SPD ein müder Haufen? Eggert tritt aus!

Von: Udo Stüßer
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Uwe Eggert wäre gerne zweiter stellvertretender Bürgermeister geworden. Seine Parteifreunde haben anders entschieden. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Uwe Eggert, Ehrenringträger der Stadt Geilenkirchen und ein Urgestein der SPD, hat nach 39-jähriger Mitgliedschaft seinen Parteiaustritt erklärt. Er ist verärgert über den Umgang miteinander in der Partei und über „weitgehende Untätigkeit“, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.

Seinen Entschluss hat der 58-Jährige „schweren Herzens“ und nach reiflicher Überlegung dem Geilenkirchener SPD-Parteichef Stefan Mesaros per Mail mitgeteilt. Auch Eggerts Tochter Lea (24) gibt ihr rotes Parteibuch zurück. Uwe Eggert ist seit den Kommunalwahlen im Mai nicht mehr Ratsmitglied, allerdings sitzt er als sachkundiger Bürger für die SPD im Bauausschuss. Von dieser Position wird er für die SPD zurücktreten, sie aber als Parteiloser für die Grünen nahtlos wieder einnehmen. In nächster Zeit will er sich mit den Grünen näher beschäftigen und entscheiden, ob er hier Mitglied wird.

Motiviert zurück

Uwe Eggert, im sprichwörtlichen Sinn mit Wurmwasser getauft, war seit 1975 SPD-Mitglied. Juso-Vorsitzender, stellvertretender Unterbezirksvorsitzender der Jusos, Vorsitzender des SPD-Distriktes Geilenkirchen-Mitte, Ortsvereinsvorsitzender sind nur einige Positionen, die er bekleidet hat. 30 Jahre saß Eggert für die SPD im Stadtrat, 22 Jahre war er Vorsitzender verschiedener Ausschüsse und zehn Jahre erster oder zweiter stellvertretender Bürgermeister. Es gibt wohl kaum einen Genossen in Geilenkirchen, der auf einen solchen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann.

„Ich liebe die Stadt und die Menschen in dieser Stadt. Ich hätte die Arbeit auch gerne noch zehn Jahre weitergemacht“, sagt Eggert. Seine Genossen dachten aber anders: „Die SPD hat mich nach längerer Krankheit in die dritte Reihe gestellt“, macht er seiner Enttäuschung Luft. Sicherlich, so gesteht Eggert, habe er in den Jahren 2012/2013 krankheitsbedingt weniger leisten können. „Das waren dann wirklich vielleicht nur 70 Prozent“, erklärt er. Anfang des Jahres habe er sich aber noch motivierter als früher bei seinen Parteifreunden gesund zurückgemeldet.

„Ich war wieder voll da. Ich war hochmotiviert, den politischen Gegner anzugreifen.“ Doch seine Parteifreunde hatten bereits anders entschieden: Die SPD, die vor den Wahlen sieben Ratsmandate innehatte, setzte Eggert auf Platz neun. Später rückte er auf Platz acht vor. Mit Platz neun war ein Ratsmandat nahezu ausgeschlossen. Auch nach den Kommunalwahlen nahm die SPD wieder sieben Sitze ein. „Wir haben das schlechteste Wahlergebnis seit der kommunalen Neugliederung im Jahre 1971 erreicht. Die Linke hingegen hat ein Mandat, die CDU sogar zwei Mandate dazugeholt“, ärgert sich Eggert über einen Wahlkampf, „bei dem die Stoßrichtung nicht stimmte“. „Der Grüne Jürgen Benden war der Gegner der SPD. Die SPD hat sich nicht auf die Konservativen und noch nicht einmal auf die Grünen allgemein, sondern größtenteils auf Jürgen Benden konzentriert. Dieser Schuss ist nach hinten losgegangen“, erklärt Eggert, der aufgrund des schlechten Listenplatzes nach 30 Jahren aus dem Stadtrat ausscheiden musste.

Damit war auch der Weg frei für die Neubesetzung des zweiten stellvertretenden Bürgemeisters. Den ersten stellvertretenden Bürgermeister besetzte die CDU mit Leonhard Kuhn. „Unser bisheriger Fraktionsvorsitzender Horst-Eberhard Hoffmann hat seinen Wahlkampf so ausgerichtet, dass seine Frau Karin den Bürgermeister-Posten bekommt“, übt Eggert Kritik. Und Parteichef Stefan Mesaros habe es versäumt, vor der Listenerstellung ein klärendes Gespräch mit ihm zu führen.

Als man auf der Suche nach einem Fraktionsgeschäftsführer gewesen sei, habe man sogar einen Fremden eingestellt, der über sich selbst gesagt habe, er müsse noch viel lernen. „Aufgrund meiner Erfahrung glaube ich, dass ich ein guter Fraktionsgeschäftsführer gewesen wäre. Ich kenne die SPD und die Verwaltung in- und auswendig. Und der Neue war noch nicht mal in der SPD, sondern ist erst später eingetreten.“

„Der Bürgermeister war es auch, der mich als Ehrenringträger der Stadt vorgeschlagen hat, es war nicht die SPD.“ Die Arbeit der Geilenkirchener SPD bezeichnet Eggert als „nicht zielbringend“. In den vergangenen zwei Jahren sei die Publikation „Ins Schwarze“ nur einmal notdürftig herausgegeben worden. „Früher haben wir damit den Bürger zweimal im Jahr informiert“, blickt Eggert zurück. Eine von ihm vor seiner Krankheit geplante und eingeleitete Ausstellung zum Thema Ausländerfeindlichkeit habe bis heute nicht stattgefunden. Seit der Kommunalwahl habe es keine Öffentlichkeitsarbeit mehr gegeben. „Außer in Bauchem, dort hat man bei einem Bürgerfest Zuckerwatte verteilt.“ Eggert stellt fest: „Die SPD-Fraktion macht pflichtgemäß ihre Arbeit, die SPD Geilenkirchen findet in der Öffentlichkeit nicht statt.“ Weiter sagt Eggert: „Die SPD erweckt den Anschein, ein müder Haufen zu sein. Ich hingegen möchte etwas für meine Stadt tun. Nach Gesprächen mit der Familie und guten Freunden bin ich deshalb zu dem schweren Entschluss gekommen, diese Partei zu verlassen.“

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