St.-Ursula-Schüler sind ein kleiner Teil eines großen Konzerts

Von: Daniel Gerhards
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Stolz auf ihre Arbeit: Lehrer Thomas Gottschalk, Pauline Montz, Franziska Austel, Simon Krückel, Sophie Kohnen, Philipp Hölzel, Antonia Krewel und Lehrer Thomas Kamphausen (v. l.) präsentieren das von den Schülern gestaltete Programmheft für das anstehende Sinfoniekonzert im Aachener Eurogress. Foto: Daniel Gerhards, stock/United Archives International

Geilenkirchen. Wenn die 56 Schüler der Klassen 9a und 9b am Montag nach Aachen fahren, dann mit einem ganz besonderen Gefühl. Denn beim Konzert des Sinfonieorchesters Aachen haben die Schüler des Bischöflichen St.-Ursula-Gymnasiums mitgewirkt. Aber nicht als Musiker.

Auch nicht als Komponisten oder Dramaturgen. Aber sie haben das Programmheft erstellt. Die Texte und Ideen für das Layout stammen von ihnen.

In gewisser Weise sind sie also Teil des Konzerts. „Das ist schon schön, da mitten drin zu sein und nicht nur als Gast zu dem Konzert zu gehen“, sagt Antonia Krewel, 14 Jahre. Wenn sie dort Besucher sehen, die in einem der 1000 gedruckten Programmhefte lesen, dann können die Schüler stolz auf ihre Leistung sein. „Für uns ist das schon eine Ehre, dass wir das Heft gestalten durften. Das wird ja sonst von Profis gemacht, die viel mehr Erfahrung damit haben“, sagt Simon Krückel, 15 Jahre.

Informationen zu Komponisten

Mit der Musik beschäftigt hätten sich die beiden Musikklassen der Lehrer Thomas Kamphausen und Thomas Gottschalk ohnehin. Das machen sie immer, bevor sie ein Konzert des Sinfonieorchesters besuchen. Sie sammelten Informationen zu den Komponisten George Gershwin, Michael Colgrass und Sergej Prokofjew und hörten sich deren Musik an. Sie stellten Präsentationen zu jedem Komponisten zusammen und informierten damit ihre Mitschüler.

Sie verließen sich also nicht nur auf das, was sie im Internet fanden, sondern setzten auch auf ihr eigenes Gehör: „Wir haben uns die Stücke angehört und herausgearbeitet, welche Instrumente man hört, wie die Abfolgen sind und welche Wiederholungen es gibt“, sagt Franziska Austel, 15 Jahre.

Mit Michael Dühn, Musikdramaturg des Theaters, besprachen sie dann, wie das Heft aufgebaut sein soll. Sie teilten sich in Gruppen ein, die jeweils eine Doppelseite gestalteten. Die Texte im fertigen 16-seitigen Programmheft haben sie selber geschrieben. Für das Layout entwickelten sie Ideen, die die Layouter des Theaters berücksichtigten.

Und für ihre Beiträge zum Komponisten Michael Colgrass wählten die Schüler den direktesten aller Wege, um an ihre Informationen zu kommen: Sie befragten ihn. „Die Fragen, die wir selber nicht beantworten konnten, haben wir ihm per E-Mail gestellt. Und er hat dann auch zügig geantwortet“, sagt Lehrer Thomas Kamphausen. Colgrass beantwortete zum Beispiel die Frage, warum seine Chaconne aus genau 23 Variationen besteht oder warum er das Schlagzeug so häufig einsetzt. Die Antworten stehen nun im Programmheft zum Sinfoniekonzert.

Antworten kann man von Gershwin und Prokofjew natürlich nicht mehr erwarten. Beide sind längst tot. Trotzdem fanden die Schüler eine Menge über die beiden Menschen und deren Musik heraus. „Wir haben uns die Frage gestellt, wie Gershwin zu seiner Cuban Overture gekommen ist“, sagt Antonia Krewel. Das Ergebnis: „Er war auf Cuba und hat dort Musik gehört, die ihn faszinierte“, sagt sie. Seine Urlaubseindrücke habe er dann zu der Komposition zusammengefasst. „Gershwin hat keine Postkarte aus dem Urlaub geschrieben, sondern ein Musikstück“, sagt die Schülerin.

Im fertigen Heft präsentieren die Schüler ihre Informationen kleinteilig und modular aufgebaut. Das ist ein Unterschied zum üblichen Aufbau der Programmhefte des Theaters. Die moderne Aufteilung mit häppchenweise verabreichten Informationen orientiert sich also eher an Lesegewohnheiten junger Leute. „Die Darstellung in den Modulen wird vielen Lesern sehr engegenkommen, nicht nur den Jugendlichen“, sagt Kamphausen.

Zusätzlich gibt es QR-Codes, über die via Smartphone weitere Informationen zu Stücken und Komponisten abrufbar sind.

Dass das alles so gedruckt und vom Theater verwendet wird, war für die Schüler ein besonderer Ansporn. „Das motiviert schon, wenn man weiß, dass viele Leute unser Heft lesen werden“, sagt Franziska Austel.

Junge Leute motivieren

Ihre Arbeit für das Programmheft war zwar eine einmalige Aktion. Aber die Schüler glauben trotzdem, dass eine Verbindung zu den Stücken bleiben wird.

Schüler Philipp Hölzel spielt selber Klavier. Gespielt hat er die Stücke auf seinem Instrument noch nicht. Das würde auch nicht wirken, meint er. Schließlich sind sie für ein großes Orchester komponiert.

Und Philipp Hölzel hofft ohnehin auf eine ganz andere Wirkung: „Vielleicht motiviert unsere Arbeit Jugendlich dazu, auch mal ins Konzert zu gehen. Sie sollen sehen, dass das nicht nur etwas für alte Leute ist.“

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