Selbstverteidigung für Frauen: Auch der Kopf muss mitspielen

Von: Markus Bienwald
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Kein Zumba, sondern Aufwärmen für das Abwehrtraining, das machte Trainer Tom Klein den Damen hier vor. Foto: Markus Bienwald
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In Eins-zu-Eins-Situationen lernten die Damen im Selbstverteidigungskurs, wie man sich Angreifern richtig gegenüberstellt.

Geilenkirchen. Es sieht so leicht aus, beinahe spielerisch, wie Tom Klein mit ein paar Schritten und einem, vielleicht zwei gezielten Griffen den Angriff seines Gegenübers zunichte macht. Und doch steckt viel Training dahinter, bevor es wie bei Klein, dem mehrfachen Meister in verschiedenen Kampfsportkünsten, ganz leicht aussieht, wenn er einem Gegner den Wind aus den Segeln nimmt.

Dieses Mal richtet sich das Training mit dem Meister, das in Kooperation mit dem Stadtsportverband Geilenkirchen, dem FC Germania Bauchem und dem Budo-Sport-Club Geilenkirchen in der Turnhalle des Geilenkirchener Berufskollegs angeboten wird, aber an eine wichtige Zielgruppe: Frauen.

Ziel sind wehrhafte Frauen

„Anfang des Jahres gab es ein Ereignis, wo ganz bestimmte Defizite klar geworden sind“, erzählt Klein. Und damit meint er natürlich die Übergriffe in der Silvesternacht von Köln. Damals sind wehrlose Frauen von Männern belästigt worden, auch körperlich. Damit das zumindest bei den Teilnehmerinnen des Verteidigungskurses nicht dazu führen kann, dass Gewaltakte vollzogen werden, zeigt Klein ihnen in einem mehrtägigen Kurs, wie die richtige Verteidigung funktioniert. „Unser Ziel sind wehrhafte Frauen“, erklärt er der Gruppe, doch es geht nicht gleich mit Grifftechniken los.

Viele Titel eingeheimst

Stattdessen wird – ähnlich wie beim beliebten Zumba – erstmal in der Gruppe getanzt, sich aufgewärmt und der Körper spürbar gemacht. „Jede Frau mag Bewegung mit Musik“, ist Klein sicher. Doch schon beim tänzerisch wirkenden Warmmachen wird klar, dass hier Körper und Geist, ganz wie im Verteidigungsfall, zusammenarbeiten müssen, damit es klappt.

So berichtet Profi Klein von der einen Kampfsportlerin, die selbst schon viele Titel eingeheimst hat, aber im Moment des Angriffs völlig paralysiert war, und so keine ihrer vielen trainierten Techniken anwenden konnte.

In Alarmbereitschaft versetzt

Darum bereitet Tom Klein, der im Hauptberuf als Polizeibeamter auch viele Jahre das Training der Aktiven für solche Gefahrensituationen übernommen hat, die Damen auch mental auf solche Situationen vor. Lautes Rufen schrecke nicht nur manchen Angreifer ab, macht er klar, sondern sorge auch dafür, dass der Körper der Damen dadurch ganz automatisch schon in Alarmbereitschaft versetzt werde.

„Zudem suchen sich Täter meistens ein wehrlos wirkendes Opfer aus“, erklärt er die Psychologie des Angreifers. Zum Wehren kommen die Damen schließlich auch noch, und dabei konnten auch die Accessoires einer Frau zu den Waffen einer Frau werden. „Was habe ich in der Handtasche, womit ich mich wehren könnte?“, fragte Tom Klein in die Runde, und schnell wurden abseits von Abwehrsprays und anderen vielleicht auch nicht legalen Dingen ganz normale Alltagsgegenstände gefunden, mit denen Frauen sich zur Wehr setzen können.

Am Ende waren die Damen übrigens nicht nur schön ausgepumpt vom anspruchsvollen Training, sondern auch zufrieden, denn im Kurs mit Tom Klein hatten sie erfahren, wie es klappen kann mit der Gegenwehr. Und sie wussten auch, dass es lange dauern wird, bis solche Bewegungsabläufe scheinbar spielerisch umgesetzt werden können.

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