„Spätstarter gesucht“: Ende des Dauerlaufs durch Aushilfsjobs

Von: Markus Bienwald
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Endlich ein Platz in der Arbeitswelt: Nina Pinna hat ihren Traumberuf im Lager der Textilmaschinenbaufirma Schlafhorst.Saurer gefunden. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Es gibt mindestens einen bei der Firma Schlafhorst.Saurer, der auf Nina Pinna besonders stolz ist. „Mein Papa“, sagt die 28-Jährige, „denn der ist schon seit 30 Jahren hier und ist ganz stolz darauf, dass ich nun auch mit einer abgeschlossenen Ausbildung hier arbeite“. Dabei war die junge Frau eigentlich schon drauf und dran, die Flinte ins Korn zu werfen.

Die Friseurausbildung musste sie wegen Allergien abbrechen, was danach kam, mutet an wie ein Dauerlauf durch Aushilfs- und Gelegenheitsjobs. Dabei hatte sich Pinna immer schon für die Arbeit im Lager interessiert. Auch heute noch ist das eine männlich dominierte Abteilung, in der sich eine junge Frau erst einmal durchsetzen muss.

Raue, aber herzliche Umgebung

„Natürlich haben die Kollegen am Anfang ein wenig geguckt, als ich bei Schlafhorst im Lager meine Ausbildung angefangen habe“, erinnert sie sich zurück. Doch schnell war klar, dass Pinna nicht nur schlagfertig ist, sondern sich in dieser gerne mal auch rauen, aber immer herzlichen Umgebung bestens behaupten kann. „Ich wollte von Anfang an nicht die kleinen Pakete, sondern immer die großen Sachen machen“, sagt sie. Groß war natürlich auch die Anstrengung, die seitens des ausbildenden Betriebes gemacht werden musste. „Wir haben sie auf Kosten von Schlafhorst ausgebildet“, sagt der dortige Ausbildungsleiter Thomas Kalitzki.

Das geht natürlich nicht einfach so, ohne zu wissen, was von der Dame zu erwarten ist. So gab es vorab ein Praktikum, dann eine Verlängerung der Tätigkeit, und schließlich die gemeinsame Idee, die Ausbildung nachzuholen. „Das passte zum Programm ‚Spätstarter gesucht‘ der Agentur für Arbeit, das junge Menschen zwischen 25 und 35 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung anspricht“, erläutert Kalitzki.

Pinna passte perfekt ins „Beuteschema“, brachte sie doch die grundlegende Bereitschaft zu einer Ausbildung auch im Erwachsenenalter mit, und zeigte sich so talentiert bei der Arbeit, dass ihr Abteilungsleiter Frank Broskvar gleich begeistert war. „Sie passt super ins Team“, sagt er. Aufgrund ihrer Vorkenntnisse wurde die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik, wie ihr Beruf offiziell heißt, sogar auf nur ein Jahr verkürzt. In dieser kurzen Zeit ist sie eine wertvolle Stütze in der Abteilung geworden. Die Frau hat ihren Mann gestanden.

Ehrung der Besten

„Die Jungs respektieren sie und wissen, dass sie es draufhat“, sagt Frank Broskvar. Das Lob aus berufenem Munde war aber nicht die einzige Ehrung, die Pinna nach Abschluss ihrer Ausbildung erfahren hat. „Sie hat eine so gute Prüfung absolviert, dass sie bei der Ehrung der Besten noch mal extra ausgezeichnet wurde“, freut sich Thomas Kalitzki. Und dass sie ihre Arbeit mag, sieht man nicht nur, wenn man mit ihr darüber spricht, und ihre dunklen Augen funkeln. „Sie hat richtig Spaß an der Arbeit, das merkt man sofort“, unterstreicht Kalitzki, wie sehr die Arbeit Pinna erfüllt.

Und für Pinna, die von sich sagt, dass sie arbeitsmäßig endlich an einem festen Platz angekommen ist, zählt nicht nur der Job, an dem sie Freude hat, sondern auch der Stolz auf das Erreichte. „Und natürlich ist es auch schön zu sehen, dass mein Papa so stolz ist“, sagt sie und lächelt.

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