Schwule Schützenkönige: „Repräsentationspflicht einhalten”

Von: fw
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Bezirksbundesmeister Josef Kou
Bezirksbundesmeister Josef Kouchen: Ein homosexueller Würdenträger, männlich oder weiblich, darf nur gemeinsam mit einem andersgeschlechtlichen Begleiter die Schützen bei öffentlichen Auftritten repräsentieren oder aber - alternativ - er marschiert allein mit. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen/Gangelt. Es ist ein heikles Thema, das durchaus Anlass zur Diskussion gibt. Darf ein Schützenkönigspaar gleichgeschlechtlich sein? Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) hat bei seinem Verbandstag in Leverkusen mit großer Mehrheit beschlossen, dass es künftig keine homosexuellen Majestäten mehr geben darf.

Die Diskussion ins Rollen gebracht hatte ein schwules Königspaar im Münsterland.

Josef Kouchen, Bezirksbundesmeister des Bezirksverbandes Geilenkirchen/Übach-Palenberg mit 28 Bruderschaften in Geilenkirchen, Übach-Palenberg, Baesweiler und in Teilen Hückelhovens verteidigt den Beschluss des BDHS: „Auch homosexuelle Schützenbrüder und -schwestern haben in den Bruderschaften natürlich ihre Heimat. Das bedeutet, sie haben alle Rechte und Pflichten, einschließlich die Möglichkeit, die Königswürde zu erringen. Aber: Sie müssen sich unbedingt an die Repräsentationspflicht, die der BDHS formuliert hat, halten.”

Das bedeute: Ein homosexueller Würdenträger, männlich oder weiblich, dürfe nur gemeinsam mit einem andersgeschlechtlichen Begleiter die Schützen bei öffentlichen Auftritten repräsentieren - oder aber - alternativ - er marschiere allein mit.

Der BDHS sei im Kern ein katholischer Verband, und damit komme dem Sakrament der Ehe eine tiefere Bedeutung zu als jeder anderen Lebenspartnerschaft. „Die Würdenträger müssen durch ihr Auftreten zum Ausdruck bringen, dass sie die Grundsätze des christlichen Glaubens mittragen”, erklärt Bezirksbundesmeister Kouchen. Das Auftreten von gleichgeschlechtlichen Königspaaren - wie etwa im Münsterland - sei mit der christlichen Tradition der Bruderschaften nicht vereinbar, erklärt Bezirksbundesmeister Josef Kouchen.

Heinrich Aretz, Ehrendekanatsbundesmeister im Dekanat Gangelt/Selfkant mit 22 Bruderschaften kann den Schritt des BDHS ebenfalls nachvollziehen und hält ihn für richtig: „Neben dem König hat die Königin ihren Platz, sie soll mit im Mittelpunkt stehen. Wenn der Verband die christlichen Werte als Argument für seine Entscheidung anführt, kann ich dem nur beipflichten.”

Aretz ist der Meinung, dass man im Vorfeld eines Königsvogelschusses das Gespräch mit den betreffenden Anwärtern suchen sollte. Mit diesem Prozedere habe er zu seinen früheren Zeiten als Dekanatsbundesmeister „gute Erfahrungen” gemacht. „Als damals noch die Maßgabe des BDHS galt, dass Geschiedene nicht König oder Königin werden durften, habe ich mit den Leuten geredet.” Aretz räumt ein, das Gespräch für alle Beteiligten nicht immer einfach gewesen sei. „Doch am Ende hat bei den Leuten weitestgehend die Einsicht gesiegt, dass die Interessen der Bruderschaft als christlicher Kulturträger wichtiger sind als das eigene.”

Eine Diskriminierung schwuler Interessenten für die Königskrone sieht der Gangelter Schützenbruder nicht, da das Reglement des BDHS auf den uralten Grundtugenden „Glaube, Sitte, Heimat” basiere. „Und die akzeptiert schließlich ein jeder, wenn er der Bruderschaft beitritt.”
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