kinder ansprechen.

Er möchte einen Acker verwirklichen, auf dem die Kinder Gemüse anpflanzen können, er möchte wieder verstärkt Nachtwanderungen und eine Schnitzeljagd anbieten, damit die Kinder wieder zusammenfänden. Der Stadtjugendring veranstaltet Kinoabende, eine Kinder- und Jugenddisco und hört immer wieder bei den Jugendlichen nach, was sie verändern wollen oder was sie interessiert. Ein guter Ansatz also.

Zamorano schätzt, dass in Tripsrath rund 300 Kinder leben, die er mit seinen Ideen erreichen kann. „Vor kurzem sollte ein neuer Fußballverein gegründet werden. Doch lediglich eine Anmeldung führte dazu, dass die Idee eines neuen Vereins wieder fallengelassen wurde“, erzählt Zamorano, der das sehr bedauert. Zamoranos Projekt und der Stadtjugendring sind zumindest schon einmal ein Anfang, Kinder und Jugendliche wieder aktiv in das Dorfleben miteinzubeziehen.

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