SPD-Pläne: Aufregung hält sich in Grenzen

Von: Jan Mönch und Udo Stüßer
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Weil längst nicht mehr jedes Kind einer christlichen (oder überhaupt einer) Konfession angehört, werden Bekenntnisschulen von weiten Teilen der NRW-SPD als Anachronismus betrachtet. In jedem Fall sind sie spezieller, als es dem Rheinländer erscheinen mag. Denn Niedersachsen und NRW sind die einzigen Länder mit Bekenntnisschulen in öffentlicher Trägerschaft. Foto: stock/Science Photo Library

Geilenkirchen. Es klingt nach einer Zäsur. Oder geht es doch im Grunde nur um eine einfache Namensänderung? Dieser Eindruck entsteht, wenn man sich bei den Leitern der Katholischen Grundschulen zu den Plänen der Landes-SPD umhört.

So wird beim Landesparteitag in Köln am Samstag darüber debattiert, ob die Umwandlung katholischer und evangelischer Bekenntnisgrundschulen in Gemeinschaftsgrundschulen (GGS) nicht deutlich vereinfacht werden sollte. So sollen Eltern beispielsweise mit einer einfachen Abstimmungsmehrheit die Umwandlung in eine GGS erwirken können. In Orten und Stadtteilen, wo es lediglich eine Bekenntnisschule, aber keine GGS gibt, soll dies sogar ohne Abstimmung möglich sein.

Bekenntnisschulen, heißt es in den Anträgen verschiedener SPD-Verbände, seien „anachronistisch“ und förderten „in Zeiten der Toleranz und Integration Unterscheidung und Diskriminierung“. In den Reihen des grünen Koalitionspartners ist man offenbar weitgehend ähnlicher Ansicht. Die Regelungen sollen nach Willen der Kritiker von Bekenntnisschulen bereits zum kommenden Schuljahr in Kraft treten.

KGS Teveren: Rektorin Monika Lichtenberg begrüßt die vereinfachte Umwandlung, da sie Konfessionsschulen für einen „Anachronismus“ hält. „Wir beschulen Kinder aller christlichen Konfessionen, aber auch konfessionslose und muslimische Schüler. Wir erziehen alle unsere 93 Kinder auf der Basis christlicher Werte. Es erscheint mir sinnvoll, dass sich alle Kinder an dieser Schule wiederfinden und gut aufgehoben fühlen“, sagt sie. Auch die Konfession des Lehrers dürfe keine Rolle spielen. „Entscheidend muss die pädagogische Qualifikation sein.“ Für die KGS Teveren würde sich durch eine Umwandlung bei der religiösen Werteerziehung nichts ändern, katholischer Religionsunterricht würde wie bisher erteilt.

KGS Immendorf: Für Rektorin Anneliese Jaeger ist eine Umwandlung kein Thema. Rund 120 Kinder werden bei ihr unterrichtet: Christen, Muslime und Konfessionslose. Deshalb, so sagt sie, sei eine Umwandlung nicht erforderlich. „Bei der Anmeldung müssen die Eltern mit den katholischen Erziehungszielen einverstanden sein. Aber es wird kein Schüler dazu gezwungen, am Religionsunterricht teilzunehmen. Dass jemand diesem fernbleibt, kommt trotzdem nur selten vor. “

KGS Geilenkirchen: Rektor Dr. Paul Thomas Mohr sieht in der Umwandlung besonders dann einen Sinn, wenn es um die Einstellung von Lehrern oder um die Besetzung der Schulleiterstelle geht. Der Bewerber für eine Stelle an einer katholischen Schule beispielsweise müsse katholisch sein. „Deshalb sind in manchen Kommunen die Stellen an Bekenntnisschulen schwerer zu besetzen als an Gemeinschaftsgrundschulen“, erklärt er. Derzeit könnten laut Schulgesetz zwei Drittel der Eltern eine Umwandlung erreichen. Teile der NRW-SPD würden nun anstreben, dass eine einfache Mehrheit der Eltern diesen Beschluss herbeiführen könnte. An seiner Schule gebe es ein solches Lehrer-Problem allerdings nicht. Und von seinen 325 Schülern seien lediglich 191 katholisch. Alle anderen seien ohne Konfession oder andersgläubig.

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