Spuren an etlichen Stellen im Selfkant erinnern an Peter Staas

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Die Landschaft im Selfkantland war stets bevorzugtes Thema in den Arbeiten von Peter Staas. Foto: Karl-Heinz Hamacher
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Religiös geprägt, spielte die St.-Nikolaus-Kirche in Gangelt in Gedichten Peter Staas‘ immer wieder eine Rolle. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. „Dät es doch et allerbeste, Wat ech mech mar denke kann: Su stellkes en der Selfkant wuhne, On do e eeje Hüske han.“ Diese ersten Zeilen aus dem Gedicht „Heem“ zeigen schon die innige Heimatverbundenheit, mit der Peter Staas seine Gedanken über den westlichsten Landstrich, über seine Landschaft, dessen Menschen und Eigenarten zu Papier brachte. Im Januar des kommenden Jahres jährt sich sein 50. Todestag.

Familie und Freunde kannten Peter Staas als einen der Stillen im Lande. Er sah hinter dem äußeren Schein, dem bunten Treiben und dem Lärm der Welt das Bleibende. Heute würde man ihn einen Feingeist nennen, einen der die öffentliche Bühne scheute, der zu bescheiden war, sein dichterisches Werk zu veröffentlichen.

Das haben kurz vor seinem Tode Freunde für ihn besorgt und ihm den ersten gedruckten Band ans Krankenlager gebracht. „Wir wussten schon lange, dass er zum Lobe der Heimat Gedichte und Sprüche niederschrieb, die seinen Schreibtisch nicht verließen“, erinnert sich Wilhelm Bodens aus diesem Freundeskreis. Peter Staas sei von einem „inneren Feuer“, von einer „tiefen Liebe“ erfüllt gewesen, wenn es um die Landschaft zwischen Rur und Maas gegangen sei. Prägend war wohl sein im Kindesalter erzwungener Abschied von Waldenrath nach Rheydt, seine Schulzeit bei den Trappisten von Lilbosch in der Abtei des Echter Waldes.

Dort, in der Nähe der Heimat, bekam er wohl den Blick für die Weite der Landschaft im Grenzgebiet. Man erzählt sich, dass er von einem Aussichtspunkt des Klosters die Kirchtürme von Waldenrath bis Gangelt, von Millen bis Sittard sehen konnte.

Peter Staas, geboren am 27. März 1894 in Waldenrath, ließ sich als Zahnarzt in Gangelt nieder. Zu der Zeit, als es im Dentistenstuhl noch keine Betäubungsspritzen gab, lernte er natürlich seine Patienten von einer ganz besonderen, ruhigen, ehrfürchtigen Seite kennen. Man sah ihn immer wieder im Gangelter Bruch, in der Heide, in den Mooren von Schalbruch. Hier entstanden wohl seine einzigartigen Landschaftsbeschreibungen in Reimform und Mundart.

Schwatzen und Schimpfen

Mundart hieß für den frommen Mann, den Leuten „aufs Maul“ schauen. Zuhören, wenn sie schwatzten, wenn sie schimpften, einfach erzählten oder mit Schmerzen die Zange in ihren Mund fahren sahen. Einschneidend, so wird in den Aufzeichnungen von Wilhelm Bodens festgehalten, seien wohl die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges und speziell die Evakuierung mit seinen Gangelter Landsleuten nach Vught ins Internierungslager gewesen.

Wieder einmal von der Heimat getrennt, Leid, Grauen und Vertreibung im Hinterkopf, entstanden Gedichte und Ferse, in denen er sich vor Liebe und Sehnsucht nach seinem Landstrich verzehrt. So sind viele der Ferse aus dieser Zeit erst viel später, nach ihrer ersten Veröffentlichung in den 1960er Jahren, für die älteren Bürger, für die, die den Selfkant und Gangelt in Richtung Vught verlassen mussten, zum Ausdruck ihrer eigenen Gefühle und Gedanken geworden.

Im Liedtext geadelt

Dass bei aller Tragik auch der Humor nicht zu kurz kommt, zeigt sich in vielen Versen; speziell in Werken wie „Pastuer sein Fööt“. 1956 entstand dann eines seiner bekanntesten Gedichte, das vom Chordirektor Franz Janssen als Liedtext geadelt wurde. „Selfkantland“ heißt es, und Staas erfasst in acht Zeilen seine ganze Liebe zur Heimat.

Einen anderen Wertekanon bei den Staas-Gedichten pflegt die Gangelter Stadtführerin Monika Tholen. Sie baut in ihre Touren immer wieder die Gedichte ein, die zu ihren Führungen passen, und weiß sie meisterhaft in Mundart vorzutragen. Dabei steht dann immer wieder St. Nikolaus im Mittelpunkt. Bei „Onger de Huhmes“ (beim Hochamt) steht für Monika Tholen der Blickwinkel des Schreibers fest: „Das muss er mit Blick vom Tor des Conzen-Hofes geschrieben haben.“

Sie streut auf ihren Runden „Enn de Bimmelbahn“, die ja auch einmal bis Gangelt fuhr, ein, singt dem Heinsberger Tor mit „Die aue Stadtpoort“ ein Loblied und kann von Menschen mit Tränen in den Augen berichten, wenn die eindrucksvollen Verse von „Stoßgebäed“ vorgetragen werden. In Antiquariaten ist sein „Lob des Selfkants“ noch erhältlich.

Bei ihren Runden streift Monika Tholen immer wieder das ehemalige Wohn- und Praxishaus der Familie Staas am Beginn der Sittarder Straße. Das markante weiße Haus befindet sich in keinem guten Zustand. Nur eine kleine Messingplakette erinnert an den Mann, der kein anderer in den vergangenen 100 Jahren Gangelt und dem Selfkant, vor allem aber den Menschen ein Denkmal gesetzt hat.

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