Sonderschicht im „Backes“ für die Übach-Palenberger Tafel

Von: Markus Bienwald
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Hier geht alles Hand in Hand: Mit Akribie folgen die fleißigen Helferinnen Christa Moy, Gisela Kraus, Birgit Laufs, Helga Neyzen und Gerda Kleinjans (v.l.) im Backes einem peniblen Zeitplan – nur so können sie hunderte frische Streuselbrötchen für die Tafel herstellen. Foto: Markus Bienwald
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Ohne sie geht es nicht: Die Heizer Harry Moy (l.) und Ludwig Steigenberger sorgen für die richtige Temperatur im Backofen.

Übach-Palenberg. „Man nehme…“: So beginnen doch in den meisten Büchern irgendwelche Rezeptvorschläge. Meistens ist da auch etwas dabei, was Kochen oder Backen ein wenig schneller werden lässt, als es ursprüngliche Rezepte früher mal vorgesehen haben.

Doch damit braucht man Gerda Kleinjans nicht kommen. „Bei uns wird alles nur mit natürlichen Zutaten gebacken, da kommen keine Geschmacksverstärker oder so etwas rein“, sagt die Frau vom „Backes“ in Windhausen.

Mit diesem knackigen wie vielsagenden Titel darf sich schon seit dem Jahr 1986 das innen wie außen schön rustikale Backhaus des Dorfes schmücken. Seit einigen Jahren findet dort leider kein Backesfest mehr statt. Dass es dadurch aber ein wenig ruhiger geworden ist, kann zumindest bei unserem Besuch keiner behaupten.

Penibler Zeitplan

Denn die Damen, die hier offensichtlich das Zepter schwingen, sind fleißig dabei, nicht nur ein paar Neuigkeiten auszutauschen, sondern sich mit Akribie, einem peniblen Zeitplan und noch mehr Liebe einer ganzen Wagenladung süßer Brötchen zu widmen.

„Backmischungen gibt es bei uns nicht, junger Mann“, sagt Gerda Kleinjans mit fester Stimme. Mit fröhlichen und lebendigen Augen erzählt sie die Geschichte von den Backwaren, die hier fünf bis sechs Mal im Jahr das kleine Haus im Zentrum des Ortes verlassen.

Von Schwarzbrot, so köstlich wie nie, ist da die Rede, von Fläden, die ihresgleichen suchen und vor allem auch von den Brötchen, die wirklich weggehen wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln.

Nachhaltig Backen

„Wenn wir Brötchen backen, sind die gleich alle weg“, weiß Gerda Kleinjans. Und das wird auch an diesem Tag nicht anders sein, denn 250 der frischen, warmen Rundlinge backten die Damen heute alleine für die Kunden und auch die Mitarbeiter der Übach-Palenberger Tafel. „Warum sollen wir nicht auch mal ein gutes Werk tun?“, fragt Gerda in die gesellige Runde. Die anderen Damen nicken nicht nur, sondern sind übrigens gerade dabei, herrlich luftige Streusel in die noch jungfräulichen, ungebackenen Brötchenlaibchen zu drücken.

„Die sind vom letzten Fladenmachen übrig“, so Gerda Kleinjans weiter. „Die habe ich eingefroren und werden nun zur besonderen Zutat der Brötchen.“ Nachhaltig ist also das, was in Windhausen gebacken wird, frei von Zusatzstoffen. Und dazu auch noch lecker.

Fehlt da nicht was? „Ohne uns läuft nix“, wirft in diesem Moment Harry Moy ein.

Und er hat nicht Unrecht, denn ohne die Hilfe ihrer Heizer sind auch die besten Windhausener Backdamen völlig aufgeschmissen. „Der Ofen muss am Abend vor dem Backen ordentlich vorgeheizt werden“, so Moy weiter. Und sein Heizer-Kollege Ludwig Steigenberger ergänzt, dass der Ofen über Nacht durch die dicke Sandschicht, unter der er wohnen darf, zwar die Hitze hält. „Aber morgens müssen wir wieder Holz nachlegen, etwas weniger, wenn Brötchen gebacken werden, und etwas mehr, wenn Schwarzbrot ansteht“, so Steigenberger. Das mit dem „mehr“ oder „weniger“ liegt natürlich an der nötigen Backtemperatur, die beim vollen Korn einfach höher sein muss, auch, weil dann die Kruste extra lecker wird.

Aber Heizen ist nicht alles, was im „Backes“ und rund um das urtümliche Haus auf dem großen Gelände passieren muss, damit drinnen auch ordentlich gebacken werden kann. Da muss der Rasen gestutzt werden, das Haus wird sauber und in Schuss gehalten und das Holz wird – auch hier arbeiten die Damen und Herren nach dem Öko-Prinzip – vor allem aus dem Obstbaumschnitt der Nachbarschaft und näheren Umgebung nachgeholt und lagert zwei Jahre, bis es dem aus rein bürgerschaftlichen Engagement gewachsenen Backwerk seine unvergleichliche Note gibt.

„Hier, riechen Sie mal“, lädt Gerda Kleinjans ein. Das Ganze auch geschmacklich in Worte zu fassen, lässt sich am besten noch mit „überragend“ und „unglaublich lecker“ bewerkstelligen.

Und es wird den Kunden wie Mitarbeitern der Tafel sicherlich so gut gemundet haben, wie es schon kurz nach dem Herausholen aus dem Ofen roch.

Eigentlich schade, dass hier nur in der Freizeit gebacken wird, denken sich sicherlich einige, die mal kosten durften.

Doch halt, nur sechs Mal im Jahr, und dann nur zwischen April und Oktober, wird der Steinofen im Backes angeheizt, da ist Gerda Kleinjans sicher. Jammern hilft da nix und vor allem auch nicht Lästern. „Denn wer lästert, der kriegt nix“, sagt die Freizeitbäckerin mit einem breiten Lächeln.

Aber das darf sicherlich auch so sein, denn schließlich hat jeder sein eigenes Rezept, um sich ein Stückchen Glück ins Herz zu holen. Und sei es nur über eine liebevoll gebackene Leckerei, die es nicht immer einfach so zu kaufen gibt.

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