St. Johann Baptist Lindern: Als erste Kirche im Land ausgezeichnet

Von: Udo Stüßer
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St. Johann Baptist Lindern wird als erste Kirche im Land vom VdK ausgezeichnet. Der linke Teile der Kirche ist etwa 500 Jahre alt, der Anbau stammt aus dem Jahre 1962.
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Mit einem Bewegungsmelder wird die Seiteneingangstür automatisch geöffnet. Die Solarlampe wurde leider gestohlen.

Geilenkirchen-Lindern. „Es war mir stets ein Dorn im Auge, wenn die alten Menschen mit ihren Rollatoren in die Kirche wollten und ihnen die Eingangstüre ständig im Weg war“, erklärt Pfarrer Norbert Kaluza, Seelsorger der vier selbstständigen Pfarreien Lindern, Würm, Kraudorf und Immendorf.

Doch wer den Priester kennt, weiß, dass er nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch ein Mann der Tat ist: Anfang des Jahres sorgte er für einen barrierefreien Zugang zur Pfarrkirche St. Johann Baptist in Lindern.

Lediglich 3000 Euro mussten investiert werden, damit künftig Senioren mit Rollatoren, behinderte Menschen in Rollstühlen und auch junge Mütter mit Kinderwagen durch den Seiteneingang in die Kirche kommen, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Während an der Außenseite ein Bewegungsmelder auf Kirchenbesucher reagiert und sich die Türe automatisch öffnet, kann der behinderte Mensch innen ganz unkompliziert per Tastendruck die Türe öffnen. In der Kirche hat Kaluza eine Bankreihe entfernen lassen, damit Rollstuhlfahrer ausreichend Platz haben.

Dafür wird die Linderner Kirche jetzt als erste Kirche im ganzen Land Nordrhein-Westfalen mit der Plakette für die Umsetzung des barrierefreien Bauens des VdK-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. „Über diese Plakette und über die Auszeichnung freue ich mich natürlich. Ich betrachte sie aber vielmehr für andere als Ansporn“, sagt Kaluza.

Das sieht auch Heinz Pütz, Behindertenbeauftragter der Stadt Geilenkirchen, so. Nachdem er die Kirche inspiziert hatte, schlug er sie gut begründet für die Auszeichnung vor. Sein Antrag wurde von Architekten geprüft, die dem VdK dann ein Gutachten vorlegten. „Wer Inklusion will, sucht nach Wegen. Wer Inklusion verhindern will, sucht nach Gründen“, sagt Pütz.

Die Pfarrkirche St. Johann Baptist Lindern ist nicht die erste Kirche, die Pfarrer Kaluza barrierefrei gestaltet hat. Die Pfarrkirche Würm hat er bereits vor fünf Jahren umbauen lassen, Immendorf hat seit zwei Jahren einen behindertengerechten Zugang. Lediglich die Kirche in Kraudorf wird nicht mit einem elektronischen Türöffner ausgestattet. „Mit 270 Gläubigen ist die Gemeinde zu klein für solch eine Maßnahme“, bedauert er, doch Kaluza sorgte hier zumindest für einen ebenerdigen Zugang.

Mit Freude hat Kaluza festgestellt, dass nach dem Umbau wieder mehr Menschen seine Kirchen füllen: „Früher haben sich die Leute geschämt, mit Rollatoren und Rollstühlen zu erscheinen. Heute haben sie keine Hemmungen mehr und nehmen am gesellschaftlichen Leben teil. Behinderte Menschen verstecken sich heute nicht mehr“, freut er sich. Gerade Senioren hätten doch die Zeit, Gottesdienste zu besuchen. „Und sie kommen gerne und haben hier eine Gelegenheit, sich nach der heiligen Messe auszutauschen.“

Die Dankbarkeit dieser Menschen, so hat der Seelsorger festgestellt, sei enorm. „Viele freuen sich, dass sie nicht mehr warten müssen, bis ihnen jemand die Tür öffnet. Sie sagen: Jetzt muss ich nicht mehr betteln, um Zutritt zu erhalten“, hat Kaluza erfahren. Für die Diskussion in der Pfarre St. Marien Himmelfahrt Geilenkirchen um einen behindertengerechten Zugang hat er keinerlei Verständnis, zumal keine große Investition erforderlich war.

Was den Priester derzeit allerdings maßlos ärgert, ist die Tatsache, dass eine an dem Bewegungsmelder angeschlossene Solarlampe an der Außenfassade gestohlen wurde. Aber sie soll schnell erneuert werden.

Die Auszeichnung des VdK will er in der Adventszeit entgegennehmen. Dann will er die Ehrung mit einer kleinen Feier im Pfarrheim verbinden. „Unsere Gemeinde ist wie eine Familie, und zu einer Feier gehört die ganze Familie“, sagt er.

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