Seit 19 Jahren sitzt Gabi Kals-Deußen im Stadtrat

Von: Udo Stüßer
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Der Berner Sennenhund Emil und der kleine Mischlingshund Snoopy sind treue Freunde von Gabi Kals-Deußen. Die SPD-Stadtverordnete liebt ausgedehnte Spaziergänge mit ihnen. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Wenn Gabi Kals-Deußen mit dem Berner Sennenhund Emil und dem Mischlingshund Snoopy durch die Idylle der kleinen Geilenkirchener Ortschaft Hatterath läuft, will sie einfach nur abschalten und den Kopf frei bekommen. Dann will sie nicht über ihren Job bei der Lebenshilfe nachdenken, dann gelten ihre Gedanken auch nicht der Politik. Dann genießt sie nur noch die Natur. Doch diese freie Zeit ist knapp bemessen.

Seit 19 Jahren sitzt sie im Stadtrat, zunächst für die Grünen, dann für die Bürgerliste, seit zwölf Jahren für die SPD. Die 50-Jährige ist Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss, hat den Vorsitz des Jugendhilfeausschusses inne und ist Sprecherin der Sozialdemokraten im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung.

Arbeitet die ausgebildete Jugend- und Heimerzieherin als stellvertretende Wohnverbundleiterin und Teamleiterin „Betreutes Wohnen“ bei der Lebenshilfe Oberbruch mit geistig und körperlich behinderten Menschen, also im sozialen Bereich, ist es in der Kommunalpolitik eher die Wirtschaft, mit der sie sich beschäftigt.

„Wirtschaftsförderung und die Frage, wie wir innovative Unternehmen und junge Existenzgründer in unsere Gewerbegebiete bekommen, treiben mich in der Politik an“, sagt die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat und Mitglied des SPD-Ortsvereinsvorstandes. Dazu noch wird sie bei der konstituierenden Sitzung der Entwicklungsgesellschaft Geilenkirchen am 6. November für die SPD ihre Arbeit im Aufsichtsrat aufnehmen.

In die Politik ist die aus Boscheln stammende Frau durch die Friedensbewegung gekommen. Sicherlich, so erzählt sie heute, waren ihre Eltern politisch interessiert. Ihre Herzen schlugen für die SPD, Vater Heinz war Parteimitglied. „Meine Mutter Luise interessiert sich auch heute noch mit 89 Jahren für Politik“, sagt Gabi Kals-Deußen. So wurde im Elternhaus viel über Politik gesprochen.

In ihre Jugendzeit fiel der Nato-Doppelbeschluss; Wettrüsten, Atomsprengköpfe und Marschflugkörper waren Themen, die diskutiert wurden. Und Gabi Kals-Deußen ging auf die Straße: Anfang der 80er-Jahre demonstrierte sie in Bonn und vor den Toren der Teverener Kaserne, wo der Awacs-Verband aufgestellt wurde.

„Die Grüne Christa Nickels war eine Leitfigur für mich. So bin ich damals den Grünen beigetreten“, blickt sie heute zurück. Sie arbeitete bald darauf im Vorstand mit Alfons Nickels, Manfred Mingers und Martin Dorsch an ihrer Seite, erlebte die Flügelkämpfe zwischen Fundis und Realos. „Mich hat man in den Realo-Flügel einsortiert“, erklärt sie. Doch dann kam der Kosovo-Krieg. Die rot-grüne Bundesregierung führte mit Joschka Fischer als Bundesaußenminister deutsche Bodentruppen in den Kosovo-Krieg. „Das war für mich undenkbar, ich war maßlos enttäuscht. Diese Partei wollte ich nicht unterstützen“, sagt sie.

Wie viele andere gab sie aus Protest das Parteibuch der Grünen zurück und gründete mit Herbert Brandt, Manfred Mingers und Werner Dahlmanns die Bürgerliste. „Ich wollte damals vor Ort für die Menschen Politik machen, war aber nach einiger Zeit frustriert und demotiviert. Die Bürger kamen nur zu uns, wenn sie Probleme hatten, aber Unterstützung erhielten wir anschließend keine.“

Gabi Kals-Deußen wollte aus der Politik aussteigen. „Die Bürgerliste stand vor der Auflösung, erst unter dem jetzigen Fraktionsvorsitzenden Christian Kravanja blühte sie später wieder auf“, sagt sie rückblickend. Und: „Wenn man etwas erreichen will, braucht man ein stabiles Konstrukt.“ Das fand sie schließlich in der SPD. Uwe Eggert hat sie vor zwölf Jahren überzeugt, den Genossen zur Seite zu stehen.

Bei den Kommunalwahlen im kommenden Jahr wird die Hatteratherin sich wieder zur Wahl stellen. „Das eine oder andere Mal habe ich schon einmal daran gedacht, nach 20 Jahren Ratsarbeit aufzuhören. Aber da hat selbst meine Tochter Anne-Kathrin gesagt: ‚Mama, das kann ich mir gar nicht vorstellen.‘“ Und auch Ehemann Alwin zeigt viel Verständnis für das Engagement seiner Frau. „Ich will fortsetzen, was ich angefangen habe“, sagt sie. Dazu zählt sie aber nicht nur die kommunalpolitische Arbeit in Geilenkirchen, sondern auch das Engagement in dem 450 Einwohner zählenden Ort Hatterath. Hier nämlich ist Kals-Deußen Vorsitzende der Interessengemeinschaft.

„Mit 54 Angehörigen ist das der mitgliederstärkste Verein im Ort“, sagt sie nicht ohne Stolz. Immerhin hat sie die Gemeinschaft vor 13 Jahren mit gegründet. Sichtbarer Beweis für die erfolgreiche Zusammenarbeit in dem kleinen Ort ist sicherlich das Vereinsheim, das in fünf Jahren ehrenamtlicher Arbeit vieler Hatterather aus dem alten Feuerwehrhaus entstanden ist. „Mir geht es auch darum, dass sich die Menschen mit ihrem Ort identifizieren“, erklärt die Genossin. An die Geschichte des Geilenkirchener Stadtteils sollte aus diesem Grunde ein von ihr organisiertes Pflaumenfest erinnern.

„Hatterath ist ein altes Pflaumendorf. Aus dem ganzen Kreis kamen früher die Menschen, um hier Pflaumen zu kaufen“, weiß die Stadtverordnete. Im September fand das Fest großen Zuspruch. „Da gab es Pflaumenschnaps und Pflaumenmarmelade. Und alle sind gekommen, vom Kind bis hin zum 90-Jährigen“, freut sie sich über den Erfolg. Nach fast 20 Jahren Ratsarbeit sagt Kals-Deußen: „Die Friedensbewegung hat mich geprägt.“ Sie weiß aber auch um die Bedeutung des Ehrenamtes. „Ehrenamtliches Engagement bildet einen jungen Menschen.“ Deshalb ist ihre 21-jährige Tochter Mitglied bei den Jusos und in der Feuerwehr.

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