Gangelt - Siegfried Brock ist Gangelts Behindertenbeauftragter

Siegfried Brock ist Gangelts Behindertenbeauftragter

Von: Jan Mönch
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Siegfried Brock lebt mitten in Gangelt, gleich im Schatten der historischen Stadtmauer. Doch auch die Dörfer kennt er als Einheimischer gut. Foto: Jan Mönch

Gangelt. Wer in den nächsten Tagen vorhat, Siegfried Brock zu Hause in Gangelt zu besuchen, der wird ihn möglicherweise beim Fernsehen antreffen. Brock ist durch und durch sportbegeistert, und falls die Einschaltquoten während Olympia in Rio unter den Erwartungen bleiben sollten, wird es an ihm nicht liegen.

„Olympia ist geil“, sagt er – und schaltet den Fernseher dann doch aus. Er möchte ja von seiner neuen Aufgabe als Behindertenbeauftragter der Gemeinde Gangelt berichten.

Das Ehrenamt hat Brock auf Vorschlag der Fraktion der Freien Wähler erhalten. Dabei ist er selbst seit Jahrzehnten SPD-Mitglied. Dass das keine große Rolle spielen wird, verrät aber auch die Abstimmung zu der Personalie: Die Gemeindeverordneten wählten ihn einstimmig. „Das war natürlich ein schönes Signal für mich“, sagt Brock. Nun müsse er sich mit Gesetzestexten auseinandersetzen, auch der Lokale Teilhabekreis habe ihn schon eingeladen. „Ansonsten lasse ich jetzt alles auf mich zukommen.“

Auch Brock selbst lebt seit vielen Jahren mit einer Behinderung. Ende der 70er wurde eine Erkrankung der Wirbelsäule bei ihm diagnostiziert. „Ich habe mich gegen die Krankheit gesträubt und gewehrt, aber irgendwann ist das kontraproduktiv. Man muss mit der Krankheit leben, nicht dagegen“, schildert Brock seine Erfahrungen. Gerade ihm als Sportler sei das natürlich schwergefallen. Andererseits half ihm der Sport, das Fortschreiten der Krankheit zumindest zu verzögern, besonders der Volleyball.

Dennoch: 1983 musste der gelernte Schlosser und Elektroniker vorzeitig in Rente gehen. Er kann zwar selbst laufen, aber nur sehr kurze Strecken, größere legt er mit einem Elektromobil zurück. Zu seinen Hobbys zählt die Malerei, wie eine Staffelei und zahlreiche Leinwände in seinem Wohnzimmer bezeugen, im Wildpark Gangelt verdient Brock sich auf 450-Euro-Basis etwas dazu. „Den ganzen Tag zu Hause zu sitzen, ist nichts für mich“, stellt er fest. Es läuft schließlich nicht immer Olympia im Fernsehen.

Dass Brock selbst in seiner Mobilität eingeschränkt ist, kann für seine neue Aufgabe ein großer Vorteil sein, das liegt auf der Hand. Er hat den Blick für das, was gesunden Menschen vielleicht nicht sofort auffällt. Andererseits bleibt eine Behinderung natürlich eine Behinderung: Wenn demnächst, nur als Beispiel, ein Anliegen aus Breberen an Brock herangetragen wird, dann kann er sich nicht mal eben ins Auto setzen und sich vor Ort ein Bild machen. Trotzdem wünscht sich der gebürtige Gangelter, der selbst im Ortskern im Schatten der alten Stadtmauer lebt, Hinweise gerade aus den Dörfern, denn die hat er in seinem Alltag weniger im Blick.

Insgesamt sieht Brock die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung in Gangelt als besser an als in vielen anderen Kommunen. Das habe sicherlich auch viel mit dem Krankenhaus zu tun. „Die Einheimischen hier sind an das Zusammenleben mit Menschen mit Behinderung gewöhnt, es gibt nicht so viele Vorurteile“, glaubt er. Andererseits gelte natürlich auch in Gangelt, dass es immer etwas zu verbessern gebe.

Als Beispiel fällt ihm gleich der überaus schmale Gehweg an der viel befahrenen Sittarder Straße im Bereich Ecke Wallstraße ein, der ja auch schon für Diskussionen im Stadtrat gesorgt hat. „Da bin ich selbst schon mal fast von einem Lkw auf die Straße gezogen worden.“ Und ein generelles Problem sei in Deutschland, dass viele öffentliche Toiletten nicht behindertengerecht seien. „Da gehören Schiebetüren und Alarmknopf rein“, sagt Brock. Viele Länder machten Deutschland da etwas vor, auch in Asien zum Beispiel, wo er jedes Jahr Urlaub macht.

Wer ein Anliegen an den neuen Behindertenbeauftragten herantragen möchte, kann dies telefonisch (Telefon 02454/2902) oder per Mail tun.

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