Schwimmfans warten mit vielen Ideen auf

Von: Manfred Hahn
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Starke Resonanz fand das Leser
Starke Resonanz fand das Leserforum in der historischen CMC-Lohnhalle über existenzielle Fragen zum Schwimmbad. Foto: Georg Schmitz

Übach-Palenberg. Wer es bisher nicht wusste, der konnte es am Donnerstagabend erfahren: Die Übach-Palenberger lieben das Schwimmen - als Sport ebenso wie als Freizeitspaß.

In der Lohnhalle des Carolus Magnus Centrums (CMC) reichten trotz Nachlieferung die Sitzplätze kaum aus, knapp 120 Bürger waren der Einladung zum „Leserforum” unserer Zeitung mit dem Thema „Zukunft des Ü-Bades” gefolgt.

Das freute auch Redakteur Wilfried Rhein, der professionell und charmant durch den Abend führte. Neben den Besuchern begrüßte er seitens der Verwaltung Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, Kämmerer Björn Beeck, Hans-Peter Gatzen (Dezernent für Planen, Bauen und Wirtschaftsförderung), Marie-Luise Hermanns (Technischer Betrieb) sowie Helmut Mainz (Stadtentwicklung).

Das Wort gab er zunächst Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch, der schilderte, wie es zu den Plänen kam, das Ü-Bad eventuell an einen privaten Investor zu vergeben. Wegen der desolaten Finanzsituation geriet die Stadt zwangsweise unter den Schirm des Stärkungspaktes NRW. Das bedeutet zwar zwei Millionen Zuschuss pro Jahr aber auch die Erstellung eines „Sanierungsplans”, mit dem bis 2023 der Haushalt ausgeglichen werden muss, wobei auch der Verkauf des Ü-Bades ab 2016 die Einsparung von rund 550.000 Euro bringen soll.

Er selbst wolle für den Erhalt des „schönsten Bades in der Region” kämpfen. Mehrfach rief er in der anschließenden Diskussion die Bürger auf: „Geht schwimmen, um das Bad zu retten!” Er warnte jedoch auch vor der Erwartung schneller Erfolge in den Spar- und Rettungsbemühungen, denn dass es täglich Hiobsbotschaften für die Finanzlage geben könne, sei Alltag für die Stadtverwaltung.

Die Fragen, die reichlich gestellt wurden, ließen sich in mehreren thematischen Blöcken zusammenfassen. So gab es verschiedene Warnungen vor dem Verkauf an private Badbetreiber. Falls sich kein wirtschaftlicher Erfolg einstellte, hätten die keine Probleme, so ein Bad aufzugeben, hieß es. Ein eindringlicher Hinweis dazu kam interessanterweise von einem Gesprächsteilnehmer, der früher in Würselen wohnte. Dort habe die Stadt schlechte Erfahrungen mit dem privaten Betrieb ihres Bades „Aquana” gemacht hat und sitze auf jährlich 800 000 Euro Defizit für das Bad. Der Bürgermeister versicherte dazu, dass man mit Sicherheit „nicht blauäugig” in solche Verhandlungen gehe.

Ein weiterer Bereich, auf den etliche Anregungen der Bürger zielten, war das „Sponsoring”. Mit Werbebeschriftungen oder anderen Werbeformen hätten die Übach-Palenberger kein Problem, wenn dadurch ihr Bad finanzierbar bleibe. Der Bürgermeister stimmte den Vorschlägen zu und betonte, dass die rührige Schwimmbad­chefin Sabine Maass sich schon jetzt um Sponsoren bemühe.

„Attraktivitätssteigerung” war ein anderes Stichwort. Ein Vorschlag ging dahin, den Sauna­betrieb am Bad zu erweitern und ein „Sauna-Dorf” zu schaffen, welches das Bad auch für einen möglichen Investor attraktiver machen könnte. Dem widersprach ein anderer Vorschlag: Wichtiger als so etwas sei es, mehr für Familien und Kinder zu schaffen, das Bad eventuell für Kindergeburtstage oder andere Feiern reizvoll zu machen. Bis zu Einzelheiten, wie dem bei manchen Jugendlichen verpönten Badehosenzwang reichte die Palette, und für den Bürgermeister und seine Verwaltung waren das durchaus ernst zu nehmende Anregungen. Mehr Werbung für das „Baby-Schwimmen” oder Arbeitsmöglichkeiten für Physiotherapeuten lauteten weitere Anregungen.

„Ich wäre auch ins kalte Wasser gesprungen!” Für diesen Satz einer Besucherin gab es besonders viel Applaus. Denn sie komme aus Alsdorf regelmäßig zum Schwimmen in das Ü-Bad, „weil es kein schöneres Bad in der Umgebung gibt”. Sie plädierte dafür, das Freibad am Ende des Sommers länger geöffnet zu halten, auch bei kälterem Wasser. Gut täte nach Ansicht etlicher Diskussionsteilnehmer dem Ü-Bad eine energetische Sanierung.

Es gab interessante Vorschläge, die jedoch teilweise von der Verwaltung begründet zurückgewiesen werden mussten. So die Idee, das Schwimmbaddach für Photovoltaik-Anlagen zur Verfügung zu stellen. Die Statik spielt in diesem Fall nicht mit, so Wolfgang Jungnitsch. Bedenkenswert auch der Vorschlag, die Wassertemperatur um ein oder eineinhalb Grad zu senken oder die Duschen weniger heiß und in kürzeren Intervallen einzustellen. Wo es machbar sei, habe man das und Ähnliches schon umgesetzt, erklärte für die Verwaltung Helmut Mainz, doch bei der Wassertemperatur habe man hygienische oder medizinische Zwänge wie die Legionellen-Prophylaxe zu beachten.

Besondere Aufmerksamkeit fand der Beitrag eines aktiven Schwimmsportlers. In anderen Städten, so wusste er zu berichten, decke man die Wasserflächen in den Bädern nachts zum Beispiel mit Schaumstoffmatten ab, um die Abkühlung zu bremsen. Auch so etwas, so die Verwaltung, scheitere wie andere Energiesparmaßnahmen daran, dass man zunächst investieren müsse.

Das Thema der möglichen Abgabe des Ü-Bades ist längst Thema der im Rat vertretenen politischen Parteien. Folglich befanden sich auch Vertreter einiger Parteien beim Leserforum wieder. So Gerhard Gudduschat (CDU), der betonte, dass seine Fraktion bei der Verabschiedung des Sanierungsplans die Formulierung „Schließung des Ü-Bades” verhindert habe. Oder Heiner Weißborn (SPD), feststellen ließ, dass auch ohne die Position „Verkauf des Ü-Bades” der Sanierungsplan noch einen hundertprozentigen Deckungsgrad habe, oder Brigitte Appelrath (Grüne) mit Hinweisen zur energetischen Sanierung.

Wartelisten bei den Vereinen

Thema Schulschwimmen: Die Kosten und Möglichkeiten für eine eventuelle Verlagerung in Nachbarstädte müssen hier noch ermittelt werden, hieß es. In eine ähnliche Richtung zielte die Anmerkung, dass es im Bereich der Vereine lange Wartelisten gebe, wenn man ein Kind zum Schwimmunterricht anmelden wolle. Das, so meinten andere, spreche allerdings auch für die Beliebtheit des Übach-Palenberger Bades.

So konnte sich Moderator Wilfried Rhein am Ende einer Veranstaltung bei einem interessierten und lebhaften Forum bedanken, das wohl mit ihm einer Meinung war, als er das Fazit zog: „Das Ü-Bad geht nicht unter.”
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