Skatclubs: Ein Kartenspiel ohne Zukunft im Verein

Von: Laura Laermann
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Kartenspiel versus Smartphone: Mittlerweile gibt es viele digitale Angebote, darunter auch Skat-Apps. Für viele Hobby-Skatspieler bietet diese Möglichkeit deutlich mehr Flexibilität als der Beitritt zum Verein. Foto: Laura Laermann
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Peter Speel erinnert sich noch gut an seine Skatzeiten: 1980 holte er den Kreismeistertitel im Kreis Heinsberg.

Geilenkirchen. Seit zwei Jahren gibt es den Skatverein Gut Blatt Grothenrath nicht mehr. „Der Nachwuchs fehlte“, erklärt Peter Speel, der den Verein 1981 gründete. Ein großes Problem, das viele Skatvereine in Deutschland kennen. Während der Deutsche Skatverband 1993 noch 35.000 Mitglieder zählte, sind es heute nur noch 19.500.

Peter Speel erinnert sich noch gut an die Hochzeiten der Skatvereine. „In den Kneipen wurde abends immer Skat gespielt“, sagt Speel, der selbst rund 60 Jahre dabei war. Viele Titel hat er geholt sowohl im Einzel- als auch Mannschaftsspiel. „Die Region war im Skat bekannt.“ Und auch heute ist sie nicht unbedeutend in der deutschen Skatszene: Immer noch sind einige der hiesigen Vereine erfolgreich, treten mit ihren Mannschaften in der Regional- und Bundesliga an. Doch trotz des Erfolges scheinen nicht viele Jugendliche an Skat interessiert zu sein.

„Ich habe immer wieder versucht, die Jugend für den Skat zu gewinnen“, sagt Peter Speel. „Doch es ist schwierig, die jungen Menschen an einen Verein zu binden. Nach der Schule verlassen viele für ihr Studium ihre Heimatgemeinde. Das war früher anders.“ Der 70-Jährige hat von klein auf das Skatspielen gelernt. Es gehörte einfach schon immer dazu. Er weiß noch genau, wie die alten Männer früher in der Küche Skat spielten und er seinem Großvater über die Schultern gesehen hatte. Nur so hat er das Spiel gelernt. Bevor er selbst in der großen Runde mitspielen durfte, musste er sich erstmal im Zweier-Duell gegen seinen Großvater beweisen.

Auch heute gebe es noch viele stolze Skatspieler. Wer neu in die Runde dazu kommt, müsse auch schon mal mit dummen Sprüchen von langjährigen Spielern zurecht kommen. Speel sieht das kritisch, denn für viele Jugendliche sei es abschreckend und könnte ein Grund sein, sich gegen den Skat zu entscheiden.

Hinzu kommen die langen Spielzeiten bis in die späten Abendstunden. Für Berufstätige und Schüler, die am nächsten Tag wieder früh raus müssen, sind die Zeiten ungünstig, erklärt Hugo Erkens vom Skatverein Stahe-Niederbusch in Gangelt. Der Klub hat noch zehn aktive Mitglieder, Erkens ist mit 56 Jahren der Jüngste. Immer dienstags und freitags treffen sich die Spieler ab 19.30 Uhr. Üblicherweise werden dann zwei Serien mit 48 Spielen gespielt. „Dann geht es schon mal bis Mitternacht“, sagt Erkens. Seiner Meinung nach müsse man diese Zeiten anpassen, um auch jüngeren Menschen die Teilnahme zu ermöglichen. Doch die alteingesessenen Skatspieler würden sich gegen Veränderungen wehren – obwohl sie als Rentner oftmals zeitlich flexibler sind.

Um dieses Problem zu umgehen, hat Erkens längst versucht, einen Skat-Abend für Jugendliche ins Leben zu rufen. In Kooperation mit Schulen hat er Skat-AGs gegründet und sogar eine Jugendmeisterschaft auf die Beine gestellt. Doch all das hat nicht geholfen, um mehr Jugendliche in den Verein zu holen. „Die Interessen der Jugendlichen sind heute einfach anders als früher. Es gibt viel mehr Angebote von verschiedenen Vereinen. Hinzu kommen die Möglichkeiten, die das Internet bietet.“

Viele Menschen bevorzugen es scheinbar, Skat am Computer oder mit ihrem Smartphone zu spielen. So gibt es zum Beispiel eine Skat-App, die über 29.000 Mal heruntergeladen wurde. Und die Liste der angebotenen Apps ist lang. Die Vorteile liegen auf der Hand: Man kann spielen, wann, wo und wie lange man möchte, ist nicht an einen Verein gebunden, und es ist kostenlos. Der Nachteil: Man hat keinen direkten Gegner vor sich sitzen.

Das ist nicht für jeden etwas: Jannick Krampen vom Skatverein Kreutz Bube Kirchhoven bevorzugt das Spiel von Mann-zu-Mann. Dem 20-Jährigen gefällt die Wettkampf-Atmosphäre in der Kneipe. Zudem ist es für ihn ein zusätzlicher Anreiz, wenn es um einen Preis geht. Zwar muss jeder einen Einsatz zahlen, aber so könne man, wenn man den ersten Platz macht, auch schon mal 70 Euro gewinnen. Jannick Krampen ist mit Abstand das jüngste Mitglied seines Vereins. Doch das stört ihn nicht weiter. „Mir macht das Skatspielen einfach Spaß. Die Altersdifferenz ist für mich kein Problem.“

Er fühlt sich gut in den Verein integriert und hat auch schon versucht, Freunde zum Skat spielen zu bewegen. „Mit dem ein oder anderen habe ich schon mal in der Pause auf dem Schulhof gespielt. Doch für die meisten ist es nichts Dauerhaftes.“ Denn Skat beherrscht man nicht von heute auf morgen. Vor allem brauche man Geduld, sagt Jannick Krempen. Nicht nur beim Lernen des Kartenspiels, auch beim Spielen. Nur zu gut weiß er, wie lange sich zwei Serien mit 48 Spielen in die Länge ziehen können. „Der Abend ist dann dahin.“ Weshalb kaum jemand in seinem Alter Skat spielt, kann auch er nicht so recht erklären. Einige seiner Freunde spielen lieber stundenlang strategische Spiele am Computer und tauchen dort in andere Welten ab.

Für Peter Speel war diese andere Welt immer das Skatspiel. „Man muss sehr konzentriert sein, ein gutes Gedächtnis haben, rechnen können und schnell Schlüsse ziehen.“ Diese anspruchsvolle Mischung hat ihn immer schon gepackt. Auch wenn ihn dieser Gedanke nicht erfreut: Auf lange Sicht sieht er für den Skat keine Zukunft.

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