Spannende Diskussion über den Euro in Schloss Zweibrüggen

Von: Thorsten Pracht
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Das Publikum setzte sich auch aus regionalen Vertretern aus Politik, Verwaltung und Finanzwesen zusammen. Es wurde Zeuge einer spannenden Diskussion, wenngleich der große Schlagabtausch ausblieb. Grund hierfür war auch die Absage des linken Europa-Abgeordneten Fabio De Masi, dem der Part des Euro-Skeptikers zugedacht gewesen war. Foto: Markus Bienwald
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Betrachtet die „Infektionsgefahr“ dank der Rettungsschirme als weitgehend gebannt: Michael Breuer. Foto: Markus Bienwald
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Dr. Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, führte als Moderator durch den Abend. Foto: Markus Bienwald
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Ist von der Währungsunion nach wie vor überzeugt: Norbert Walter-Borjans. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Stammzuschauern von Frank Plasberg, Günther Jauch und Maybrit Illner dürfte die Frage bekannt vorkommen. „Ist der Euro noch zu retten?“ hieß es am Montagabend auf Schloss Zweibrüggen. Der sogenannte Eurolog im schmucken Kulturzentrum hat sich mit seiner dritten Ausgabe zum festen Bestandteil des Rahmenprogramms zum Internationalen Karlspreis gemausert.

Moderator Dr. Jürgen Linden, Vorsitzender des Karlspreisdirektoriums, begrüßte dabei Gäste auf dem Podium, die auch Jauch & Co gut zu Gesicht stehen würden. Norbert Walter-Borjans (SPD), Finanzminister des Landes Nordrhein-Westfalen, nahm neben dem Präsidenten des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes (RSGV) Michael Breuer Platz. Die Rolle des Euro-Skeptikers war in der Dramaturgie für den Europa-Abgeordneten Fabio De Masi vorgesehen. Weil der Linken-Politiker (Linden: „Er sollte Feuer in die Diskussion bringen“) kurzfristig absagte, blieb der große Schlagabtausch aus.

Spannend war die Diskussion im rappelvollen Saal nach der Begrüßung durch Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch und einer Ansprache der Europa-Abgeordneten Sabine Verheyen (beide CDU) allemal. Die positiven Seiten der aktuellen „Fast-Null-Zins-Phase“ hatte Breuer schnell zusammengefasst: Preiswerte Staatskredite, starke Konjunktur, hohe Steuereinnahmen.

Des Politikers Freud ist des Bankers Leid: „Wir haben in Deutschland kräftige Nebenwirkungen zu spüren“, sagte Breuer. Betroffen seien Sparer, Lebensversicherungen und Betriebsrenten. „Das ist nicht verträglich“, stellte Breuer fest und identifizierte prompt den Schuldigen. „Die Europäische Zentralbank ist einer der Haupttreiber dieser Situation. Ich habe den Eindruck, dass Mario Draghi mit seinem Latein am Ende ist.“

Schon wird in Zweibrüggen die globale Finanzwelt diskutiert, in der es die gute, alte D-Mark wohl schwer gehabt hätte. „Das Schiffchen D-Mark wäre kleiner geworden, der große Währungs-Ozean dagegen viel größer“, versuchte sich der Finanzminister an einer Einordnung. Und überhaupt: Wer im Grenzraum wohne, wisse doch viel eher zu schätzen, dass der Euro viel mehr sei als „eine trockene Verrechnungseinheit“.

Nun führt eine jede Diskussion über den Euro in diesen Zeiten leider schnell nach Griechenland. Die „Infektionsgefahr“ (Breuer) sei durch die Rettungsschirme inzwischen weitgehend gebannt, da waren sich beide einig. „Die Garantien sichern in erster Linie Anlagen in griechische Staatsanleihen ab – davon hat der griechische Rentner gar nichts“, erklärte Walter-Borjans.

Also doch die Reformen, die immer eingefordert werden? „Griechenland hat eine katastrophale Finanzverwaltung“, stellte der Finanzminister fest. Überlegungen, wie Deutschland bei der Ausbildung helfen könne, gebe es bereits. Breuer stimmte zu, man müsse in Griechenland unbedingt in die Glaubwürdigkeit von Staat und Verwaltung investieren.

„Wenn man wie ich der Auffassung ist, dass Griechenland zehn Jahre in die falsche Richtung gelaufen ist, dann kann man das nicht in zehn Monaten umdrehen“, mahnte der RSGV-Präsident, der – ein wenig überraschend – eine Lanze für die Regierung Tsipras brach. „Dort wurden die Stellschrauben so hart gedreht, dass es zu Schmerzen beim Volk geführt hat. Die Folge war der Regierungswechsel. In unserer Demokratie wäre das wohl nicht anders gewesen.“

Die Frage, ob der Euro zu retten ist, war zu diesem Zeitpunkt längst mit Ja beantwortet. Ausstieg Griechenlands? „Eine Diskussion für den Stammtisch“, fand Walter-Borjans. Breuer spannte den Bogen wieder zur großen europäischen Aufgabe. Nach der gemeinsamen Währung müsse es bald auch eine gemeinsame Wirtschafts-, Haushalts- und Sozialpolitik geben. „Da sind wir noch nicht weiter gekommen. So lange das so ist, wird es Fälle wie Griechenland immer geben.“

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