„Sieg Heil“: Staatsschutz ermittelt gegen Randalierer

Von: Jan Mönch
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Vor der Selfkantkaserne in Niederheid wurde am 10. Dezember ein Randalierer gemeldet. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Möglicherweise ist die Sache ganz einfach nur ziemlich peinlich, eine dem Suff geschuldete Dummheit. Um das herauszufinden, ermittelt im Anschluss an das, was sich am Morgen des 10. Dezember vergangenen Jahres vor der Selfkantkaserne in Geilenkirchen-Niederheid abgespielt hat, der Staatsschutz.

Das Ermittlungsverfahren gegen einen 38-Jährigen wurde eingeleitet, weil er des Verwendens von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen verdächtigt wird. Unsere Zeitung hat von dem Vorfall erst diese Woche durch einen Tipp aus der Bevölkerung erfahren. Die Polizei selbst machte ihn nie öffentlich.

Übereinstimmend geschildert

Der Staatsschutz ist eine Dienststelle der Aachener Polizeibehörde, man wird dort tätig in Fällen politisch motivierter Kriminalität. Dieser Anfangsverdacht besteht, weil an jenem Morgen um 7.25 Uhr ein Randalierer gemeldet wurde, der vor der Kaserne stand und „Soldaten sind Mörder“, „Amerika, verrecke!“, „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“ gebrüllt haben soll. Vor Ort trafen die Beamten den angetrunkenen 38-Jährigen an.

Er bestritt die Rufe zunächst, gegenüber dem Ermittler war er später zu keiner Einlassung mehr bereit. Jedenfalls ist er laut Polizei zuvor nie in einer Weise in Erscheinung getreten, deretwegen sich der Staatsschutz für ihn interessiert hätte.

Allerdings: Durch die bisher vorliegenden Zeugenaussagen habe man dem 38-Jährigen die Rufe bislang nicht eindeutig zuordnen können. Dass sie aber so gefallen sind, wie oben beschrieben, sei übereinstimmend geschildert worden. Die Polizei bezeichnet die Sachlage insgesamt als „unklar“. Es müssten noch weitere Zeugen vernommen werden.

Trotz des Alkoholpegels ist die Frage gerechtfertigt, warum die Öffentlichkeit nicht über die Sache informiert wurde. Denn auf dem Gelände der Selfkantkaserne befindet sich eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge des Landes Nordrhein-Westfalen, Betreiber ist das Deutsche Rote Kreuz.

Pikanterweise war der 38-Jährige bei einer Sicherheitsfirma beschäftigt, die für Ordnung innerhalb der Erstaufnahmeeinrichtung verantwortlich ist. Die Polizeibeamten stellten fest, dass der 38-jährige mutmaßliche Randalierer gemeinsam mit einem Kollegen Alkohol getrunken hatte.

Dabei gehört es zu den Regeln in der Erstaufnahmeeinrichtung, dass Alkohol verboten ist. Bringen Flüchtlinge dennoch alkoholische Getränke mit, werden sie ihnen weggenommen. Ausgerechnet an den dabei angelegten Beständen hatten sich wohl die Sicherheitsleute gelabt, wie Ulrich Hollwitz, Sprecher des Kreises Heinsberg, bestätigt.

Die Polizei hingegen sagt, dass ihr keine Hinweise darauf vorlägen, dass der Alkohol „widerrechtlich erlangt“ worden sein könnte. Vermutlich interessierte der Staatsschutz sich für die Herkunft der Getränke aber auch nicht allzu sehr.

Der Kreis Heinsberg war es, der die Sicherheitsfirma beauftragt hat, und Ulrich Hollwitz betont, dass man mit der Firma weiterhin zusammenarbeite und bislang ausschließlich gute Erfahrungen gemacht habe. Auch der 38-jährige Mitarbeiter, der vor der Kaserne herumgegrölt haben soll, sei bis zu jener Nacht nie negativ aufgefallen.

Unabhängig vom Ausgang der polizeilichen Ermittlungen kam ihm der Vorfall schon jetzt teuer zu stehen. Die Sicherheitsfirma, so Hollwitz, habe ihn entlassen und Strafanzeige gegen ihn gestellt. Auch habe die Sicherheitsfirma das Kreishaus unverzüglich über die Angelegenheit in Kenntnis gesetzt.

Von Seiten der Polizei in Richtung Öffentlichkeit hingegen funktionierte der Informationsfluss offenbar weniger gut. Immerhin veröffentlicht jede Polizeibehörde täglich einen Bericht, der Straftaten, Unfälle und Zeugenaufrufe listet, es sind auch oft Lappalien darunter.

Die Frage, warum die Öffentlichkeit nicht über den Vorfall und die Ermittlungen informiert wurde, lässt die Aachener Polizei unbeantwortet. Dafür gibt es nun einen Zeugenaufruf: „Sollte es über die bereits bekannten Zeugen hinaus noch Zeugen geben, die der Polizei nicht bekannt sind, mögen diese sich bitte melden unter Telefon 0241/9577-36 001.“

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