Geilenkirchen-Hünshoven - St. Johann Baptist: Eine Gemeinde im Wandel der Zeiten

St. Johann Baptist: Eine Gemeinde im Wandel der Zeiten

Von: Georg Schmitz
Letzte Aktualisierung:
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Die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Pfarrkirche in Hünshoven wurde 1951 wieder aufgebaut.

Geilenkirchen-Hünshoven. Die Zusammenlegungen von Pfarren durch die Bildung von Gemeinschaften der Gemeinden (GDG) und die verordnete Zwangsfusionen durch das Bistum nimmt unsere Zeitung zum Anlass, einmal beispielhaft in die Geschichte einer dieser noch eigenständigen Pfarren zu schauen.

Die Pfarre St. Johann Baptist in Hünshoven ist eine von vielen katholischen Gemeinden, die bis Ende des Jahres „fusionieren” soll. Den Plänen des Bistums folgend, wird sie der GDG St. Bonifatius Geilenkirchen angegliedert.

Doch wie vielerorts regt sich auch bei den Gläubigen in Hünshoven Widerstand. Franz Davids, stellvertretender Pfarrgemeinderatsvorsitzender, verweist auf die soliden Finanzen der Hünshovener Pfarre. Diese erheblichen Vermögenswerte würden bei einer Zusammenlegung in die „Gemeinschaftskasse” der GDG St. Bonifatius einfließen.

Franz Davids besitzt eines von wenigen Büchern von Dr. Heinrich Schiffers aus dem Jahre 1951. „Die Pfarre Hünshoven im Wandel der Zeiten”, lautet der Titel des 204-seitigen Werkes. Der Schrift ist zu entnehmen, dass es in der wechselvollen Geschichte schon oft zu Rivalitäten zwischen den benachbarten Pfarrgemeinden Geilenkirchen und Hünshoven kam.

Mit dem Jahre 1217 tritt die Hünshovener Kirche in das Licht urkundlich verbürgter Geschichte, damals noch dem Heinsberger Norbertinerstift angehörend. Das Patrozinium der Kirche in Hünshoven ist, soweit zurückgeblickt werden kann, dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht.

Es gibt aber keine sicheren Rückschlüsse auf die Entstehungszeit der Hünshovener Kirche. Laut der Schrift von Heinrich Schiffers besteht die Möglichkeit, dass in Hünshoven eine „dem heiligen Laurentius oder schon Johannes Baptist” geweihte Kirche bereits vor dem Jahre 1217 erbaut wurde. Gestützt wird diese These auf Funde von fränkischen Ziegeln wie auch römisches Mauerwerk im Jahre 1951 beim Wiederaufbau der kriegszerstörten Hünshovener Kirche. Jedoch ist das genaue Alter des Kirchenbaus nicht zu bestimmen.

Es ist auch nicht bekannt, ob es sich 1217 noch um den ersten Kirchenbau handelte, oder ob jenes Gotteshaus bereits einen noch älteren Sakralbau ersetzt hatte. Möglicherweise war noch die 1217 erwähnte Kirche ein Holzbau.

Vom Pfarrer Engelbert wird berichtet, dass er hier zwischen 1389 und 1395 eine neue Kirche errichtet hat. Das im zweiten Weltkrieg zerstörte Gotteshaus war in der Hauptsache ein spätgotischer Bau aus der Mitte des 15. Jahrhunderts.

Über die Pfarre beginnen die Nachrichten erst während der Reformationszeit reichlicher zu fließen. Berichte der Visitatoren an den Herzog von Jülich in den Jahren 1533 bis 1582 ergeben für die kirchlichen Zustände Hünshovens ein günstiges Bild. Den damaligen Pfarrer Jakob Gelucks nannten sie einen „ehrbaren Mann”, der sich gut halte und „ziemlich” predige.

„Lehre, Leben und Wandel”

Auch auf Prüfungsfragen wusste er „ziemlichen Bescheid zu geben, denn er war gelehrt genug.” Auch spätere Visitatoren waren mit seiner „Lehre, Leben und Wandel zufrieden.” Den 1559 eingeführten Nachfolger im Amt, Werner von Geilenkirchen fanden die Jülicher Räte anfangs „etwas blode mit dem Predigen, erhoffen aber mit der Zeit, weil er noch sehr jung ist, werde er sich bessern.”

Nach einjährigem Wirken waren sie mit ihm „noch zur Zeit wohl zufrieden”, wenn auch seine wissenschaftliche Prüfung nicht zum Besten ausgefallen war. Aber: „Er will mit Fleiß ferner studieren, lehrt katholisch von Glauben und Sakramenten, enthält sich des Scheltens.” Schiffers Buch berichtet, dass der Protestantismus während des 16. Jahrhunderts auch in Hünshoven Einzug gehalten hat, um 1572 sei eine reformierte Gemeinde Geilenkirchen-Hünshoven entstanden.

Wie allgemein in konfessionell gemischten Gemeinden kam es damals auch in Hünshoven bisweilen zu Spannungen zwischen Protestanten und Katholiken. Letztere pflegten bei der Fronleichnamsprozession an der evangelischen Kirche durch eine Kontroverspredigt ihren theologischen Standpunkt zu vertreten.
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