Geilenkirchen - Stadt Geilenkirchen sucht ehrenamtliche Dolmetscher

Stadt Geilenkirchen sucht ehrenamtliche Dolmetscher

Von: Jessica Küppers
Letzte Aktualisierung:
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Yvonne Wolf und Anton Kolaj greifen immer wieder auch auf Bilder zurück, um den Flüchtlingen Dinge zu erklären. Foto: jkü

Geilenkirchen. Für Flüchtlinge ist ein Besuch beim Arzt eine echte Herausforderung. Nicht nur die lateinischen Fachausdrücke sind für sie rätselhaft, auch einfache Fragen des Doktors können zum Problem werden, wenn die Flüchtlinge noch kein Deutsch sprechen.

Damit sie verstehen, woran sie erkrankt sind und wie sie ihre Beschwerden behandeln lassen müssen, setzt die Stadt Geilenkirchen ehrenamtliche Dolmetscher ein. Die kommen auf Wunsch nicht nur zu Arztbesuchen mit, sondern sind auch bei Behördengängen behilflich.

Einer von denen, der sich um die 307 Flüchtlinge in Geilenkirchen kümmert, ist Sozialpädagoge Anton Kolaj. Albanisch ist seine Muttersprache. Zudem beherrscht er Jugoslawisch, Serbisch, Englisch und natürlich Deutsch. Auch wenn er vieles übersetzen könnte, versucht er zunächst die Flüchtlinge zu motivieren, ihre vorhandenen Deutschkenntnisse anzuwenden. „Erst wenn sie nicht weiterkommen, springe ich ein“, sagt er. Auf diese Weise sollen die Flüchtlinge selbstständig werden und über ihren Schatten springen – ganz im Sinne der Integration.

Neben Kolaj sind in Geilenkirchen noch 17 weitere ehrenamtliche Übersetzer im Einsatz. „Dazu kommen noch unzählige Paten, die die Betreuung für einzelne Familien übernehmen“, sagt die Flüchtlingsbeauftragte der Stadt, Yvonne Wolf. Eine Dolmetscherin, die Arabisch spricht und Frauen zum Gynäkologen begleiten könnte, ist jedoch nicht dabei und wird noch dringend gesucht. „Sie wollen von Frauen begleitet werden und am liebsten zu einer Ärztin gehen“, sagt Wolf.

Auch wenn durch das Netzwerk an Ehrenamtlern schon zwölf Sprachen übersetzt werden können, gibt es immer wieder Fälle, in denen kein Dolmetscher zur Verfügung steht. Dann helfen sich die Flüchtlinge manchmal auch untereinander und probieren sich auf Englisch und in ihren Muttersprache zu verständigen. Oft seien es auch die eigenen Kinder, die ihren Eltern weiterhelfen können. „Sie sprechen nach kürzester Zeit richtig gutes Deutsch“, sagt Wolf. Deutschunterricht findet manchmal sogar schon in den Familien statt, weil die Kinder ihre Deutschkenntnisse aus der Schule mitbringen. Kolaj erinnert sich besonders an einen amüsanten Fall. „Die Mutter sagte das albanische Wort ‚Po‘, was ‚Ja‘ bedeutet.“ Als ihr Sohn das hörte, habe er sich geschämt und seiner Mutter erklärt, dass es das Wort auch im Deutschen gebe und sie es nach Möglichkeit umgehen solle.

Um selbst auch Deutsch zu lernen, besuchen viele erwachsene Flüchtlinge gleich mehrere Deutschkurse pro Woche. Unter den elf Kursen, die momentan in Geilenkirchen angeboten werden, sind seit Kurzem auch zwei Alphabetisierungskurse, weil Wolf darin einen Bedarf sieht. „Wir haben zum Beispiel Frauen, die in ihrer Muttersprache noch nicht alphabetisiert sind“, sagt sie. Ebenso besuche nicht jede Frau einen Deutschkurs – zum Teil aus kulturellen Gründen. „Wir haben verheiratete Frauen dabei, deren Männer die Deutschkurse besuchen und deshalb keine Veranlassung dafür sehen“, sagt sie. Einige kämen auch nicht, weil sie auf die Kinder aufpassen müssten.

Weil man diese Frauen im Rahmen der Integration aber nicht verlieren dürfe, hat die Flüchtlingsbeauftragte darauf ein besonderes Augenmerk gelegt und sich dafür eingesetzt, dass die Kurse vormittags stattfinden. So könnten auch Mütter an den Kursen teilnehmen.

Seit nicht mehr ganz so viele Neuankömmlinge eintreffen, lege man das Hauptaugenmerk auf Integration, wozu die Stadt nach dem Asylbewerberleistungsgesetz nicht verpflichtet sei, sagt Wolf. Dennoch habe man ein Interesse daran, die Menschen in die Gesellschaft zu integrieren.

Damit dies gelingen kann, brauchen nicht nur Verwaltungsangestellte und Nachbarn viel Fingerspitzengefühl und Verständnis. Auch Kolaj handelt als Übersetzer nach dieser Devise: „Kommunikation funktioniert zu 80 Prozent über nonverbale Kommunikation und Empathie“, sagt er. Das sei der Schlüssel zum Erfolg.

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