Stadt reagiert auf Kitaplätze-Mangel

Von: Ines Kubat
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Dank der Sponsoren Hubertus Kühne (Lions-Club, hinten links), Wilhelm Wolff (Lions Hilfswerk, Mitte links), Hans-Josef Thelen (Vorstand des Fördervereins der Heinrichs-Gruppe, Mitte rechts) und Karin Heinrichs, (Geschäftsführerin der Heinrichs-Gruppe) kann Hermann-Josef Lehnen vom Sozialamt der Stadt Geilenkirchen (hinten rechts) die Spielgruppe in der GGS unter Schulleiterin Annette Maxheim (vorne links) einrichten. Foto: Kubat
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Die neue Spielgruppe soll ein niederschwelliges Angebot der Kinderbetreuung in Geilenkirchen sein. Foto: imago/westend61

Geilenkirchen. Ein buntes Lern-ABC mit vielen kleinen Bildern hängt an den gelb gestrichenen Wänden des Klassenzimmers in der GGS Geilenkirchen. In akkuraten Reihen sind Tische und Stühle angeordnet. Doch ab dem ersten September wird das Mobiliar jeden Morgen einfach zur Seite geräumt und an die Wände geschoben.

Stattdessen wird in der Mitte des Raumes ein fröhlich-bunter Spielteppich ausgerollt. Platz bietet dieser Teppich dann zehn Kindern im Alter zwischen drei und sechs Jahren, ihrer Erzieherin und einem Elternteil.

Denn zum ersten September wird eine neue Spielgruppe für Kleinkinder in der Grundschule eingerichtet, die auch Plätze für einige Flüchtlingskinder bietet. Die Kinder werden vier Tage in der Woche jeweils von 8.15 bis 12 Uhr betreut. „Die Spielgruppe ist ein ganz niederschwelliges Angebot der Kinderbetreuung“, erklärt Hermann-Josef Lehnen, stellvertretender Leiter des Jugend- und Sozialamts der Stadt Geilenkirchen.

Die Stadt wird als Träger der Spielgruppe fungieren und reagiert damit auf den akuten Bedarf im Bereich der Kinder-Betreuung, wie Lehnen berichtet: „Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass die Kinderzahlen dauerhaft eher zurückgehen, so dass wir das Betreuungs-Angebot auch im U3-Bereich langsam ausbauen könnten. Doch es kam anders.“

Konkret bedeutet das, dass insgesamt 60 Kita-Plätze in der Geilenkirchener Innenstadt fehlen. In der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses hat man deshalb beschlossen, eine dreigruppige Einrichtung zu gründen. Wo und wie das geschehen soll, darüber werde jedoch erst nach den Sommerferien erneut beraten.

Dann aber startet bereits die kleine Spielgruppe in der Grundschule, die vor allem durch die finanzielle Unterstützung der beiden Sponsoren, dem Lionsclub und dem Förderverein der Heinrichs-Gruppe, installiert werden kann. Dank ihnen sei die Betreuung in der Spielgruppe kostenlos. Und „wir versuchen, dass das auch so bleibt“, versichert Lehnen. Das Geld von den Sponsoren sei allerdings zunächst nur auf ein Jahr zugesichert.

Insgesamt werden bis September zehn Plätze vergeben, für die sich Eltern ab sofort bewerben können. Bei der Auswahl gelte allerdings nicht das Prinzip: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.“ Denn die Stadt will mit Hilfe der Spielgruppe Flüchtlingskindern eine erste Integrationsmöglichkeit bieten und vergibt deshalb die Plätze anhand des jeweiligen Bedarfs und Hintergrund der Familie. Knapp die Hälfte aller Plätze soll Kleinkindern aus Flüchtlingsfamilien vorbehalten sein.

Die Kinder, die einen Platz bekommen, lernen dann im Herbst ihre Erzieherin kennen, die bislang in verschiedenen städtischen Kitas in Geilenkirchen eingesetzt wurde und unter anderem auch in der Teverener Kita gearbeitet hat. Dort habe sie auch Erfahrungen im Umgang mit Kleinkindern gemacht, die noch kein Deutsch sprechen.

Laut pädagogischem Konzept steht in der Spielgruppe das gemeinsame Spielen im Vordergrund: Dabei lernen die Kinder, ihre Umwelt zu erkunden und auch „ihren Platz in einer Gruppe Gleichaltriger zu finden“, so steht es im Konzeptpapier der Stadt. Und das sei enorm wichtig für den späteren Übergang in die Grundschule, erklärt die Rektorin der GGS Annette Maxheim: „Kinder, die noch nie einen Kindergarten besucht haben, kennen die Gruppensituation einer Schule dann gar nicht.“

Der Tagesablauf in der Spielgruppe soll dem in einer gewöhnlichen Kita sehr ähnlich sein: Es wird gemeinsam gefrühstückt und gesungen, gleichzeitig bleibe aber auch viel Zeit für freies oder gemeinsames Spielen.

Doch neben der reinen Betreuung der Kinder verfolgt die Stadt den Wunsch, Flüchtlingskindern und ihren Eltern den Weg „in eine institutionelle Kindertagesbetreuung zu erleichtern“. So können die Kinder mit ausländischen Wurzeln durch den Kontakt mit Gleichaltrigen und ihrer Erzieherin spielerisch Deutsch lernen.

Anders als bei normalen Kitas soll in der Spielgruppe aber nicht nur die Erzieherin sondern abwechselnd auch jeweils ein Elternteil vor Ort sein. Einerseits entstehe so ein intensiver und vertrauensvoller Umgang zwischen Eltern, Kindern und Erzieherin.

Andererseits sei auch diese Kooperation ein mögliches Mittel der Integration: Die Flüchtlinge, die ihre Kinder in die Spielgruppe geben und in die Betreuung involviert werden, könnten vor Ort bei sprachlichen Hürden helfen und bekommen so selbst eine Möglichkeit, die Kultur und Bräuche in Deutschland kennenzulernen – vor allem auch durch den Kontakt zu anderen Eltern.

Schulleiterin Annette Maxheim heißt die Spielgruppe schon jetzt im Hausaufgabenraum ihrer Grundschule herzlich willkommen. In der Vergangenheit habe die GGS bereits kurzzeitig die Kita Bauchem beherbergt und deshalb Erfahrung mit den besonderen Bedürfnissen von Kleinkindern.

Doch obgleich man der Spielgruppe ein schönes Zuhause bieten möchte, bittet die Schulleiterin schon jetzt darum, auf lange Sicht eine andere Unterbringung für die Kinder zu suchen. Denn die Schulleiterin befürchtet, dass die Kleinkinder, die von Natur aus sehr laut spielen, die Grundschüler vom Lernen ablenken könnten.

Daher dürfe die Spielgruppe leider auch während der Unterrichtszeit den Schulhof nicht benutzen. Maxheim hofft daher, dass die Stadt irgendwann einen geeignetern Ort für die Spielgruppe – am besten mit angegliedertem Spielplatz – findet.

Aber bis es soweit ist, werden die Kinder erst mal jeden Morgen die Stühle und Tische zur Seite schieben und sich ihren bunten Spielteppich ausrollen.

Interessierte Eltern können sich bei Jutta Wennmacher (Telefon 02451/629315) und Daniela Eiling (Telefon 02451/629329) melden, oder zu den Sprechzeiten persönlich vorstellig werden.

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