Singend und tanzend ist Integration ein Kinderspiel

Von: Renate Kolodzey
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Die Kindergarten- und Flüchtlingskinder mit ihren Müttern, den Kindergärtnerinnen sowie der Dolmetscherin Samina Saadi (l.) und der Leiterin Mechtild Hilgers (2.v.l.). Foto: Renate Kolodzey

Geilenkirchen-Lindern. Das war ein großer Tag für die Kleinen: Zum ersten Mal durften sie sich eine deutsche Kindertagesstätte von innen ansehen, was ihnen sichtliches Vergnügen bereitete. Etwas scheu, doch nicht ängstlich, zeigten sich die meisten, was sicher auch daran lag, dass sie von ihren Mamas begleiteten wurden.

Die Leiterin des katholischen Kindergartens St. Johann Baptist in Lindern, Mechtild Hilgers, erzählt: „In Lindern wohnen viele Flüchtlinge, die meisten aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, und es hat sich ein Verein namens ‚Ort der Begegnung Lindern‘ gebildet. Er hat uns gefragt, ob wir uns einbringen möchten, und mein Team und ich hatten die Idee, Flüchtlingsfamilien mit kleinen Kindern zur Besichtigung einzuladen, damit sie den Kindergarten kennenlernen können.“

Diese sechs Familien sprechen nur Arabisch und Farsi, eine persische Sprache, die Amtssprache im Iran sowie in Afghanistan und Tadschikistan ist. Daher sei die Verständigung schwierig, erklärt Hilgers. Zum Glück habe sich Samina Saadi, eine Architektin aus Marokko, die seit 23 Jahren in Deutschland lebt und mit einem Deutschen verheiratet ist, bereit erklärt, bei dem Besuch der Familien zu übersetzen, was eine große Hilfe sei. Im Kindergarten werden unter anderem Kurse „Deutsch lernen für Flüchtlingskinder“ angeboten, wofür schon erste Anmeldungen vorliegen, wie Hilgers weiß. Eine Mitarbeiterin vom „Ort der Begegnung Lindern“ biete diese Kurse ab sofort an. Kindergärtnerin Sandra Scheuren erzählt, dass zwei indische Kinder in der Einrichtung sind, die kein Wort Deutsch konnten, als sie kamen, und sich jetzt perfekt ausdrücken könnten.

„Wir haben vorher mit den Kindern, die schon bei uns sind, das Thema ‚Flüchtlingskinder‘ besprochen, damit sie nicht unvorbereitet sind, wenn der Besuch kommt“, erklärt Hilgers. Als es soweit war, gab es daher keine Berührungsängste, und die Kindergartenkinder gingen offen auf die Fremden zu und spielten zusammen, während sich deren Mütter die Einrichtung genauer ansahen. Die Kindergärtnerinnen unterstützten das Miteinander durch Spiele und rhythmische Lieder, wobei auch die Flüchtlingskinder bald mitklatschten und sich zu „Ei, wie ist das Tanzen fein, von einem auf das andre Bein“ in den Kreis wagten, um sich im Takt zu drehen.

Auf das Leben vorbereiten

Auch übten die Mitarbeiter spielerisch, sich einander mit Namen vorzustellen: „Ich bin die Rama, und alle zusammen sind wir.“ Eins der Flüchtlingskinder sagte später sogar schon „Hallo!“

Nach dem Besuch waren alle hochzufrieden, und die Leiterin freute sich: „Alle haben sich wohlgefühlt, und die Erwachsenen schauen sich Sachen von den Kleinen ab und trauen sich dann auch mehr. Mein wichtigstes Ziel in unserer Einrichtung ist, die Kinder auf die Herausforderungen des Lebens vorzubereiten.“

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