Schwimmende Kids auch ohne eigenes Bad

Von: Markus Bienwald
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Die Gewöhnung ans Wasser gehört neben Tipps zur richtigen Bewegung zum Schwimmenlernen im Gangelter Freibad dazu. Foto: Markus Bienwald
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Beim Sprung ins angenehm warme Wasser des Gangelter Freibades darf bei den Fortgeschrittenen die Schwimmhilfe – auch Poolnudel genannt – ruhig am Beckenrand liegen bleiben. Foto: Markus Bienwald

Gangelt/Geilenkirchen. In dem Moment, in dem sich die dicken Rauchwolken vom Bauchemer Hallenbad weithin sichtbar über die Stadt legten, wurde nicht nur das Schwimmbad in Geilenkirchen zerstört. Auch die Sport- und Vereinsstätte war vom Erdboden verschwunden, das gleiche galt für die Möglichkeit, dort schwimmen zu lernen.

Schnell wurde klar, dass Abhilfe geschaffen werden muss, und da war das Angebot der Gemeinde Gangelt, das Freibad für den Schwimmunterricht der Grundschulen aus dem Geilenkirchener Stadtgebiet nutzen zu können, wie ein Segen.

Das war 2015, damals freute sich der Erste Beigeordnete von Geilenkirchen, Herbert Brunen, über ein „tolles Angebot“. Dieses beinhaltete, dass die Gemeinde Gangelt ihr Freibad zum Schwimmenlernen zur Verfügung stellt, die Stadt Geilenkirchen sich über die Fahrtkosten für die Schüler einbringt und auch der Kreissportbund Heinsberg ein gewichtiges Wörtchen mitreden darf.

Und da der Erfolg im letzten Jahr nicht auf sich warten ließ, wurde gemeinsam mit dem Regionalen Bildungsbüro des Kreises Heinsberg innerhalb des landesweiten Programms „NRW bewegt seine Kinder“ auch in diesem Jahr die Kooperation neu aufgelegt. Unter dem Titel „Mathe schützt nicht vor Ertrinken“, setzt sich diese Reihe für das Schwimmenlernen bereits in der Grundschule ein.

Tödliche Badeunfälle

Hintergrund ist, dass etwa jeder zweite Viertklässler gar nicht oder nur sehr unsicher schwimmen kann, wie die Statistik zeigt. Demnach hat die Zahl der Schwimmprüfungen um etwa ein Viertel abgenommen und die tödlichen Badeunfälle von Kindern und Jugendlichen ist gestiegen. Das sind nur die bundesweiten Zahlen, aber auf Kreisebene geht die Entwicklung auch weiter, wie Gerd Schütz von der DLRG ergänzt.

„Rund ein Drittel der Schüler in der vierten Klasse kann nicht schwimmen“, weiß er. Der Nichtschwimmeranteil beträgt im fünften Schuljahr gut zehn Prozent und die Wartezeiten für Schwimmkurse, etwa bei lokalen Vereinen, betragen bis zu zwei Jahre. Mit dem gemeinsamen Schwimmprojekt von Bildungsbüro und Kreissportbund soll nun die Nichtschwimmerquote deutlich gesenkt werden.

Dabei spielen neben den Sportlehrern und dem Ehrgeiz der Kinder – in diesem Jahr nahmen rund 250 Drittklässler aller Grundschulen aus dem Geilenkirchener Stadtgebiet teil – auch die ehrenamtlichen Schwimmtrainer eine große Rolle. Das sind ausgebildete Schwimmlehrer wie beispielsweise von der DLRG, die zum einen wissen, wie sie die Kinder ans Wasser gewöhnen, und zum anderen gut abschätzen können, in welchem Stadium des Schwimmenlernens was nötig und angebracht ist.

Ralph Wirth und Kai Mertens sind zwei von den Schwimmlehrern, und sie zeigen denen, die noch nicht so gut schwimmen können, schon auf dem Trockenen, was wichtig ist. „Die Füße ruhig ein wenig nach innen klappen“, ruft Ralph Wirth in die Menge. Und dank Kai Mertens sind auch schnell alle dabei, als es darum geht, den richtigen Armschlag zu üben.

Die Angst vor dem Wasser ist trotz 15 Grad Außentemperatur echt groß, doch dank der Beheizung des Gangelter Freibades erwartet die Schüler ein wohlig temperiertes Becken, in dem es Spaß macht, Schwimmen zu lernen. Dass das klappt, zeigt nicht nur der junge Dimitri, der beim Besuch unserer Zeitung mit dem Heraufholen des roten Tauchrings aus dem Becken sein erstes Schwimmabzeichen mit Bravour gemeistert hat.

Dass das nun dank des Schulterschlusses aller Beteiligten in Gangelt möglich ist, darüber freuen sich nicht nur die Grundschüler. Denn bis im neuen Geilenkirchener Hallenbad (beinahe) an der alten Stelle wieder jemand sein Seepferdchen machen kann, vergeht sicherlich noch einige Zeit.

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