Selbstverwaltetes Wohnen im Com-Club: „Wir waren verrufen, aber zu Unrecht“

Von: Markus Bienwald
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Uwe Eggert (l.) war einst ein Kopf des früheren Com-Teams und freut sich gemeinsam mit dem ehemaligen Besucher Robert Freiberg auf das Revival am Freitagabend in der Städtischen Realschule von Geilenkirchen. Foto: Markus Bienwald

Geilenkirchen. „Sex, Drogen und Rock’n’Roll kamen bei uns nur aus den Lautsprechern“, sagt Uwe Eggert und schüttelt sich erstmal heftig vor Lachen. Denn das, wofür der Com-Club in Geilenkirchens Zentrums einst in den Vorstellungen von Eltern stand, gab es tatsächlich nicht. „Wir waren verrufen, aber völlig zu Unrecht“, wehrt sich Eggert.

Heutzutage tut er das natürlich mit der Milde der Jahre, die zwischen der Eröffnung im März 1973 und diesem Tag liegen. „Doch damals, das weiß auch der frühere Gast Robert Freiberg, „da war das ein Thema bei den Eltern.“

Und so sei es oft vorgekommen, dass Eltern zum Com-Club kamen, um ihre Töchter persönlich abzuholen. Dabei ging es im Club, dessen wohl auch von den damals herrschenden Ideen der 68er-Bewegung sehr stark inspiriert war, vor allem darum, ein freies, selbstverwaltetes Jugendheim zu sein. „Alle Entscheidungen wurden vom Team gemeinsam gefällt“, erzählt Uwe Eggert. Dieses demokratische Prinzip sorgte natürlich nicht nur für Friede, Freude und Eierkuchen unter den Clubbern. „Es war toll, wir konnten alles diskutieren, stritten aber auch manchmal sehr in der Sache, waren nach außen hin aber immer eine Einheit“, freut sich Eggert rückblickend.

Die Wurzel dieses Gedankens wurde auch vom damaligen Pfarrer Dechant Ludwig Zermahr an die jungen Geilenkirchener herangetragen. „Er ließ uns am langen Arm arbeiten“, sagt Eggert inzwischen dazu. Damals bedeutete es, dass die Kirche die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte, für den Betrieb vom Aufschließen über die Musik bis zum Aufräumen aber die Verantwortung an die jungen Menschen abgab.

„Das sorgte natürlich manchmal für Zwist“, so Eggert, der von manchen Teamern weiß, dass sie lieber die ruhige Kugel schoben und andere die ganze Arbeit machen ließen. Und das konnte schon mal ganz schön aufwendig sein. Denn es gab zum einen regelmäßige Filmabende. Vor dem Zeitalter des Internets und Youtube war das ein Weg, um für politische Aufklärung zu sorgen, weiß Uwe Eggert. „Aber wir zeigten auch bewusst nonkonformistische Streifen“, sagt er weiter.

Dazu gesellten sich Konzertabende und die Chance, sich mit Gleichaltrigen zwanglos zu treffen. Neben politischen Diskussionen, die zu jener Zeit an der Tagesordnung waren und bei dem einen oder anderen Gast zum späteren politischen Engagement führten, entstanden so aber auch echte Freundschaften. „Viele haben sich damals kennengelernt und treffen sich noch heute“, betont Eggert.

Einer davon ist Robert Freiberg, der heutzutage als Künstler in München lebt, sich aber noch an das schöne Gefühl von damals gerne zurückerinnert. „Es war frei und es war schön“, sagt er mit einem breiten Lächeln. Ob dieses Lächeln auch vielsagend ist, dass mögen die Zeitzeugen lieber für sich entscheiden, da sind Eggert und Freiberg sich einig. Ob die Eltern damals zu Recht Angst um ihre Kinder haben mussten, das wissen die Erziehungsberechtigten sicherlich auch selbst besser.

Klar ist aber, dass die Schließung Ende der 1980er-Jahre ein Schlag ins Kontor für die Jugendlichen war. Was genau zum Ende des Com führte, weiß Uwe Eggert auch nicht. „Aber aus meiner Sicht waren es Vorwände, um die Jugendarbeit des Com-Clubs auf ganz andere Füße zu stellen“, findet er.

So endete die Geschichte des Com, doch für viele Geilenkirchener bleibt der frühere Com-Club ein echtes Stück Zeitgeschichte. „Und das nicht nur, weil wir damals die legendäre fünfte Mannschaft des FSV Geilenkirchen stellten“, schließt Uwe Eggert.

Das 100. Gegentor wurde damals mit einer Bierdusche gefeiert, und an der Seitenlinie freute sich einer, der bald die Geschicke der Stadt leiten wird. Denn Georg Schmitz war damals Betreuer des Fußballteams, das seinen Teil zur Com-Legende beiträgt.

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