Schulsanierungen: Marode Klassenzimmer und löchrige Erklärungen

Von: Jan Mönch
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Das Carolus-Magnus-Gymnasium ist kurz vor dem Ende der Sommerferien eine Großbaustelle. Foto: Jan Mönch
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Unter anderem werden die teils völlig beschlagenen Fenster ausgetauscht. Foto: Jan Mönch
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Bis zum Schulstart müssen die Arbeiten eigentlich beendet sein. Foto: Jan Mönch
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Noch ist bei den Arbeiten kein Ende in Sicht. Foto: Jan Mönch

Übach-Palenberg. Die Schüler des Übach-Palenberger Gymnasiums genießen zurzeit noch ihre Ferien, im Schulgebäude jedoch herrscht längst Hochbetrieb: Hämmer lärmen, Bohrer dröhnen, es wird gearbeitet, als gäbe es kein Morgen mehr. Fast wirkt es, als solle der Baustellenlärm die Störgeräusche übertönen, die in den vergangenen Monaten rund um die Sanierung dieser und der anderen Übach-Palenberger Schulen entstanden sind.

Allerdings spricht einiges dafür, dass die Auseinandersetzung zwischen Schulleitern und Stadtverwaltung erst nach den Ferien ihren Höhepunkt erreichen wird. Nachdem vergangene Woche öffentlich geworden ist, dass das Rathaus in der Sitzung des Sozialausschusses Ende Mai vollkommen falsche Summen genannt hat, für die die Schulen seit 2009 saniert worden sein sollen, ist die Verärgerung unter den Schulleitern groß.

Und diese Woche traten weitere Widersprüche auf. Denn das Rathaus behauptet, dass man die korrekten Zahlen selbst erst seit dem 9. August kenne, da seien sie erstmals berechnet worden. Verwaltungsunterlagen, die unserer Zeitung zwischenzeitlich zugespielt wurden, legen jedoch nahe, dass das nicht stimmt. Im Rathaus nämlich wurden bereits im Frühjahr dieses Jahres, und zwar lange vor der folgenreichen Sitzung des Sozialausschusses, zumindest für die Jahre 2013, 2014, 2015 und 2016 Werte kommuniziert, die mit den später im Sozialausschuss veröffentlichten, falschen Werten nicht das Geringste zu tun haben.

Ganz im Gegenteil: Bis auf geringfügige Abweichungen entsprechen sie den korrekten Werten, obwohl man die doch erst im August berechnet haben will: 2016 waren es 2,8 Millionen Euro, nicht fünf Millionen, 2015 waren es 2,9 Millionen, nicht 5,3 Millionen – und so weiter. Selbst wenn parallel durch ein Versehen falsche Werte errechnet worden sein sollten, hätte dies also spätestens nach deren Veröffentlichung auffallen müssen.

Mittel zusammengestrichen

Warum die Stadt sich schließlich doch noch selbst korrigierte, ist nicht ganz klar. Bekannt ist nur, dass die SPD misstrauisch geworden war und im Hintergrund nachhakte. Jedenfalls wurde vergangene Woche schließlich publik, dass die Schulen in den Jahren von 2009 bis 2016 nicht etwa für 28,2 Millionen Euro saniert und instand gehalten worden waren, sondern lediglich für 13,5 Millionen, also weniger als die Hälfte. Die Stadtverwaltung beharrt auf der Darstellung, es habe sich um einen Irrtum gehandelt: Versehentlich habe man den Wertverlust der Gebäude zu den eigentlichen Werten hinzugerechnet.

Auf Skepsis war diese Darstellung ohnehin schon gestoßen. Das hängt auch damit zusammen, dass die falschen Zahlen sich genau auf die Amtszeit von Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (CDU) erstreckten und verschleierten, dass die Mittel in den ersten Jahren unter seiner Führung zunächst deutlich zusammengestrichen worden sind. „Es ist schwer zu sagen, was schlimmer ist: Wenn dieser Fehler aus Nachlässigkeit oder vielleicht sogar mit Absicht entstanden ist“, sagte SPD-Chef Alf-Ingo Pickartz vergangene Woche.

Die nun durchgestochenen Interna sprechen für Letzteres.

Im Fokus des Interesses

Die Auseinandersetzung zwischen Schulleitungen und Stadtverwaltung läuft im Hintergrund schon seit Jahren. Spätestens der aktuelle Vorgang hat den Zustand der Übach-Palenberger Schulgebäude in den Fokus des Interesses gerückt. Die Stadtverwaltung übermittelte unserer Zeitung auf Nachfrage Zahlen zu den Mittelverwendungen für die einzelnen Schulgebäude seit 2009.

Es zeigt sich, dass vor allem in das Gymnasium beträchtliche Summen geflossen sind: 2010, 2015 und 2016 war es jeweils mehr als eine Million Euro. Dass dennoch auch aktuell wieder zahlreiche Maßnahmen umgesetzt werden, beweist, wie miserabel der Zustand des genau 50 Jahre alten Gebäudes und wie gravierend der Investitionsstau gerade hier ist.

In die Gesamtschule sind seit 2009 jedes Jahr sechsstellige Werte geflossen, für die Realschule gilt seit 2013 dasselbe. Bei den Grundschulen lagen die Mittel – den kleineren Gebäuden entsprechend – meist im fünfstelligen Bereich. An der Hauptschule wurde meist offensichtlich nur noch das Nötigste gemacht, schließlich läuft sie aus und ist mittlerweile in Containern untergebracht. 2014 und 2015 etwa flossen jeweils lediglich vierstellige Summen.

Eine Aufstellung über sämtliche Maßnahmen von mehr als 10.000 Euro wollte die Stadtverwaltung indes nicht liefern. Dies sei so aufwendig, dass ein Rathausmitarbeiter damit vier Monate beschäftigt wäre. So jedenfalls hat man es ausgerechnet.

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