Seniorenverein warnt vor Schließung der Notfallpraxen

Von: Markus Bienwald
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Er weiß um Sorgen älterer Menschen, die schon jetzt Angst davor haben, künftig nur noch eine Notfallpraxis im Kreis Heinsberg zu haben: Vorsitzender Josef Fröschen vom Seniorenverein Boscheln.

Übach-Palenberg. Die Sorgenfalten auf dem Gesicht von Josef Fröschen werden in diesen Tagen nicht weniger. Denn als altgedienter Vorsitzender des Seniorenvereins Boscheln weiß er ganz genau um die Sorgen und Nöte der 150 Mitglieder. Und da dreht es sich in letzter Zeit immer mehr um das Thema der medizinischen Notfallversorgung, vor allem nach der Ankündigung, die drei im Kreis Heinsberg bestehenden Notfallpraxen auf einen zentralen Standort zu konzentrieren.

„Die Leute haben auf Deutsch gesagt ein ganz schlechtes Gefühl bei der Sache“, sagt Fröschen. Gerade für die Lebensjahre nach dem 65. Geburtstag, in denen natürlich auch die altersbedingten Erkrankungen zunehmen, sei es aber wichtig, sich in möglichst allen Lebenslagen sicher zu fühlen. Das weiß Josef Fröschen ganz genau.

„Das Gefühl der Sicherheit ist unendlich viel wert“, sagt er. Wenn nun aber die Planungen wahr werden, die eine veränderte und damit auch eingeschränkte Versorgung im medizinischen Notfall bedeuten könnten, dann würde sich das nicht nur auf die gefühlte Sicherheit gerade von älteren Menschen auswirken.

„In unserer Generation hat nicht jeder einen Führerschein oder ist vielleicht in einer medizinischen Notsituation nicht in der Lage, sich mal eben ins Auto zu setzen, um nach Heinsberg zu fahren“, erklärt Fröschen.

In seine Generation schließt er dabei ausdrücklich Menschen zwischen Mitte 70 bis weit über 90 ein, die das Groß der Mitglieder des Seniorenvereins Boscheln ausmachen. Sicherlich spricht er damit aus, was viele Menschen denken, „vor allem, weil ja ständig auch vom demografischen Wandel gesprochen wird“, sagt Fröschen. „Wenn es für den Kreis Heinsberg irgendwann einmal nur eine Stelle für Notfälle geben sollte, fehlt einfach die Sicherheit.“

Dabei geht es Fröschen aber nicht darum, irgendwem die Schuld in die Schuhe zu schieben. „Ich wundere mich nur darüber, dass es die Kassenärztliche Vereinigung (KV) als Standesorganisation der Ärzte ist, die offensichtlich genau diese Einsparungen anstrebt“, sagt er. Sicherlich seien diese frei in ihrer Entscheidung, so Fröschen weiter, „aber man kann ihnen ja mal sagen, was wir davon halten.“

Grundsätzlich vertritt er die Ansicht, dass ein Arzt angemessen entlohnt werden muss, das ist für ihn vor allem als alter Gewerkschaftler keine Frage. „Aber im Gegenzug dürfen wir als Patienten auch eine ordentliche Versorgung erwarten“, unterstreicht er. Dass die KV der Ansicht ist, dass diese gute Versorgung existiert, interessiert ihn nicht. „Denn ich wohne hier und nicht in Köln“, sagt Fröschen plakativ.

Seltsam findet er in diesem Zusammenhang übrigens, dass in den Notfallpraxen Unterschriftenlisten ausliegen, die sich gegen die neuerliche Regelung aussprechen. „Das ist doch widersinnig, weil die eigenen Mitglieder nun hingehen und per Unterschriftensammlung gegen das protestieren, was die Vereinigung umsetzen will“, findet er.

So bleibt für ihn der Eindruck haften, die KV agiere hier „ein bisschen an der wirklichen Situation vorbei.“ Und dann kommt seiner Ansicht nach wieder der Mechanismus der Unsicherheit zum Tragen, den er in einfachen Worten umschreibt. „Wenn ich zum Beispiel herzkrank bin, hilft es mir, mich sicher und entspannt zu fühlen“, meint Fröschen, „doch wenn ich mich nicht sicher fühlen kann, liegt es doch nahe, dass ich mich durch Unruhe körperlich mehr belaste und schließlich kranker werde.“

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