Springsteen-Coverband: Tolle Show und Star-Allüren

Von: Stefan Reiners
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„Bosstime“, die Bruce-Springsteen-Tribute-Band um Sänger Thomas Heinen, lieferte in der Rockfabrik eine gute Show und begeisterte das Publikum. Lediglich Sänger Thomas Heinen war nicht ganz zufrieden mit dem Verlauf des Abends. Foto: Stefan Reiners

Übach-Palenberg. „What time is it ? It‘s Bosstime“: So hieß in der Rockfabrik in Übach-Palenberg, wo Songs von Bruce Springsteen – in Fachkreisen kurz „The Boss“ oder auch „the hardest workin’ man in Rock’n’Roll Business“ genannt – gespielt wurden. Präsentiert wurden diese Songs von der laut Ankündigung „unumstritten gefragtesten Springsteen-Tribute-Band“, eben „Bosstime“, aus Köln.

Das war auch keineswegs zu viel versprochen. Denn vorweg gesagt: Es war ein musikalisch rundum gelungener Abend und Ohrenschmaus für die erschienenen Fans. Satter, perfekt abgemischter Sound, druckvoll aber nicht zu laut, mit kompetenten Musikern, die lieben, was sie tun, und in ihrer Musik aufgehen.

Eingängige Riffs

Doch es waren nicht nur Springsteen-Hits, sondern auch Werke seiner Begleitung „The E-Street Band“ zu hören. In klassischer E-Street-Besetzung (Schlagzeug, Bass, Keyboard, drei Gitarren, Saxophon) transportierten die Musiker die von eingängigen Riffs gekennzeichnete, einfache und auf das Wesentliche beschränkte Musik Springsteens eins zu eins wie das Original.

Allein Frontmann Thomas Heinen hatte wohl nicht seinen besten Abend, wenn auch nicht musikalisch – sein Gesang gleicht dem seines großen Vorbilds bis zur Perfektion, und dass die Stimme gegen Ende des Konzerts langsam den Dienst zu verweigern drohte, schadete überhaupt nicht. Der Gesang war trotzdem hundert Prozent Rock‘n Roll und passte zur mitreißenden Musik.

Etwas zu ernst genommen?

Aber man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der ehemalige Handwerker, der nach seinen eigenen Worten „seinen Traum lebt“, indem er jetzt hauptberuflich singt und Gitarre spielt und so dem Publikum die Songs seines großen Idols und Vorbilds näher bringen will, die Sache etwas zu ernst nimmt.

Positiv ausgedrückt, war er von Anfang an ganz bei der Sache und stürzte sich ohne Warmlaufen mit Vollgas ins Getümmel. Das Publikum bestand aber erwartungsgemäß zum allergrößten Teil aus der gröbsten Jugend entwachsenen Fans, die nicht schon vorgeglüht hatten, sondern die Musik einfach nur sichtlich genossen, ohne ständigzuklatschen, zu tanzen und mit zu singen. Wohlgemerkt: auch das gab es alles im Laufe des Abends noch, allerdings nicht vom Start weg.

Unwohlsein des Künstlers

Vielleicht ging es dem nach eigenen Angaben gerne sehr interaktiv agierenden Sänger und Gitarristen einfach nicht schnell genug zum Siedepunkt. Auch war es ihm während der gesprochenen Überleitungen innerhalb des sich unterhaltenden Publikums zu laut, was er zunächst noch feixend, später deutlicher, auch immer wieder kundtat.

Seinen Höhepunkt fand dieses spürbare Unwohlsein des Künstlers vor der minutenlang geforderten Zugabe nach dem offiziellen Ende. Es sollte „No surrender“ folgen, und zwar in einer wunderschönen akustischen Version, die ganz offensichtlich eine besondere persönliche Bedeutung für den Bandleader hat.

Als er endlich doch noch erschien und während seiner Ansprache erneut nicht die angemessene Ruhe vorfand, hatte es bald den Anschein, als würde er tatsächlich abbrechen wollen. Anschließend bekamen erneut die „Schwätzer“ ebenso ihr persönliches Fett weg, wie der hauseigene Beleuchter.

Eigentlich ein guter Job

Man muss sagen: leider! Denn sowohl der Techniker als auch das Publikum machten eigentlich einen guten Job: Es waren gerade die Feierlaunigen, die schon bei den ersten Klängen der Mundharmonika von „The River“ steil gingen und lautstark den aus einem markanten „Wohoho“ bestehenden Chor von „Badlands“ skandierten oder gar ganze Texte sicher und ausdauernd mitsangen.

Das Konzert wurde in seinem Verlauf dank guter Songauswahl, sicherer Show und perfekter musikalischer Darbietung zur echten Party und hatte die offen geäußerte Unzufriedenheit nicht verdient. Auch wenn er selber konstatierte, er hielte sich nicht für den „Boss“ machte es doch deutlich den Eindruck, er habe vergessen, dass die Leute nicht wegen Thomas Heinen, sondern wegen Bruce Springsteen in die Rockfabrik gekommen waren.

An dessen Lippen hätten sicherlich auch alle geklebt.

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